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Neue grundlegende Erkenntnisse zur Stammzellentherapie an der MedUni Wien

(Wien, 15-06-2010) Im Einsatz von menschlichen Stammzellen zur Therapie besonders schwer heilbarer Erkrankungen sieht die Wissenschaft ein großes Potential. Während jedoch an vielen Universitäten zur Grundlagenforschung auf diesem Gebiet oft die Stammzellen von Embryonen zum Einsatz kommen, hat das Team rund um Markus Hengstschläger erst kürzlich gezeigt, dass auch die Stammzellen des Fruchtwassers ein ähnliches Potential aufweisen. Nun ist es mit diesen Fruchtwasserstammzellen auch gelungen, Nierenzellen zu erzeugen, die in Zukunft völlig neue Therapieansätze ermöglichen.

Die Regeneration geschädigter Organe durch gesunde menschliche Zellen ist ein Gebiet, das sich noch im Stadium der Grundlagenforschung befindet, aber für zukünftige Therapieansätze eine zentrale Rolle spielt. Um menschliche Stammzellen zu gewinnen, werden jedoch häufig auch Embryonen verwendet, die dadurch zerstört werden, was ethisch umstritten und in Österreich verboten ist, und die sich außerdem zu Tumorzellen entwickeln können. Alternativ kommen auch Stammzellen von Erwachsenen zum Einsatz, diese lassen sich aber wiederum schwer effizient vermehren.

An der MedUni Wien hat das Team von Univ. Prof. Mag. Dr. Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik, bereits die Möglichkeiten erforscht, Stammzellen aus dem menschlichen Fruchtwasser zu gewinnen, und dabei erst kürzlich gezeigt, dass diese Zellen ein ähnlich vielversprechendes Potential besitzen, wie embryonale Stammzellen, und zusätzlich auch nicht zur Tumorbildung neigen. Nun hat man im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Forschungsprojektes KIDSTEM anhand von Mäusenieren außerdem beweisen können, dass Fruchtwasserstammzellen auch das Potential haben, sich in bestimmte Nierenzellen zu entwickeln, die bei der Bildung und Regeneration der Nierenstrukturen unterstützende Funktionen übernehmen können. Im Rahmen dieser Forschungsarbeit konnte zudem gezeigt werden, dass das Enzym mTOR ein wesentlicher Regulator dieser Nierenzelldifferenzierung ist.

Diese Erkenntnis könnte in Zukunft unzähligen PatientInnen zugute kommen, die an chronischen Nierenerkrankungen leiden, die oft die Konsequenz angeborener Fehlentwicklungen, chronischer Infektionen, Autoimmunerkrankungen, Diabetes oder Bluthochdruck sind, und zu einem vollständigen Nierenversagen führen können. Gängige Therapieformen wie die Dialyse haben dabei weniger gute Prognosen für die Langlebigkeit der PatientInnen, Nierentransplantationen scheitern hingegen meist am Fehlen geeigneter Spendernieren. Mit den jüngsten Erkenntnissen von Hengstschläger und seinem Team wäre es nun möglich, eine Nierenfunktion durch Stammzelltherapie so lange aufrecht zu erhalten bis eine Transplantation erfolgreich durchgeführt werden kann. Diese Option wäre besonders bei der Therapie von Kleinstkindern von großer Bedeutung, deren Nierenversagen im Zusammenhang mit bestimmten angeborenen genetischen Erkrankungen steht.

Hengstschläger zu den Zukunftsperspektiven: „Es ist noch ein sehr langer Weg bis zur Anwendung von Stammzelltherapien bei Nierenerkankungen, aber ein erster grundlagenwissenschaftlicher Schritt ist getan.“


Originalpublikation:
Siegel N., Rosner M., Unbekandt M., Fuchs C., Slabina N., Dolznig H., Davies J.A., Lubec G., Hengstschläger M.: Contribution of human amniotic fluid stem cells to renal tissue formation depends on mTOR. Human Molecular Genetics, doi: 10.1093/hmg/ddq236 published on June 11, 2010