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BLOOD: Wie Krebszellen gezielt programmierten Zelltod begehen

(Wien, 15-10-2010) Inhibierung der PI3-Kinase unter Einbeziehung des Tumor Microenvironments als innovatives Behandlungs- konzept bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL)

Dr. Medhat Shehata von der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Klinische Abteilung für Hämatologie/Hämostaseologie an der MedUni Wien zeigt in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift BLOOD, wie Krebszellen bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) gezielt in die Apoptose (programmierter Zelltod) gebracht werden können, ohne dabei das umliegende gesunde Gewebe zu schädigen. Diese zielgerichtete und daher für PatientInnen schonende Therapieform könnte schon bald in den klinischen Alltag einfließen.
Wie neueste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, spielt das Umgebungsmilieu (Microenvironment) eine wesentliche Rolle für die Entstehung, Proliferation und Metastasierung diverser Neoplasien. Tumorzellen nützen dabei nicht nur mitogene Botenstoffe wie Zytokine und Hormone, sondern auch anti-apoptotische Signale um sich einen Überlebensvorteil zu verschaffen. Die genauen Mechanismen auf der molekularen Ebene sind dabei noch weitgehend unbekannt, dennoch konnten Dr. Shehata und sein Team hier eine bedeutende Entdeckung machen.

In einem standardisierten, der Situation im Körper nachempfundenen Ko-Kultur System (Tumor und Milieu) wurde gezeigt, dass der Signalaustausch zwischen Leukämie Zellen und Umgebung maßgeblich über den PI3-Kinase Signaltransduktionsweg stattfindet. Mittels gezielter pharmakologischer bzw. genetischer Hemmung der PI3-Kinase wird der programmierte Zelltod in CLL Zellen induziert, ohne die umliegenden gesunden Gewebszellen in Mitleidenschaft zu ziehen. Zusätzlich wird in dieser Arbeit demonstriert, dass die Reaktivierung des Tumorsuppressorgens PTEN, über pharmakologische Inhibierung der PTEN regulierenden Kinase CK2, synergistisch in Kombination mit PI3-Kinase Inhibitoren wirkt. Diese Ergebnisse könnten erstmalig die Basis für eine maßgeschneiderte Therapie in dieser weltweit häufigsten Leukämieform bilden. Außerdem kann dieses Konzept auch auf viele andere Tumor Entitäten ausgeweitet werden und bildet somit die Grundlage für inovative Medikamenten Entwicklungsprogramme.

Ein besonderer Vorteil dieses Ko-Kultur Systems ist, dass klinisch relevante Resultate außerhalb von Tierversuchen erzielt werden können. Auf Grund dieser vielversprechenden Daten ist die Ausarbeitung von klinisch umsetzbaren Therapieformen in den nächsten Jahren realistisch. Dadurch wäre ein Durchbruch bei der Therapie der chronisch lymphatischen Leukämie und möglicherweise anderer Krebsarten möglich. Dr. Shehatas Arbeit wurde kürzlich als Coverstory im international anerkannten Fachjournal BLOOD veröffentlicht.

Shehata M, Schnabl S, Demirtas D, Hilgarth M, Hubmann R, Ponath E, Badrnya S, Lehner C, Hoelbl A, Duechler M, Gaiger A, Zielinski C, Schwarzmeier JD, Jaeger U. Reconstitution of PTEN activity by CK2 inhibitors and interference with the PI3-K/Akt cascade counteract the anti-apoptotic effect of human stromal cells in chronic lymphocytic leukemia.
Blood. 2010 Oct 7;116(14):2513-21.


» http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20576813 

» www.ccc.ac.at