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[In German:] Antibiotika können krank machen: Europäischer Antibiotika Tag am 18. November

[In German:] (Wien, 17-11-2010) Der unmäßige und falsche Einsatz von Antibiotika kann sowohl durch Mutation zur Resistenzbildung wie auch zur Selektion unempfindlicher Erreger führen. Im schlimmsten Fall können Bakterien gegen Antibiotika omniresistent werden, sodass keine wirksame Behandlung im Falle einer Infektion zur Verfügung steht. Als Initiative der European Center of Disesase Control (ECDC) findet jetzt der “Europäische Antibiotika-Tag“ mit dem Motto „Antibiotika richtig einsetzen” statt.

Bakterien können gegen häufig verwendete Antibiotika resistent werden. Unüberlegter Einsatz von Antibiotika fördert diese Bildung von Resistenzen, wie am Beispiel der „NDM-1 Bakterien“ im August 2010 gezeigt worden ist. Diese und andere multiresistente Erreger stellen ein zunehmendes Problem bei der Behandlung von Infektionen in Krankenhäusern sowie im niedergelassenen Bereich dar.

Der “Europäische Antibiotika-Tag” am 18. November soll daher an einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika aufmerksam machen. Die gezielte Anwendung von Antibiotika sowohl in Spitälern aber auch in der Praxis ist eine wichtige Maßnahme gegen die Selektion multiresistenter Erreger. Um die Ausbreitung und Übertragung dieser multiresistenten Erreger zu verhindern sind Hygiene-Maßnahmen wie konsequente Händedesinfektion vor und nach jedem PatientInnenkontakt, Schutzkleidung oder Isolationsmaßnahmen notwendig.

Antibiotika der Klassen Penicilline, Cefalosporine, Chinolone, Makrolide und Glykopeptide werden derzeit am häufigsten verwendet. Bakterien, die gegen mehr als 2 Klassen resistent sind, werden als multi-resistent bezeichnet. Das Auftreten und die Verteilung von multi-resistentent Erregern im Krankenhaus können eine Gefahr für die PatientInnen darstellen. Die Ursachen dafür sind:

- Infektionen mit multiresistenten Erregern erhöhen die Krankheitsdauer und verlängern den Aufenthalt im Krankenhaus.

- Das Vorliegen einer Multiresistenz führt häufiger zu einer Verzögerung bei der Gabe des “richtigen” Antibiotikums  bis die Testergebnisse vorliegen

- Diese Verzögerung kann bei Patienten mit schweren Infektionen zu schweren und manchmal fatalen Verläufen enden.

- Daher sollten Antibiotika nicht “prophylaktisch” verschrieben werden.

- Die Wahl des verwendeten Antibiotikum sollte nach Erregerspektrum und schließlich nach dem mikrobiologischen Ergebnis erfolgen.

- Die Dosis der Antibiotika sollte individuell an PatientInnenalter, Nieren oder Leberfunktion und Gewicht angepasst werden. Ebenso sollte die Dauer der Antibiotika-Gabe entsprechend der Resultate von klinischen Studien limitiert werden.

Vorteile des verantwortungsvollen Umgangs mit Antibiotika sind eine reduzierte Inzidenz von multi-resistenten Erregern und das verminderte Auftreten von Clostridium difficile-assoziierten Infektionen.
Um die mikrobielle Resistenzentwicklung unter Kontrolle zu halten sind nicht nur auf europäischer Ebene, sondern national Anstrengungen unternommen worden. So wird z.B. jährlich die Erfassung der Resistenzsituation in Österreich (“Österreichischer Resistenzbericht – AURES”) veröffentlicht. In Krankenhäusern werden nosokomiale Infektionen (Infektionen im Spital) durch Beteiligung an Überwachungsnetzwerken (z.B. Austrian Nosocomial Infection Surgical Surveillance) erfasst, um rechtzeitig Schritte zur Bekämpfung von multiresistenten Erregern ergreifen zu können.


Links:
» ECDC
» AURES