Skip to main content

Dezember 2016 | Andreas Hanslik

Ass. Prof.Dr. Andreas Hanslik

MedUni Wien RESEARCHER OF THE MONTH, Dezember 2016

Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat Herrn Ass. Prof. Dr. Andreas Hanslik aus Anlass der im Top-Journal „Blood “ (IF 11.8) erschienenen Arbeit „Monitoring unfractionated heparin in children - a parallel-cohort randomized controlled trial comparing two dose protocols “.(2) Die Publikation wurde von den Herausgebern weiters durch ein Editorial besonders hervorgehoben: Inside Blood Commentary: ‘aPTT in children receiving UFH: time for a change?’.(1) Die publizierten Ergebnisse sind Teil der HEARTCAT-Studie (Heparin Anticoagulation Randomized Trial in Cardiac Catheterization), welche von der Dr. Hanslik und der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für pädiatrische Hämostaseologie konzipiert und an der Abteilung für pädiatrische Kardiologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde durchgeführt wurde.

Thromboembolien bei Kindern und Labormonitoring von Heparin

Thromboembolien (TE) sind bei gesunden Kindern selten, stellen jedoch eine relevante Komplikation bei Kindern mit schweren Grunderkrankungen, insbesondere mit angeborenen Herzfehlern,  dar. Der wichtigsten Risikofaktoren für TE bei Kindern sind exogene Trigger wie zentrale Venenkatheter oder Herzkatheteruntersuchungen, wie sie bei Operationen und diagnostischen Maßnahmen nötig sind. Die altersspezifische Gerinnungsphysiologie trägt – vor allem bei Säuglingen – ebenfalls zum Thromboserisiko bei, und beeinflusst sowohl die Wirkung von Antikoagulationen als auch die für das Monitoring dieser Medikamente eingesetzten Labortests.

Die HEARTCAT Studie war eine randomisiert kontrollierte Studie, welche Heparin für die primäre Thromboseprophylaxe während Herzkatheteruntersuchungen und –interventionen untersuchte. Es wurden Kinder (vom Neugeborenen- bis zum Adoleszentenalter) untersucht und zwei Heparin-Dosisprotokolle für Heparin im Hinblick auf das Auftreten von TE und Blutungskomplikationen verglichen, wobei die klinischen Ergebnisse im Journal of Thrombosis and Haemostasis veröffentlicht wurden. Das Studiendesign war insofern bemerkenswert, als das elektive Setting der Heparinisierung während Herzkatheteruntersuchungen bei Kindern einen kontrollierten Dosisvergleich und serielle Pharmakokinetik-Blutabnahmen erlaubt. Damit kann die Studie als Modell für die Heparintherapie bei Kindern aller Altersstufen gelten, die in der klinischen Routine aufgrund ihrer schweren Erkrankungen nur eingeschränkt systematischen Untersuchungen und regelmäßigen Blutabnahmen unterzogen werden können.

In der rezenten Blood Publikation wurde nun die pharmakokinetischen Eigenschaften von Heparin bei Kindern und seine Wirkung auf verschiedene Laborparameter zum Heparinmonitoring (aPTT, ACT, anti-Xa) untersucht. Neben einem starken Alterseinfluss des Heparin-Effekts auf die unterschiedlichen Laborparameter konnte eine Dosisabhängigkeit dieses Alterseinflusses (bei niedriger Dosis ausgeprägter) gezeigt werden. Obwohl alle drei Tests prinzipiell gut zwischen den beiden Heparin-Dosisprotokollen unterschieden, war die Korrelation zwischen den Tests niedrig. Die weltweit am häufigsten für das Heparinmonitoring bei Kindern eingesetzte aPTT erwies sich von eingeschränktem Wert, da sie nur schlecht mit den beiden anderen Tests korrelierte und überwiegend supratherapeutische bzw. unmessbar hohe Werte zeigte. Die Studie konnte insgesamt zeigen, dass bisherige Überlegungen zum Heparinmonitoring sowie zur Generierung von Therapiebereichen im Kindesalter, und ganz besonders im Säuglingsalter, in Frage gestellt werden müssen.

Wissenschaftliches Umfeld

Dr. Hanslik ist Teil der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe für pädiatrische Hämostaseologie, welche zur Abteilung für Pädiatrische Kardiologie/ Kinderherzzentrum Wien gehört. Die Arbeitsgruppe (Leitung: Univ. Prof. Dr. Ch. Male) beschäftigt sich sowohl mit Thrombosen als auch mit Blutungsneigungen bei Kindern. Dr. Hanslik hat in dieser Arbeitsgruppe sein eigenes Forschungsportfolio zum Thema TE bei Kindern mit Herzerkrankungen entwickelt und dabei sowohl PhD-Studenten als auch Diplomanden betreut. Die Ergebnisse der zum Thema durchgeführten Studien haben zu bislang fünf Toppublikationen als Erst- und Letztautor, zu einer Einladung zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thrombose- und Hämostaseologie als Key-note-Speaker, sowie zur Verleihung des Wissenschaftspreises der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde geführt.(1,3,4,5,6) In seiner Forschungsarbeit kooperiert Dr. Hanslik die Studien zum Thema TE bei Kindern mit Herzerkrankungen betreffend sowohl mit dem Royal Children’s Hospital, Melbourne, Australia, als auch mit dem Institut für Pharmakometrie der Universität Uppsala, Schweden.

Zur Person

Dr. Hanslik wurde 1979 in Wien geboren und studierte nach seinem Zivildienst beim Roten Kreuz Medizin an der Universität Wien. Im Jahr 2005 promovierte er an der Medizinischen Universität Wien sub auspiciis Praesidentis rei publica und beendete sein Studium mit einer Dissertation an der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Die Ergebnisse dieser Dissertation konnten im zu diesem Zeitpunkt führenden pädiatrischen Journal Pediatrics publiziert werden.(7) Seine klinische Ausbildung zum Kinderfacharzt sowie die Ausbildung zum Additivfacharzt für Pädiatrische Kardiologie absolvierte Dr. Hanslik sowohl am AKH Wien als auch im Zentrum für angeborene Herzfehler in Bad Oeynhausen/ Nordrhein-Westfalen, wobei ein wesentlicher Teil seiner Ausbildung sowohl pädiatrische Intensivmedizin als auch Herzkatheteruntersuchungen bei Kindern umfasste.

Ausgewählte Literatur

  1. Monitoring unfractionated heparin in children - a parallel-cohort randomized controlled trial comparing two dose protocols. Hanslik A, Kitzmüller E, Tran US, Thom K, Karapetian H, Prutsch N, Voitl V, Michel-Behnke I, Newall F, Male C. Blood 2015;126(18):2091-7.
  2. Inside Blood Commentary: ‘aPTT in children receiving UFH: time for a change?’ by Riten Kumar and Sarah H. O’Brien. Blood 2015;126(18):2075-76.
  3. Anti-IIa for monitoring unfractionated heparin in children - results of the HEARTCAT study. Hanslik A, Kitzmüller E, Tran U, Thom K, Karapetian H, Prutsch N, Voitl J, Michel-Behnke I, Newall F, Male C. Accepted for publication in J Thromb Haemost 2016.
  4. Incidence of thrombotic and bleeding complications during cardiac catheterization in children: comparison of high-dose vs. low-dose heparin protocols. Hanslik A, Kitzmüller E, Thom K, Haumer M, Mlekusch W, Salzer-Muhar U, Michel-Behnke I, Male C. J Thromb Haemost. 2011; 9:2353-2360.
  5. No impact of endogenous prothrombotic conditions on the risk of central venous line-related thrombotic events in children.  Thom K, Male C, Mannhalter C, Quehenberger P, Mlzoch E, Luckner D, Marx M, Hanslik A. J Thromb Haemost 2014; 12:1610-5.
  6. Incidence and diagnosis of thrombosis in children with short-term central venous lines. Hanslik A, Thom K, Haumer M, Kitzmüller E, Albinni S, Wolfsberger M, Salzer-Muhar U, Male C. Pediatrics 2008; 122;1284-91.
  7. Predictors of spontaneous closure of isolated secundum atrial septal defect in children - a longitudinal study. Hanslik A, Pospisil U, Salzer-Muhar U, Greber-Platzer S, Male C. Pediatrics 2006; 118; 1560-1565.