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Die Lunge aus der Kuppel

(Wien, 22-04-2010) Erstmals in Österreich wurde an der Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien ein spektakuläres neues Verfahren zur Verbesserung von Spenderlungen vor der Transplantation angewandt. Die Lunge wird bei der sogenannten „Ex-vivo Perfusion“ an ein Schlauchsystem ähnlich einer Herz-Lungenmaschine und an ein Beatmungsgerät angeschlossen und unter einer Kunststoffkuppel beurteilt. Hierbei konnten bei den ersten drei auf diese Weise am Wiener AKH untersuchten Lungen dramatische Funktionsverbesserungen während der Ex-vivo Perfusion erzielt werden. Alle drei Lungen wurden danach erfolgreich transplantiert und die Patienten sind wohlauf.

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Die Ex-vivo Lungenperfusion wurde in der aktuellen Form 2007 in Schweden entwickelt und nur in Kanada bereits in größeren Zahlen angewandt. Österreich gehört somit zu den ersten Ländern weltweit, in denen dieses Konzept unter der Leitung von Priv. Doz. Dr. Clemens Aigner erfolgreich angewandt wird.

Der Hintergrund der Entwicklung der Ex-vivo Lungenperfusion ist der Mangel an für die Transplantation geeigneten Spenderorganen. Es würden wesentlich mehr PatientInnen eine Lungentransplantation benötigen als derzeit Spenderlungen zur Verfügung stehen, sodass manche PatientInnen auf der Warteliste für ein Organ versterben. Außerdem gibt es immer wieder Fälle, in denen Spenderorgane nicht für eine Transplantation verwendet werden können, weil Zweifel an der Funktion bestehen und eine detailliertere Beurteilung bisher nicht durchgeführt werden konnte. Mit dem Ex-vivo Lungenperfusionssystem kann nun die Lunge genau beurteilt und „repariert“ werden. Lungen, die früher nicht für eine Transplantation verwendet worden wären, zeigen an diesem System eine beeindruckende Verbesserung der Organfunktion und können danach in einem optimalen Zustand transplantiert werden. Alle mit diesem System von Doz. Aigner durchgeführten Transplantationen verliefen problemlos und die EmpfängerInnen sind wohlauf. Durch die Ex-vivo Lungenperfusion kann somit die Zahl der verfügbaren Spenderorgane deutlich erhöht werden.



Das frühere Prinzip der „kalten“ Organkonservierung zur Reduzierung des Zellstoffwechsels und Minimierung des Schadens durch den Sauerstoff- und Nährstoffmangel wird durch diese neue Technik revolutioniert. Die Perfusion wird mit einer blutlosen Lösung bei Körpertemperatur durchgeführt. Die Spenderlunge wird anfänglich wie bisher üblich gekühlt in den Operationssaal gebracht und dann nach einem genauen Schema an die Perfusion angeschlossen und über einen Zeitraum von 30 Minuten aufgewärmt. Die Beatmung wird erst begonnen, nachdem die Lunge auf Körpertemperatur aufgewärmt ist, um Schäden am Organ zu vermeiden. Während der Ex-vivo Perfusion werden laufend die entscheidenden Parameter wie Sauerstoffaufnahme, die Elastizität der Lunge und die Beatmungsdrücke überwacht und damit die Organfunktion kontrolliert. Die Lunge wird durch eine spezielle Lösung mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt und der Flüssigkeitshaushalt optimiert.



Für die Zukunft entstehen daraus unzählige Möglichkeiten die Lunge vor der Transplantation zu behandeln und zu optimieren. Denkbar sind insbesondere auch immunologische Vorbehandlungen des Spenderorgans zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen. Die so gewonnenen Erkenntnisse können auch zur Behandlung von PatientInnen mit akutem Lungenversagen von unschätzbarem Vorteil sein.

Unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. Walter Klepetko zählt Wien mit jährlich rund 100 durchgeführten Transplantationen bereits seit vielen Jahren zu den drei größten Lungentransplantationszentren weltweit. Seit Jänner 2010 ist das Lungentransplantationsprogramm in der neu gegründeten Abteilung für Thoraxchirurgie angesiedelt.


Biographisches: Hr. Priv. Doz. Dr. Clemens Aigner ist seit 2002 an der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien tätig. 2008 habilitierte er zum Thema „Fortgeschrittene Techniken in der Lungentransplantation“.  Er arbeitet derzeit als Oberarzt an der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie. Forschungsschwerpunkte liegen neben der Lungentransplantation im Bereich der thoraxchirurgischen Onkologie. Auslandsaufenthalte führten ihn an die thoraxchirurgischen Abteilungen des Toronto General Hospital in Kanada sowie an das U.Z. Gasthuisberg in Leuven, Belgien. Doz. Aigner wurde 2008 der erstmals vergebene Ernst Wolner Preis verliehen. Weitere Auszeichnungen waren der Wolfgang Denk Preis, sowie das 2009 erstmals vergebene ESTS/ACECP Fellowship. Neben der Veröffentlichung von zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen in Fachjournalen sowie Buchbeiträgen ist Doz. Aigner Gutachter für renommierte thoraxchirurgische Zeitschriften und zeichnet sich durch eine umfangreiche nationale und internationale Vortragstätigkeit aus.