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Angelika Riemer

Titel:  Priv.-Doz.in DDr.in
Researcher of the Month - Jänner 2006

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Das ist ganz einfach beantwortet: Weil ich mir nie vorstellen konnte, jemals etwas anderes zu tun. Ich wollte schon im Gymnasium unbedingt etwas Neues machen, etwas erforschen. Ich habe dann lange überlegt, ob ich Genetik studieren soll, und bin schließlich bei Medizin gelandet, weil ich auch mit Menschen arbeiten wollte.
Die Forschung hat mich auch immer weiter fasziniert - jeden Tag motiviert mich die Neugier und die Möglichkeit, etwas Neues zu entdecken. Einen Routinejob könnte ich wahrscheinlich nicht erledigen.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Während des Studiums habe ich, sowie ich das erste Mal Immunologie gelernt habe, gewusst, das ist das, was ich machen möchte. Weil ich ja außerdem wusste, dass ich in die Forschung will, und die Sprache der Forschung Englisch ist, habe ich mich um Austauschsemester im englischsprachigen Ausland bemüht. So war ich ein Semester mit dem Joint-Study-Programm der Universität Wien an der Monash University in Melbourne, Australien, und habe dort einen Bachelor of Science-Kurs in Immunologie belegt. Gleich anschließend absolvierte ich dann ein Erasmus-Semester an der University of Bristol in England.
Wieder zurück habe ich dann am Institut für Pathophysiologie in der Arbeitsgruppe von Fr. Univ.-Prof. Jensen-Jarolim meine medizinische Dissertation geschrieben, und promovierte sub auspiciis praesidentis. Danach bin ich als PostDoc am Institut geblieben, und erhielt auch gleich eine Ausbildungsstelle zum Facharzt für Immunologie. Während dieser Zeit konnte ich meine Daten schon gut publizieren und auf verschiedensten Kongressen präsentieren.
Dabei ist mir vor allem im anglo-amerikanischen Raum aufgefallen, dass man als MD in der immunologischen Forschung nicht ganz für voll genommen wird. Das liegt an den verschiedenen Ausbildungssystemen – Medizinstudenten haben dort viel mehr Praxis am Patienten, aber weniger theoretisches Hintergrundwissen. Da ich auch international von meiner Ausbildung her ernst genommen werden wollte, habe ich meinen zweiten Doktor in Molekularer Biologie gemacht. Das Thema der Dissertation war natürlich wieder ein Immunologisches. Auch dieses Studium absolvierte ich sub auspiciis praesidentis.
Aufgrund dieser doppelten sub auspiciis-Promotion schuf Rektor Univ.-Prof. Schütz dann eine eigene Rektorats-Facharzt-Ausbildungsstelle für mich, die ich im November 2005 an der Universitätsklinik für Dermatologie antrat.
Forschungsmäßig bin ich weiterhin in der Gruppe von Prof. Jensen-Jarolim, mein Thema sind epitop-spezifische Krebsimpfstoffe. Mein nächstes Karriereziel ist die Habilitation.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Was sicher eine Stärke und auch ein Glücksfall ist, ist, dass ich ein sehr gutes Gedächtnis habe, und mir Dinge einfach leicht merke. Das war bei den vielen, vielen medizinischen Daten, die man einfach lernen muss, ein großer Vorteil.
Was ich auch als Stärke empfinde, ist, dass ich ein einmal gefasstes Ziel nicht aus den Augen verliere. Dass ich nicht aufgebe, wenn es in der Forschung einmal Jahre dauert, bis etwas herauskommt, oder wenn sich irgendwelche bürokratischen Wege ziehen und ziehen. Geduld und gleichzeitig Hartnäckigkeit.
Eine weitere Stärke ist sicher auch Begeisterungsfähigkeit. Ich glaube nicht, dass ich etwas besonders gut machen könnte, das mich langweilt. Aber das meiste, womit ich mich genauer beschäftige, beginnt mich zu interessieren, und dann bin ich auch wirklich begeistert dahinter.
Eine letzte Eigenschaft, die mir geholfen hat, ist, dass ich meine Zeit gut organisieren kann. Ich bin immer zu „erstaunlich normalen Zeiten“ (Zitat Prof. Jensen-Jarolim) gekommen und gegangen, auch schon in der Schule und im Studium, aber bringe in dieser Arbeitszeit viel weiter.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Eine der wichtigsten Ressourcen ist sicher, dass Freizeit eben Freizeit ist. Zu wissen, ich fange früh an, höre dann aber auf, und der Abend und das Wochenende gehören mir.
Wichtig ist auch der Rückhalt in der Familie, beim Partner, und im Freundeskreis. Von da habe ich immer nur Unterstützung erfahren. Wir sind ein ‚Dreimäderlhaus’ daheim, und von daher gab es nie Ansichten wie „Mädchen können etwas nicht, weil sie Mädchen sind“. Diese Erfahrung habe ich nie gemacht. Es war immer klar, wir können alles werden, was wir wollen. Diese prinzipielle Form der Unterstützung, dass man sich alles zutrauen kann, ist sicher eine wichtige Ressource.
Eine weitere wichtige Ressource ist meine Forschungsgruppe. Ich konnte immer in einem extrem motivierenden Klima arbeiten, und habe erlebt, wie man sich in einer Gruppe gegenseitig ergänzt.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Ein sehr lehrreiches Erlebnis, wenn auch nicht unbedingt ein Misserfolg, war ein Erlebnis in der Schule. Ich habe im Zeichenunterricht ein Bild von mir schlecht gemacht, weil ich eigentlich hören wollte, dass der Lehrer sagt, dass es doch gut ist. Aber er hat dann die schlechtere Note gegeben, weil ich ja offensichtlich selbst nicht mit dem Bild zufrieden war. Daraus habe ich früh gelernt, dass man seine eigene Arbeit nicht geringschätzig darstellen darf.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Nein. Ich habe nicht das Gefühl, irgendwo behindert worden zu sein. Nicht weil ich eine Frau bin, und auch nicht aus anderen Gründen. 

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
-

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Es ist mir wichtig, dass ich viel Zeit mit meinem Freund, Freunden, und meiner Familie verbringe. Und dann Dinge tue, die wirklich nichts mit Arbeit zu tun haben. Was nicht heißt, dass ich dann keine Zeitungsartikel über wissenschaftliche Themen lese, das interessiert mich natürlich schon, aber es ist mir sehr wichtig, nicht das Gefühl zu haben, etwas tun zu müssen.
Vor allem verbringe ich in meiner Freizeit viel Zeit in der Natur. Wandern und Bergsteigen im Sommer, Schifahren oder Rodeln im Winter. Zu zweit oder auch in größeren Gruppen.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, waren Gesangsstunden. Dabei muss man sich ganz lockern und man muss man alles loslassen, dass man singen kann.

 

Tipps und Tricks
Was sicher generell wichtig ist, dass man gerne macht, was man macht. Dass man sich wirklich dafür interessiert, und es mit Begeisterung tut. Ich glaube, dann kommt man auch von alleine weiter.
Wenn man in die Wissenschaft gehen will, dann ist es auch sehr wichtig, dass man sich die Gruppe gut aussucht. Ob ein motivierendes Klima herrscht, ob dort die Jungen, oder eben Frauen gefördert werden. Und ob in dieser Gruppe in letzter Zeit publiziert wurde.