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Vorlesungsreihe Ethik und Ethos in der Klinischen Krankenhausseelsorge und in der Universitätsmedizin: Was ist wichtig für Sterbende/Ethikkonsil am Lebensende

Events

14. Dezember 2017
16:00-18:00

 

Medizinischer Campus AKH Wien
Hörsaalzentrum, HS 1
Währinger Gürtel 18-20
1090 Wien

 

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Die Vorlesungsreihe "Ethik und Ethos in der Klinischen Seelsorge und in der Universitätsmedizin" widmet sich im Wintersemester 2017/18 dem Schwerpunktthema "Sterben und Tod im Krankenhaus - theoretische und praktische ethische Aspekte speziell für Studierende". Zielgruppe sind Studierende der Medizin und Medizinischen Wissenschaften (Wahlfach bzw. Seminar) und alle Personen, die sich im akademischen Sinne mit dem Schnittpunkt Medizin-Ethik-Seelsorge-Religion auseinandersetzen wollen. Für ÄrztInnen gibt es DFP-Fortbildungspunkte. Die Seminareinheiten finden am 19.10., 23.11., 14.12. und 25.1. jeweils im Hörsaal 1 des Hörsaalzentrums statt (Zeit: 16.00 - 18.00 Uhr).

 

Therapiezieländerung, Comfort Terminal Care und Spiritual Care in der Intensivmedizin


Prof. PD Dr.med. Eva Schaden EDIC (Intensivmedizin)

„Die Fortschritte der Medizin sind ungeheuer. Man ist sich seines Todes nicht mehr sicher. (Hermann Kesten, 1900-1996)

Im Schatten der Errungenschaften der modernen Intensivmedizin hat sich das Krankheitsbild „Chronic Critical Illness“ entwickelt. Dieser Zustand quasi „zwischen Leben und Tod“ stellt nicht nur für die betroffenen PatientInnen, sondern auch für deren Angehörige und – nicht zuletzt - für uns BehandlerInnen eine große Herausforderung dar. Auch und gerade in der Intensivmedizin ist dann eine kritische Abwägung geboten, welche Therapien noch indiziert sind, denn „mehr Therapie“ ist keineswegs immer die richtige Entscheidung für den/die individuelle/-n PatientIn.

In diesem Vortrag soll anhand eines konkreten Fallbeispiels das Konzept der Therapiezieländerung und der Comfort Terminal Care vorgestellt werden. Denn auch wenn im Sinne der Heilung nichts mehr für einen Patienten/ eine Patientin getan werden kann, gibt es im Sinne der Palliation noch so viel zu tun. Und eben diese Maßnahmen sind eine von Grund auf ärztliche Aufgabe, die nicht  der Palliativmedizin vorbehalten bleiben dürfen, sondern im Anlassfall auch auf einer Intensivstation durchgeführt werden können und sollen.

Dr.phil. Patrik Heindl DGKP (Intensivpflege)
Therapiezieländerung auf der Intensivstation ist ein multidisziplinärer Prozess. In diesem Prozess sind nicht nur Ärztinnen/Ärzte und Pflegepersonen involviert, ebenso können Seelsorgerinnen/Seelsorger, Physiotherapeutinnen/ Physiotherapeuten Einfluss nehmen. Die Frage ist: Was braucht man in diesem Entscheidungsprozesse? Information, Wissen, eine gemeinsame Diskussion, einen gemeinsamen Austausch und Entscheidungen.

Pflegepersonen haben eine wichtige Rolle bei ethischen Entscheidungen am Lebensende.

Sie überprüfen die Wirkung der Schmerztherapie, sind erste Ansprechpartnerinnen/Ansprechpartner für Patientinnen/Patienten, die den Wunsch nach Therapierückzug/-abbruch äußern und werden von Ärztinnen/Ärzten um ihre Meinung gefragt. Pflegende sind teilweise Ausführende des Therapierückzuges/-abbruches. Ebenso ist die Angehörigenbetreuung ein wesentlicher Teil bei der Therapiezieländerung. Pflege und Betreuung findet trotz Therapiezieländerung weiterhin statt, der Schwerpunkt in der Pflege und Betreuung verändert sich.

Pfr. Mag. Arno Preis (Klinische Seelsorge)
An Intensivstationen spielen sich in der menschlichen Grenzsituation einer schweren Erkrankung tiefe seelische und spirituelle Lebensprozesse ab.

Unsicherheit, Angst, Sorge und Hoffnung sind wohl die primären Gefühle, die Patienten, Angehörige, aber auch das Personal in je eigener Weise bestimmen.

Hier bündeln sich alle Probleme, denen sich Spiritual Care bzw. Seelsorge stellen muß. Angesichts des nicht abwendbaren Lebensendes stellt sich die grundsätzliche Frage, in welcher Weise ein menschlicher und würdiger Umgang mit dem Sterben möglich ist.

Damit verbunden stellen sich weitere Fragen wie: Was ist für den jeweiligen Patienten in seiner individuellen, einzigartigen Lebenssituation das Beste? Soll die Behandlung erweitert, begrenzt, oder gar eingestellt werden? Welchen Trost und welche Hoffnung können wir berechtigterweise Patienten und Angehörigen geben? Mit diesen Fragen setzen sich die Klinische Ethik und die daraus entstandenen Ethikkonsile auseinander.

Eine zielführende Vorgangsweise erfordert jedenfalls ein berufsgruppen- und fächerübergreifendes Zusammenwirken, in der Spiritual Care eine bedeutsame Rolle zukommt.

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