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Seminarreihe Ethik und Ethos in der Klinischen Krankenhausseelsorge und in der Universitätsmedizin - Mit-Menschlichkeit in Technologie und Digitalisierung

Events

19. September 2019
14:30-16:00

24. Oktober 2019
16:00-18:00

28. November 2019
16:00-18:00

23. Jänner 2020
16:00-18:00

 

Hörsaal 5 im Hörsaalzentrum der
MedUni Wien im AKH Wien

 

Information und Programm Event zum Kalender hinzufügen (ICAL)

 

Transdisziplinäre Seminarreihe zum Thema: Ethik und Ethos in der Universitätsmedizin – Mit-Menschlichkeit in Technologie und Digitalisierung

 

Weitere Informationen

 

Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Universitätsmedizin Wien und der Klinischen Seelsorge im AKH Wien. Weiterführende Infos folgen zeitgerecht vor den jeweiligen Seminareinheiten per Veranstaltungskalender der MedUni Wien (www.meduniwien.ac.at) bzw. der Website des Doktoratsstudiums Clinical Neurosciences (www.meduniwien.ac.at/clins).

 

zum Bild: Homo Cyberneticus (Aron Cserveny, Univ.Klinik für Chirurgie)
Das Bild des “Homo Cyberneticus” ist ein Versuch, die menschliche Interaktion mit der Technologie im 21. Jahrhundert darzustellen. Der Mensch, im Zentrum, befindet sich im Spannungsfeld von positiven sowie negativen Aspekten der Technologie. Das Spektrum reicht dabei von Hilfsmitteln, die den biologischen Menschen unterstützen, verlorene Funktionalität wiederherstellen, bis hin zu stark invasiven, militärischen oder überwachungstechnischen Anwendungen; letztendlich aber auch zum Versuch, die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwimmen zu lassen, um ein transhumanistisches Hybridwesen zu erschaffen. Das humanistische Bild von Da Vincis “Vitruvischem Mann”, wird also zum transhumanistischen “Homo Cyberneticus”. Die Reichweite dieser Verwandlung wird sich in Zukunft nur durch tiefgreifende ethische Diskussionen definieren lassen.

 

Programm

 

1. Einheit: Do., 19. September 2019, 14:30–16:00 Uhr
Menschenbild und Körperbild im digitalen Raum
Referenten: Thorsten Benkel und Matthias Meitzler, Universität Passau

Die Bedeutung der Digitalisierung für das gesellschaftliche Leben ist mittlerweile unbestritten. Weniger intensiv wird bislang betrachtet, inwiefern auch Sterben, Tod und Trauer online thematisiert werden. Ein entscheidender Grund dürfte die scheinbare Körperferne der Internet-Kommunikation sein; sie macht den Eindruck, als wäre Datenaustausch ein Geschehen ohne tiefere Verbindung zur körperlichen Alltäglichkeit der Nutzer. Gleichwohl wird der Körper in multimedialer Form nachgeahmt und damit in gewisser Hinsicht als 'zweiter Körper' reproduziert. Dabei entsteht ein Spannungsverhältnis, das Einblicke in den generellen Wandel des Umgangs mit dem Körper verspricht.

Dr. Thorsten Benkel und Dr. Matthias Meitzler - Universität Passau - Lehrstuhl für Soziologie - Dr. Hans-Kapfinger-Str. 14 - 94032 Passau - Tel. 0851/509/2685 -
Email: Thorsten.Benkel@uni-passau.de

2. Einheit: Do., 24. Oktober 2019, 16:00–18:00 Uhr
Der alte und gebrechliche Mensch: Nutzung von Technologie und Digitalisierung im Sinne der Lebensstützung und Menschenwürde

Referentinnen:
Prof. Dr. Tanja Stamm, Dr. Claudia Oppenauer, Institut für Outcome Research, Zentrum für Medizinische Statistik, Informatik, und Intelligente Systeme

Abstract:
Digitale Innovationen sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken und bestimmen den Alltag der meisten Menschen. Von assistiven Technologien wird erwartet, dass sie die Selbstständigkeit älterer Menschen erhöhen und ihnen ermöglichen, länger im häuslichen Umfeld zu verbleiben. Zukünftig sollen technologische Innovationen kosteneffektiv zu einer nachhaltigen medizinischen und pflegerischen Versorgung beitragen. Trotzdem sind ältere Menschen derzeit nicht ausreichend mit diesen Technologien versorgt. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von ungünstigen Technologieentwicklungen ohne die Bedürfnisse älterer Menschen berücksichtigt zu haben bis zu ethischen Fragestellungen, wie Nutzung von und Zugriff auf personenbezogene Daten, Angst vor Überwachung durch Datenmessung und Missbrauch, sowie ungeklärten Fragen der Finanzierbarkeit der Technologien. Die Nutzung der Technologien durch ältere Menschen mit chronischen Erkrankungen und/oder kognitiven Einschränkungen erfordert eine wechselseitige Einbeziehung von Perspektiven der primären BenutzerInnen, des sozialen Umfelds, der EntwicklerInnen, der Policy Maker und der rechtlichen und ethischen ExpertInnen. Aus diesen Gründen ist es essentiell, dass wir als Gesellschaft ethische und spirituelle Überlegungen zu diesen offenen Fragen anstellen, diese interdisziplinär diskutieren und die Zielsetzungen für assistive technologische Innovationen mitbestimmen.

Buddhistischer Input

Gerhard Weißgrab
Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgemeinschaft

Die großen technischen Fortschritte unserer Zeit nähren die Idee grenzenloser Möglichkeiten. In der Realität leben wir aber in einer begrenzten Welt. Daher stehen wir ständig vor neuen Entscheidungen, wie dieser wachsende Fortschritt heilsam eingesetzt werden kann. Ziel dieser Entscheidungen muss aus ethischer Sicht immer das Wohl des einzelnen betroffenen Menschen sein. Hier kann es leicht zu einem Konflikt mit den heute gängigen Zielvorgaben für Wirtschaftlichkeit und Profitabilität kommen. Gerade beim alten und gebrechlichen Menschen droht da leicht ein Interessenkonflikt – welcher technische oder digitale Einsatz rechnet sich? Und es ist immer die Kernfrage zu stellen: Welcher Einsatz stärkt oder schwächt Lebensqualität und Menschenwürde? Empathie, Mitgefühl und Wissen sowie Weisheit zählen hier sicher zu den wichtigsten Werkzeugen der Entscheidungsfindung.  

Christlicher Input

Dr. Matthias Geist
Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. Wien

Technik als Ersatz einer Sozialstruktur
Je stärker die Technologie zur pflegerischen Begleitung von Menschen im Alter eingesetzt wird, desto wichtiger sind drei Dimensionen ethischen Handelns zu betrachten: Was Technik ermöglicht, ist Betroffenen nicht immer zugänglich und verständlich. Was Digitalisierung letztlich auslöst, führt zu einer Auslagerung einer sozialen „Sorge“-Struktur. Wo immer (ökonomischer) Nutzen zu holen ist, droht vermeintliche Selbst- in strukturelle Fremdbestimmung zu kippen. Ein Gefüge, das sich in sozialer Sorge und Schutz des Individuums übt, entspricht dem ethisch-religiösen Bild der „Unverfügbarkeit“ des Lebens. Im anderen Fall der technischen Sorge bedient sich „Gott Mensch“ letztlich des „Gottes“ digitaler Datenerfassung. So sollte sich jede Technologie in all ihrem großartigen Nutzen für Betroffene auch der veränderten Bedeutung für bedürftige Menschen und ihre Angehörigen bewusst sein.

Klinische Krankenhausseelsorge:

Islamische Perspektive

Dr. Abdurrahman Reidegeld
Dozent am Institut Islamische Relgion an der KPH Wien/Krems
Erkan Erdemir, MA
Leiter der Islamischen Spitalseelsorge in Österreich

Die Technik und Technologie begleitet uns seit Jahrzehnten in allen medizinisch ausgerichteten und Pflegerberufen. Manche technologischen Möglichkeiten stellen die Ärzte, Betreuer und Pflegepersonal vor neuartige Herausforderungen, die nicht mehr rein technischer Natur sind, sondern nur im ethisch-religiösen Kontext angegangen werden können.

Dazu hat jede Weltanschauung bzw. Religion eigene Systeme entwickelt; im islamischen Bereich sind dies die sogenannten „Zielsetzungen der islamischen Lebensweise“.

Betrachten wir diese hinsichtlich des menschlichen Lebens, so geben sie unter anderem als unveräußerliche Aspekte vor:

-    Der Schutz des eigentlichen Lebens: Der Schutz des Lebens umfasst neben einer operativen Lebenserhaltung auch das Recht auf angemessene Versorgung, die ja für die Aufrechterhaltung des Lebens unabdingbar ist. Diese Versorgung umfasst aber nicht nur körperliche, sondern auch seelische und spirituelle Betreuung, da der Mensch in seiner Schöpfungsart aus Körper, Seele und geistiger Kraft besteht.
-    Der Schutz der menschlichen Würde: dadurch werden alle Aspekte betroffen, die - gemäß allgemeiner, aber auch gemäß kulturell-traditioneller Sicht die Würde des Menschen ausmachen.

Von daher bedarf es einer eingehenden Untersuchung, um Chancen und Risiken der Lebensstützung und Digitalisierung im ethischen Licht und gemäß der religiösen Normen abzuwägen.

Jüdische Perspektive

Dr. Willy Weisz
Jüdische Patientenbetreuung am AKH Wien

Dass die Informationstechnik bei der Behandlung und Betreuung alter und kranker Menschen eine immer wichtigere Rolle spielt und spielen muss, ist unbestritten.
Sich auf sie als letztentscheidendes Kriterium zu verlassen, ist jedoch ethisch und fachlich nicht zulässig. Der Arzt oder sonstige Betreuer können für die Entscheidungen zum Wohle von Menschen nicht aus der Verantwortung entlassen werden.
Auch die Überforderung alter und gebrechlicher Menschen durch die auf Informationstechnologie basierenden Aktivitäten kann durch eine sanfte auf „trial and error“ basierende Schulung des Verständnisses für die „modernen Methoden“ gemildert werden.
Der Schutz der Privatsphäre ist ein wertvolles Gut, das jedoch in sein Gegenteil verkehrt wird, wenn eine am Buchstaben klebende oder gezielt zur Förderung von Intransparenz eingesetzte Interpretation der vorhandenen Vorschriften angewendet wird. Auch hier muss das Wohl der zu Betreuenden im Vordergrund stehen.

Christliche Perspektive

Katharina Schoene M.Ed. M.A.
Diakonin der Evangelischen Kirche A.B.
Klinische Krankenhaus- und Geriatrieseelsorgerin
Psychotherapeutin in Ausbildung

Abstract:
Technologische Innovationen helfen uns, bis in hohe Alter aktiv zu bleiben und unser Leben selbstbestimmt unseren Gewohnheiten entsprechend zu gestalten. Wir erleben, dass fast alle unserer „Verluste“ durch technische Hilfen kompensiert werden können. Doch ist das für Menschen im Alter wirklich so? Erleben Sie sich noch als vollständige und innerlich heile Menschen? Welche Rolle spielt der innere Rückzug bei älteren Menschen? Und wie steht es mit der Würde jedes Einzelnen? Sind manche technologischen Fortschritte nicht auch menschenunwürdig und machen Menschen zum Objekt? In der seelsorgerlichen Begleitung geht es immer um die unmittelbare Begegnung zwischen Menschen – mit Allem und ohne Allem. Einige diesbezügliche Gedanken sollen im Rahmen des Seminars zur Anregung mitgegeben werden.

Ort: Hörsaal 5 im Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

 

 

3. Einheit: Do., 28. November 2019, 16:00–18:00 Uhr

Digital Natives – Einfluss von Technologie und Digitalisierung auf das sich entwickelnde Kind
Ort: Hörsaal 5 im Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

Referenten:
Prof. Dr. Christoph Aufricht, Dr. Lukas Kaltenegger, beide Universitätsklinik für Kinder und Jugendheilkunde Wien, Prof. Dr. Christian Popow, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie

„Digital Natives“ (Mark Prensky) beschrieb 2001 die Generation von Kindern, die in einer digitalisierten Welt aufwachsen, in der Computer und Smartphones vom Babyalter an „dazugehören“. Heute, 18 Jahre später, sehen wir Vor- und Nachteile aus einer differenzierteren Perspektive, und neue Begrifflichkeiten wie „Digital Orphans“, „Digital Exiles“ und „Digital Heirs“ kategorisieren die sozialen Phänomene der Digitalisierung im Alltag.

Vor diesem Hintergrund wird Christian Popow versuchen, Wirkung und Gefahren der Digitalisierung,  insbesondere die Veränderungen von Freizeitverhalten, Interaktion, Kommunikation, Kulturverständnis usw. aus der Sicht eines Kinderarztes und Kinderpsychiaters darzustellen. Die Faszination der digitalen Spielwelt und ihre Folgen stehen dabei im Mittelpunkt.

In Folge wird Lukas Kaltenegger aus Sicht eines jungen Arztes die Bedeutung und Chancen der Digitalisierung in der medizinischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen an der MedUni anhand aktueller Projekte darstellen, sowie als Vater sehr junger Kinder seine persönlichen Gedanken zum Umgang mit der Digitalisierung aus Sicht des Kinderarztes mit dem Publikum teilen. Selbst zur Zeit des Erwachens des World Wide Webs aufgewachsen wird er außerdem über die Erfahrungen mit seiner eigenen "Digitalisierung des Erwachsenwerdens" reflektieren.
Auf Basis dieser Vorträge von medizinisch-wissenschaftlichen Experten können weitere ethische und spirituelle Überlegungen interdisziplinär diskutiert werden, um aus eventuell unterschiedlichen Ansichten lernen zu können.

 

4. Einheit: Do., 23. Jänner 2020, 16:00–18:00 Uhr
Kommunikation in Gesundheitssystemen: Auswirkungen von Technologie und Digitalisierung auf das ÄrztInnen-PatientInnenverhältnis
Referentin: Eva Schaden, Universitätsklinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie