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Wiener Wissenschafter: Auch Frauen haben eine Prostata

(Wien, 08-08-2011) Auch Frauen haben eine Prostata - das angeblich so "spezifisch männliche" Drüsengewebe findet sich auch bei der Hälfte der Frauen. Bösartige Tumore, die aus diesem Gewebe rund um den Harnleiter entstehen, müssten also regelrecht als Prostatakarzinome bezeichnet werden, sind aber sehr selten, so Wiener Wissenschafter der MedUni Wien im AKH.

Wolf Dietrich von Universitätsklinik für Frauenheilkunde und die Co-Autoren haben ihre Ergebnisse in der August-Ausgabe des "Journal of Sexual Medicine" veröffentlicht. Ein in der Laienwelt seit Jahrzehnten bestehendes Dogma stoßen sie dabei jedenfalls um: Nur Männer haben eine Prostata. Die Wissenschafter über den Ausgangspunkt ihrer Studien: "Die Zusammensetzung von Drüsen rund um die weiblichen Harnleiter wird derzeit diskutiert - speziell, was das Maß ihrer Entsprechung zur männlichen Prostata angeht."

Beim Mann jedenfalls ist die Prostata für die Produktion eines Sekrets verantwortlich, das bei der Ejakulation in die Harnröhre fließt und die Überlebenschance der Spermien in der Vagina der Frau erhöhen soll. Die gutartige Vergrößerung der Prostata (benigne Prostata-Hyperplasie/BPH) ist eine der häufigsten Altersbeschwerden von Männern, das bösartige Prostatakarzinom das häufigste Krebsleiden des Mannes.

Pro Jahr 4.500 Neuerkrankungen - sehr selten Tumore bei Frauen
In Österreich gibt es hier pro Jahr 4.500 Neuerkrankungen und 1.200 Todesfälle pro Jahr. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Urologen für Männer etwa ab 40 können laut neuesten wissenschaftlichen Daten die Mortalitätsrate um 44 Prozent senken. Doch auch bei Frauen kommt es - sehr selten - zu Karzinomen, die aus dem Drüsengewebe rund um die Harnleiter entstehen. Die Frage war also, ob hier das selbe Gewebe dafür verantwortlich ist wie bei Mann. Das dürfte auch der Fall sein, so die Wiener Wissenschafter.

Sie untersuchten die Harnleiter (und umgebendes Gewebe) von 25 Patientinnen. Bei 14 Gewebeproben konnten mittels Laboruntersuchungen Gewebecharakteristika nachgewiesen werden, wie sie auch für Proben aus der Vorsteherdrüse von Männern kennzeichnend sind: Prostata-spezifisches Antigen (PSA), Prostata-spezifische alkalische Phosphatase (Enzym) und Androgen-Rezeptoren. Mittels PSA-Untersuchungen im Blut wird bei Männern - allerdings leider ziemlich ungenau - nach möglicherweise vorhandenem Prostatakarzinom-Verdacht gefahndet.

"Es hat bisher nur einzelne Hinweise auf Prostata-spezifisches Antigen (PSA, Anm.) bei Frauen gegeben. Das war nicht reproduzierbar", erklärte der Wiener Gynäkologe Wolf Dietrich (Universitäts-Frauenklinik der MedUni Wien am AKH) am Montag gegenüber der APA. Man hätte sogar daran gedacht, dass es sich um Laborfehler gehandelt hätte. Allerdings, im Vergleich zu Männern, sind bösartige Tumore, die aus diesem Gewebe entstehen, keinesfalls häufig. Dietrich: "Das ist sehr selten, wurde aber beschrieben." Wesentlich häufiger ist aber derartiges Drüsengewebe bei Frauen vorhanden: Immerhin bei 14 von 25 untersuchten Proben. Weswegen auch Frauen Prostatadrüsen-Gewebe aufweisen können, ist unklar. Auch über eine etwaige Funktion ist vorerst nichts bekannt.

» Service:
The Human Female Prostate—Immunohistochemical Study with Prostate-Specific Antigen, Prostate-Specific Alkaline Phosphatase, and Androgen Receptor and 3-D Remodeling Wolf Dietrich, Martin Susani, Lukas Stifter, Andrea Haitel, publiziert am 2. August 2011.