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Fortschritt in der Verhinderung von Diabetes mellitus nach Nierentransplantation

(Wien, 05-08-2011) Nach einer Nieren-transplantation bekommen bis zu 30 Prozent aller PatientInnen innerhalb des ersten Jahres Diabetes mellitus. Diese hohe Rate könnte bald kräftig sinken: Ein Forscherteam der Medizinischen Universität Wien an der Universitätsklinik für Innere Medizin III im AKH Wien hat im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass eine frühzeitige Insulintherapie die Rate drastisch reduziert.

„Wir haben unmittelbar nach der Transplantation einmal pro Tag Insulin gegeben, noch bevor ein Diabetes mellitus auftritt. Neu dabei ist, dass wir Nicht-Diabetikern Insulin geben und damit präventiv handeln“, erklärt Marcus Säemann von der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse. Mit Erfolg: In einer Gruppe von 25 Personen, die unmittelbar nach der Transplantation für drei Monate mit der Insulintherapie behandelt wurden, konnte das Risiko, an Diabetes zu erkranken, um rund 75 Prozent gesenkt werden. In der Kontrollgruppe, die über denselben Zeitraum standardmäßig behandelt wurde, bekamen über 45 Prozent Diabetes innerhalb eines Jahres nach einer Transplantation. Manfred Hecking, Betreuer der Studie: „Das sind sensationelle Daten, die wir aus tausenden Blutzuckermessungen erhalten haben.“

Multizentrische Studie unter Federführung der MedUni Wien
Die ersten Ergebnisse der Studie sorgten auch international für so große Beachtung, dass die MedUni Wien die University of Michigan (USA) als Kooperationspartner gewinnen konnte. Ab Jahresende 2011 sollen in einer multizentrischen, vom nationalen US-Gesundheitsinstitut NIH gesponserten Studie die Resultate erweitert werden. Koordiniert wird die für drei bis fünf Jahre ausgerichtete Studie von Wien aus unter der Leitung von Säemann und Hecking, in Europa nehmen weiters Zentren in Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland teil.
Diabetes mellitus im ersten Jahr nach der Transplantation wird vor allem durch den operativen Stress und die anfänglich hohe Dosierung der Immunsuppression hervorgerufen, die notwendig ist, um akute Abstoßungen zu verhindern. Säemann: „Der Patient wird sozusagen von einer Akutwelle mitgerissen.“ Ein neu entstandener Diabetes nach Transplantation verringert deutlich die Lebenserwartung und Lebensqualität des Patienten und reduziert aber auch die Lebensdauer des Transplantats. Bisher konnte diese spezielle Diabetesform weder effizient behandelt noch vermieden werden. „Unsere Studie ist ein großer Schritt für die Transplantationsmedizin generell.“ Am AKH Wien werden derzeit rund 1.100 PatientInnen ambulant nach einer Nierentransplantation behandelt.