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Elisabeth Gadermaier

Titel: Dr.in
Clemens von Pirquet-Preis der ÖGAI 2013

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Ich kann von mir nicht behaupten, dass es bereits mein Kindheitstraum war, Wissenschaftlerin zu werden! Meine Eltern sind Landwirte, ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen und in meinem Heimatort ist das Berufsbild „Forscher“ nicht besonders häufig zu finden!
Biologie hat mich schon immer interessiert. Als ich in der Oberstufe im Biologieunterricht ein paar oberflächliche Grundlagen der Genetik gehört habe, hat mich dieses Thema sofort gefesselt und mich dazu bewogen Genetik/Mikrobiologie zu studieren, erst in Salzburg, dann in Wien. Im Zuge dessen bin ich mit der Immunologie in Kontakt gekommen und wusste sofort: da gehör ich hin!
Nun bin ich in einem Gebiet gelandet, in dem ich das Gefühl habe, möglicherweise etwas bewirken zu können: in der medizinischen Forschung, der Allergieforschung.
Für eine „Karriere“ habe ich mich allerdings nie entschieden. Ich arbeite an Projekten die mir am Herzen liegen, die mir sinnvoll erscheinen. Dass ich dabei auch „Karriere“ mache war mir eigentlich nie so wichtig.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Mein wissenschaftlicher Weg ist bis dato noch nicht sehr lang und verlief bis jetzt sehr geradlinig. Ich habe nach der Diplomarbeit sofort meine Dissertation begonnen, beides am Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung unter Supervision von Univ. Prof. Dr. Rudolf Valenta in der Arbeitsgruppe von Priv.-Doz. Dr. Sabine Flicker. Im Juli 2012 habe ich promoviert und bin seitdem als Post-Doc in der selbigen Arbeitsgruppe angestellt. Warum ich mich nicht von der Pathophysiologie losreißen will? Weil ich meine Projekte liebe, und ich mich in meinem kollegialen Umfeld sehr wohl fühle!

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Meinen Eltern war es sehr wichtig, meine Geschwister und mich zu fleißigen Menschen zu erziehen, ich würde sagen es ist ihnen gelungen!
Zu meinen Stärken zähle ich also Fleiß, eine gewisse verspielte Ader und natürlich Durchhaltevermögen!
Im Labor tickt die Zeit anders. Ich habe am eigenen Leib zu spüren bekommen, dass ein Versuch sich nicht nur über Wochen und Monate, sondern sogar über Jahre ziehen kann! Und wenn sich nach Jahren herausstellt, dass das Experiment doch nicht funktioniert hat und ich zurück zum Start muss, ist das Durchhaltevermögen der Wind in meinen Segeln.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Während meines Studiums war meine wichtigste finanzielle Ressource ein staatliches Stipendium.
Davon abgesehen sind die wichtigsten Quellen die mir helfen meine Motivation nicht zu verlieren mein Partner, meine Freunde und Kollegen.
Mein Partner und die meisten meiner Freunde sind in ganz anderen Metiers tätig, was mir hilft den nötigen Abstand zu gewinnen. Sie wissen zwar wohl oft nicht wovon ich spreche wenn ich meine arbeitstechnischen Probleme schildere, dennoch schaffen sie es immer den richtigen Zuspruch zu liefern.
Meine Kollegen kennen die Probleme des Forscheralltags zur Genüge, und sie wissen dass Situationen niemals so ausweglos sind wie sie zu Beginn oft scheinen.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Mein persönlicher größter Misserfolg war eines meiner Projekte an dem ich über 8 Jahre erfolglos gearbeitet habe. Das Projekt ist ständig schief gelaufen, obwohl es für mich dank meines oberösterreichischen Dickschädels klar war: „Das muss gehen!“. Es hat lange an Know-how gefehlt, ich habe mich oft verlaufen und bin völlig irrelevanten Problemen nachgejagt. Das war wirklich frustrierend! Was ich aus der Sache hätte lernen können: „Man muss auch loslassen können!“.
Weil es meinem Dickschädel nicht möglich war in diesem Fall loszulassen habe ich trotzdem weitergemacht und heuer ist mir das Projekt geglückt.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Nein, bis jetzt noch nie!

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Ich habe noch keine Kinder. 

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich verbringe meine Freizeit hauptsächlich mit meinem Partner bzw. meinen Freunden, und das bevorzugt an der frischen Luft!
Ein bisschen Sport gehört ganz klar dazu, vor allem das Laufen hilft mir dabei den Kopf frei zu bekommen!
Musik spielt für mich eine wichtige Rolle. Ich singe – mehr gerne als gut, auch oft im Labor (zum Leidwesen meiner Kollegen) – und gehe leidenschaftlich gerne auf Konzerte.
Und: ich liebe Bücher und verschlinge regelmäßig Romane aller literarischen Genres.

 

Tipps und Tricks
Man sollte sich die Arbeitsgruppe gut aussuchen! Wie ist das Arbeitsklima, welche Themen werden behandelt, welchen Output hat die Gruppe, wer ist der Mentor?
Die Projekte die man macht sollte man unbedingt gerne machen, denn man verbringt sehr viel Zeit damit!
Es ist auch gut sich in Fragestellungen zu verbeißen, aber manchmal hilft es noch mehr, einen Schritt zur Seite zu machen, sich selbst zu betrachten, und dann eine Entscheidung zu treffen.
Es hat nichts mit Scheitern zu tun, wenn man gewisse Dinge ruhen lässt. Es kann nicht alles funktionieren was man sich in den Kopf gesetzt hat!