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[in German:] Aortenklappenersatz via Katheter: Für sonst kaum operable Patienten

[in German:] (Wien, 10-07-2013) Ein Viertel der mehr als 60-Jährigen hat Zeichen einer Verkalkung der Aortenklappe, welche den Rückfluss von Blut ins Herz während seiner Erschlaffungsphase verhindern soll. Bei zwei bis neun Prozent in dieser Altersgruppe kommt es zu Symptomen. Dann liegt die Drei-Jahres-Überlebensrate nur noch bei 30 Prozent. Die Klappe muss ersetzt werden. Mit neuen Systemen kann das mittlerweile auch ohne große Operation geschehen, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Seit gut 40 Jahren erfolgt der Aortenklappenersatz vor allem bei Eröffnung des Brustraumes, Stilllegung der Herzaktion, Anschluss an die Herz-Lungen-Maschine, chirurgischer Entfernung der verkalkten Herzklappe und durch Einfügen einer künstlichen Klappe. Thomas Neunteufl von der Klinischen Abteilung für Kardiologie im Wiener AKH (MedUni Wien) erläuterte: "Dafür kommen aber ein Drittel der Patienten aufgrund ihres Alters oder aufgrund ihrer Begleiterkrankungen nicht in Frage."

Seit sechs bis zehn Jahren besteht hier die Alternative des Einführens einer Ersatz-Aortenklappe durch einen Katheter. Dafür gibt es zwei Zugänge: Entweder via Leisten- oder Unterschlüsselbeinarterie oder, auf direkterem und kürzeren Weg, von außen durch die Herzspitze. Mortalitäts- und Komplikationsraten von Katheter-Eingriffen im Vergleich zur Chirurgie sind mittlerweile ähnlich - und relativ gering. Der Wiener Kardiologe Raphael Rosenhek (AKH/MedUni Wien) berichtete: "Wir sehen eine Zunahme der PatientInnen." Durch Therapie von bisher inoperablen PatientInnen und Personen mit hohem Risiko käme es auf beiden Seiten (Chirurgie/interventionelle Kardiologie) zu einem Ansteigen der Zahlen.

Günther Laufer, Leiter der Klinischen Abteilung für Herzchirurgie im AKH/MedUni Wien: "Mittlerweile gibt es auch chirurgisch minimal-invasiv durchgeführten Aortenklappenersatz." Beim chirurgischen Vorgehen wird immer die alte Klappe herausgeschnitten und entfernt. Der Unterschied der Katheterverfahren, so der Experte: "Bei den Katheterverfahren bleibt die erkrankte Klappe im Patienten, es wird zusätzlich eine neue Klappe implantiert." Diese Methoden hatten aber bisher einen Nachteil: Da zunächst die kaputte Aortenklappe aufgedehnt und dann erst die neue Klappe eingefügt wird, kann es leicht zu Leckagen an den Rändern kommen.

Ein neues System ("Engager"/Medtronic), das von den Herzchirurgen der MedUni Wien vor kurzem zum ersten Mal verwendet wurde, soll diese Komplikation verhindern. Die Implantierung erfolgt über einen fünf bis sechs Zentimeter langen Hautschnitt in der Brustfalte. Das Herz wird mit einer Nadel punktiert und ein Führungsdraht bis zur Klappe eingeführt. Mit einem Ballonkatheter wird zunächst die alte Klappe aufgedehnt, dann eine neue implantiert, die mit Bügeln einen dichten an der alten Klappe schafft. Auch die präzise Positionierung der Klappe wird mit dem System vereinfacht.

In einer klinischen Studie mit 125 Patienten in Deutschland, Israel, Belgien und der Schweiz betrug die 30-Tage-Mortalität nur 8,1 Prozent, die Schlaganfallsrate 1,7 und das Herzinfarktrisiko 0,9 Prozent. Nur bei 4,2 Prozent trat eine höchstens milde Leckage auf.