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MedUni Wien obduziert wieder

(Wien, 13-07-2010) Nach zweijähriger Unterbrechung wurde heute durch Bundesministerin Beatrix Karl, Rektor Wolfgang Schütz und den Leiter des Departements Univ. Prof. Dr. Daniele U. Risser die neu renovierte Gerichtsmedizin offiziell eröffnet. 300 bis 400 Obduktionen sollen hier jährlich im Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien durchgeführt werden.

Im August nimmt das Department für Gerichtsmedizin in der Sensengasse wieder den Obduktionsbetrieb auf, offiziell eröffnet wir die neu adaptierte Einrichtung heute von Bundesministerin Beatrix Karl, Rektor Wolfgang Schütz und dem neuen Leiter des Departements für Gerichtsmedizin, Univ. Prof. Dr. Daniele U. Risser. Für das geplante Obduktionsaufkommen wurde das Department mit einer Investition von rund einer Million Euro aus Mitteln der MedUni Wien neu gestaltet und der Obduktionsbetrieb auf einer Ebene zusammengefasst.

"Wir können jetzt jene Todesfälle, die uns von der Staatsanwaltschaft überantwortet werden, unter einem Dach und somit unter besseren Rahmenbedingungen untersuchen. Nach zwei Jahren Pause können wir auch praktisch orientierte Lehre vor Ort unseren StudentInnen anbieten“, erklärt Risser.

Forensische Anthropologie gewinnt an Bedeutung
Wesentliche und dringend notwendige Neuerung ist vor allem der neu geschaffene Fachbereich für Forensische Anthropologie. Die Anthropologie als die „Wissenschaft vom Menschen“ liefert im Bereich der Forensik interdisziplinäre Grundlagen zur systematischen Methodenentwicklung, etwa bei Fragen der Identifikation. In Europa gewinnt das Thema vor allem durch die notwendigen Altersbestimmungen bei Asylbewerbern zunehmend an Bedeutung.

Wirtschaftliche Faktoren und unzeitgemäße Bedingungen führten zur Neueröffnung
Hintergründe zur Schließung der Gerichtsmedizin 2008 waren damals die vom Rechnungshof zu Recht kritisierten sanitären Rahmenbedingungen am Institut als auch handfeste wirtschaftliche Gründe. Die Gemeinde Wien entzog der Gerichtsmedizin 2007 etwa 1500 sanitätsbehördliche Leichenöffnungen, womit das Institut große finanzielle Einnahmen verlor. „Während der Schließung der Gerichtsmedizin fuhren hochqualifizierte MitarbeiterInnen der MedUni kreuz und quer durch Wien und mussten in den verschiedensten Gemeindespitälern obduzieren. Gerichtmedizinische Forschung und praktische Lehre an der Leiche waren zwar möglich, aber doch sehr eingeschränkt“, beschreibt Risser die Übergangssituation.
 
Erster Schritt in die richtige Richtung
„Für die MedUni Wien ist diese Investition von großer Bedeutung, denn der Forschungs- und Lehrbetrieb lief seit der Schließung sehr reduziert. Durch diese Sanierung können wir wieder voll die Aufgaben einer Universität erfüllen – nämlich zu forschen und zu lehren“, erklärt Rektor Wolfgang Schütz.

Neubau: Gemeinde Wien übernimmt bis dato keine Co-Finanzierung
„Die jetzt geschaffene Situation ist mit Sicherheit die vorübergehend beste Lösung für alle Beteiligten. Dennoch wünsche ich mir für die Zukunft auch die Durchführung der sanitätsbehördlichen Obduktionen für den Raum Wien. Dass diese weiterhin in Gemeindespitälern von nicht ausgebildeten Gerichtsmedizinern durchgeführt werden, ist weder optimal noch für eine lückenlose Aufdeckung ungeklärter Todesursachen dienlich. Verhandlungen mit der Stadt Wien zu einer neuerlichen Zusammenarbeit laufen bereits.“, erklärt Schütz abschließend.

Ministerin Karl: Neue Forschungsergebnisse von Weltruf
„Für die Gerichtsmedizin Wien wurde eine Lösung gefunden, die sowohl im Sinne der Polizei und Staatsanwaltschaft als auch der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Department an der Medizinischen Universität Wien ist“, so Wissenschafts- und Forschungsministerin Dr.in Beatrix Karl. Sie sieht in der Neueröffnung „auch eine Gewährleistung für die positive Weiterentwicklung von Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Gerichtsmedizin an der Meduni Wien“. Unter der Leitung von Daniele Risser erhofft sich Karl „auch wieder Forschungsergebnisse von Weltruf“, etwa im eigenen Fachbereich „Forensische Anthropologie“ mit Leiter Fabian Kanz.

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