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Neue Therapieform bei Eisenmangel erhöht die Lebensqualität

Wien (08-09-2011) – Schneller, höher dosierbar und daher effizienter – ForscherInnen der MedUni Wien an der Universitätsklinik für Innere Medizin III am AKH Wien haben eine neue Therapieform von intravenösem Eisen bei PatientInnen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED), die unter Eisenmangel leiden, entdeckt. Die neue Therapie dauert bei höherer Effizienz kürzer und erhöht damit deutlich die Lebensqualität.

In einer Studie, die im renommierten Fachmagazin „Gastroenterology“ publiziert wurde, verglichen Christoph Gasche, Leiter des Christian Doppler Labors für Molekulare Karzinom-Chemoprävention am AKH, und Erstautor Rayko Evstatiev die Wirkung der Standardbehandlung mit Eisensaccharose mit dem neuen, vereinfachten Dosierungsschema bei der Gabe eines neuen Medikaments mit dem Wirkstoff Eisencarboxymaltose.

Eingebunden waren 485 PatientInnen aus 14 Ländern, die wegen chronischen Blutungen des entzündeten Magen-Darm-Traktes an Blutarmut (Anämie) und Eisenmangel leiden. Das Ergebnis: Die Korrektur des Eisenmangels gelang mit der neuen Dosierung signifikant besser. Gasche: „Das neue Therapieschema hat den Vorteil, dass Eisen in höheren Dosen in kürzerer Zeit zugeführt werden kann. Das bedeutet weniger Spital-Besuche und damit geringere Kosten und eine höhere Lebensqualität. Das wird die Form der Behandlung weltweit ändern.“

Infusionen: Dreimal 15 Minuten anstatt zehnmal eine Stunde
Während bei der Standardbehandlung durchschnittlich bisher zehn intravenöse Eisenbehandlungen mit einer Dauer von je einer Stunde nötig waren, kann die Behandlungszeit jetzt auf dreimal 15 Minuten verkürzt werden, um die Eisenspeicher wieder aufzufüllen. In der Ambulanz im AKH Wien werden derzeit rund 2.000 Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) behandelt. Etwas mehr als ein Drittel hat Eisenmangel. „Aber viele verweigern die Therapie, da sie aufgrund ihrer sozialen Situation nicht so oft anreisen oder sich frei nehmen können“, sagt Evstatiev. Dieser behindernde Faktor scheidet mit der neuen Therapieform aus.

Trotz des höheren Preises des neuen Medikaments steigen die Gesamtkosten der Therapie im Vergleich zur Standardbehandlung nicht. „Der höhere Medikamentenpreis amortisiert sich sofort, denn ob des geringeren Zeitaufwands sinken die Personalkosten im Spital und die Patienten verbringen weniger Zeit in der Ambulanz. Das ist gut für das gesamte Sozialsystem“, sagt Gasche, der weltweit einer der angesehensten Experten in Sachen Eisenmangel ist und im Jahr 2007 die ersten Richtlinien zum Thema „Eisenmangel und Anämie bei CED“ verfasst hat.

Mehr Lebensqualität, weniger Bluttransfusionen
Eisenmangel ist der häufigste Mangelzustand bei PatientInnen mit CED und hat u.a. eingeschränkte Leistungsfähigkeit mit Luftnot und Herzrasen zur Folge. Vor der Einführung intravenöser Eisensubstitution haben etliche Patienten regelmäßig Blutkonserven erhalten. Eisentabletten werden nämlich schlecht vertragen und bei CED kann auch Eisen nicht immer gut aus dem Darm aufgenommen werden. Die verbesserte Behandlung mit Eisencarboxymaltose führt zu einer raschen Steigerung des subjektiven Wohlbefindens und ermöglicht den Betroffenen, die meist jung und beruflich aktiv sind, eine nachhaltige Steigerung der Lebensqualität.

Service: Gastroenterology » Evstatiev R, Marteau P, Iqbal T, Khalif IL, Stein J, Bokemeyer B, Chopey IV, Gutzwiller FS, Riopel L, Gasche C; FERGI Study Group: “FERGIcor, a Randomized Controlled Trial on Ferric Carboxymaltose for Iron Deficiency Anemia in Inflammatory Bowel Disease”; Gastroenterology. 2011 Sep;141(3):846-853.