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Eierstockkrebs: Operation schützt genetisch belastete Frauen

Wien (20-09-2010) Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Betroffene, vor allem wenn sie sehr früh erkranken, weisen manchmal ein familiär auftretendes, genetisches Risiko auf. Das liegt an Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen, das auch die Häufigkeit von Eierstockkrebs deutlich erhöht. In einer internationalen Studie, an der Wissenschafter vom Brustgesundheitszentrum an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde in Wien maßgeblich beteiligt waren, konnte nun erstmals gezeigt werden, dass die prophylaktische Entfernung der Eierstöcke und/oder der Brust das Sterberisiko stark reduziert.

"Frauen mit Mutationen im BRCA1 und BRCA2-Gen haben Brustkrebs-Erkrankungsrisiko von etwa 85 Prozent. Die Gefährdung durch Eierstockkrebs kann auf bis zu 65 Prozent steigen", sagte Ao.Univ. Prof. Dr.Christian Singer von der Klinischen Abteilung für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien. Genetisch bedingter Brust- bzw. Eierstockkrebs kommt in manchen Familien gehäuft vor. Treten diese Erkrankungen vermehrt auf, können sich Frauen auf ein solches Risiko untersuchen lassen. Seit einigen Jahren wird ihnen auch die Option einer prophylaktischen Entfernung von Eierstöcken und Eileitern und/oder die chirurgische Entfernung der Brust angeboten. Der Experte: "Dazu raten dürfen wir aufgrund des österreichischen Gentechnik-Gesetzes nicht. In Schweden allerdings entschließen sich rund 80 Prozent der betroffenen Frauen zu solchen Eingriffen, bei uns sind es 11 bis 15 Prozent. In südlichen Ländern ist das verpönt."

Bisher allerdings war nicht genau bekannt, wie groß der prophylaktische Nutzen solcher Operationen wirklich ist. Ein internationales WissenschafterInnenteam unter Mitwirkung von Singer hat jetzt diesen Effekt bei 2.482 Frauen mit Mutationen im BRCA1- oder BRCA2-Gen (festgestellt in den Jahren 1974 bis 2008) und einer Beobachtungszeit bis 2009 analysiert. Am 6. September wurden die Ergebnisse in der Zeitschrift der amerikanischen Ärztegesellschaft (JAMA) veröffentlicht.

Der Gynäkologe: "Es zeigte sich, dass durch die Entfernung der Eierstöcke das Sterblichkeitsrisiko aus allen Ursachen bei den Frauen um 60 Prozent zurückging. Die Brustkrebs-Sterblichkeit reduzierte sich um 66 Prozent, die Sterblichkeit durch ein Ovarialkarzinom um 80 Prozent." Eierstockkrebs gehört zu jenen bösartigen Erkrankungen, die oft erst zu spät erkannt werden und im Grunde schlecht behandelbar sind. Auch die prophylaktische Entfernung der Brust hatte einen Effekt: Bei diesen Frauen trat kein einziger Fall von Brustkrebs auf.

Singer: "Damit konnte erstmals ein positiver Effekt solcher Eingriffe eindeutig belegt werden. Wir erleben in der Praxis sehr unterschiedliche Reaktionen von betroffenen Frauen. Manche, vor allem jene, bei denen nahe Verwandte gestorben sind, entschließen sich eher zu einer solchen Operation, andere wiederum lehnen das ab."

Wie wichtig auf jeden Fall Vorsorge, Früherkennung und möglichst optimale Therapie bei Brustkrebs ist, soll am 1. Oktober bei einem Informationstag des Brustgesundheitszentrums an der MedUni Wien im Palais Ferstel (1., Bankgasse 3; 12.00 Uhr bis 16.30 Uhr) unter dem Titel "Im Mittelpunkt - Die Frau" dargestellt werden. Führende österreichische ExpertInnen präsentieren die neuesten Erkenntnisse und stehen für Fragen zur Verfügung. Die Wiener SpezialistInnen bei den genetischen Grundlagen zu Brustkrebs sind auch auf anderen Gebieten aktiv. So waren sie an einer wissenschaftlichen Arbeit beteiligt, die am Sonntag in "Nature Genetics" erschienen ist. Dabei wurde am Chromosom 19 ein Ko-Faktor zum BRCA1-Gen für die Entstehung von Brustkrebs entdeckt.