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Hans Lassmann erhält Auszeichnung für Multiple Sklerose Forschung

(Wien, 08-09-2010) Als erster Österreicher erhält o.Univ. Prof. Dr. Hans Lassmann, Leiter der Abteilung für Neuroimmunologie am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien, den K.J. Zülch Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der neurologischen Grundlagenforschung für seine Forschungsarbeit im Bereich der Multiplen Sklerose, die auch neue Therapieansätze ermöglicht.

Bei der Multiplen Sklerose, einer chronischen entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems, handelt es sich um eine der wichtigsten neurologischen Erkrankungen junger Erwachsener, bei der die Isolierschichten der Nervenfasern zerstört werden. Experimentelle Forschungsarbeiten der letzten Jahrzehnte haben die Mechanismen der Entzündung im Nervensystem weitgehend aufgeklärt und auf der Basis dieser Erkenntnisse stehen heute wirksame Therapien zur Verfügung, die sowohl den Verlauf verzögern als auch die klinischen Auswirkungen dieser Erkrankung vermindern können.

In Patienten mit bereits fortgeschrittener Erkrankung zeigen diese Therapien jedoch nur sehr begrenzte Wirkung. Dies liegt auch daran, dass die Mechanismen der durch die Entzündung ausgelösten Gewebeschädigung bislang nur unvollständig erforscht sind. Von Lassmann konnte im Zuge seiner Forschungstätigkeit jedoch ein dominanter Mechanismus identifiziert werden, durch den die chronische Entzündungsreaktion zu einer Schädigung der Mitochondrien führt. Mitochondrien sind die Energiefabriken des Gewebes und deren funktionelle Beeinträchtigung führt zu einer latenten Energiedefizienz und damit zu einer Destruktion jener Strukturen im Nervensystem, die den höchsten Energiebedarf haben.

Die Bedeutung dieser Entdeckung zeigt sich darin, dass ähnliche Mechanismen der Neurodegeneration auch in klassischen neurodegenerativen Erkrankungen des Nervensystems, wie der Alzheimer’schen oder Parkinson’schen Erkrankung, eine Rolle zu spielen scheinen. Außerdem könnten diese neuen Erkenntnisse in absehbarer Zeit zu wirksamen neuroprotektiven Therapiestrategien führen, also auch bei bereits fortgeschrittener Erkrankung wirken.

Zur Person:
O.Univ. Prof. Dr. Hans Lassmann, geboren 1949 in Wien, studierte an der Medizinischen Fakultät in Wien und habilitierte 1983 in Neuropathologie. Danach übernahm er die Leitung der Forschungsgruppe für Experimentelle Neuropathologie, von 1990 bis 1995 war er auch Leiter einer entsprechenden Forschungseinheit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.
Seine Lehrtätigkeit nahm Lassmann 1993 als Ao. Universitätsprofessor auf, 1999 erhielt er die Professur für Neuroimmunologie und übernahm auch die Leitung der gleichnamigen Abteilung. Von 2000 bis 2007 war Hans Lassmann der erste Leiter des Zentrums für Hirnforschung, das am 29. Oktober mit einem Symposium und einer Festveranstaltung sein 10jähriges Jubiläum feiert.

Lassmann erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, außerdem übt er diverse Funktionen in unterschiedlichen wissenschaftlichen Gesellschaften aus und ist Mitglied von Editorial Boards verschiedener internationaler Fachzeitschriften sowie Frequent Reviewer für das Fachmagazin Lancet.

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