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[in German:] Diabetes: Präventionsmaßnahmen greifen bei Männern und Frauen gleichermaßen

[in German:] (Wien, 28-11-2104) Eine aktuelle Studie an der MedUni Wien zeigt: Verhaltensänderungen und Medikamente können den vollständigen Ausbruch des Typ-2-Diabetes sowie das Fortschreiten der Erkrankung stoppen – und zwar bei Frauen und Männern in gleichem Maß. Das ist das Ergebnis einer Kooperation der Gender Medicine Unit der Medizinischen Universität Wien und der Donau-Universität Krems (geteilte Erstautorenschaft: Jürgen Harreiter und Anna Glechner).


Prädiabetes bezeichnet ein Stadium zwischen einer normalen Blutzuckerkontrolle und einem manifesten Typ-2-Diabetes. Davon sind Personen mit einer gestörten Glukosetoleranz (IGT), einer erhöhten Nüchternglukose (IFG) und Personen mit einer Kombination aus beiden Stoffwechselstörungen betroffen.


Durch die frühzeitige Erkennung eines Prädiabetes können Lebensstiländerungen oder Medikamente dabei helfen, das Fortschreiten eines Typ-2-Diabetes zu verhindern oder zu verlangsamen. Zahlreiche Studien belegen, dass Änderungen des Lebensstils wie z. B. eine Ernährungsumstellung und regelmäßige sportliche Betätigung oder die Einnahme blutzuckersenkender Tabletten den Ausbruch eines Typ-2-Diabetes bei Personen mit Prädiabetes verzögern oder verhindern können.
In der aktuellen Arbeit, die nun im Diabetologia Top-Journal veröffentlicht wurde,  untersuchten die Autoren bereits durchgeführte Studien zwischen 1980 und 2013, die sich mit geschlechterspezifischen Unterschieden in Zusammenhang mit der Wirksamkeit von Behandlungen beschäftigt hatten. Das Resultat: Im Vergleich zur üblichen Behandlung war die Wahrscheinlichkeit, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, bei Männern und Frauen, die ihren Lebensstil änderten (einschließlich Ernährungsumstellung und sportliche Betätigung), nach einem Jahr um 40 Prozent und nach 3 Jahren um 37 Prozent geringer.


Lebensstiländerung gleichbedeutend mit Gewichtsreduzierung

Personen, die ihren Lebensstil änderten, verloren auch mehr Gewicht (durchschnittliche Gewichtsreduzierung nach drei Jahren von 2,5 kg im Vergleich zur üblichen Behandlung) und verzeichneten eine größere Reduzierung der Nüchternplasmaglukose (-0,31 mmol/l nach drei Jahren im Vergleich zur üblichen Behandlung). Für keines der Outcomes konnten zwischen Männern und Frauen statistisch erhebliche Unterschiede bei der Wirksamkeit der Behandlung festgestellt werden.


Im Allgemeinen konnten zwischen Männern und Frauen auch keine Unterschiede in Bezug auf die präventive Wirkung der Behandlung mit oral verabreichten blutzuckersenkenden Medikamenten festgestellt werden. Die orale Verabreichung blutzuckersenkender Medikamente wurde jedoch mit einer Reduzierung des Typ-2-Diabetes assoziiert.


Dazu die Autoren: "Unserem Wissen nach ist dies die erste systematische Untersuchung, die potenzielle geschlechterspezifische Unterschiede in Bezug auf die Wirkung präventiver Maßnahmen bei Personen mit Prädiabetes betrachtete. Unsere Informationen beruhen auf Daten von über 5.500 Männern und 7.400 Frauen. Im Allgemeinen hat unsere Untersuchung keine relevanten geschlechterspezifischen Unterschiede bei der Wirksamkeit der zwischen einem und sechs Jahren dauernden Behandlungen gezeigt. Bei beiden Geschlechtern hatten eine Änderung des Lebensstils und eine pharmakologische Behandlung eine positive präventive Wirkung in Bezug auf das Auftreten eines Typ-2-Diabetes und einer Gewichtszunahme."


Die Autoren ergänzen: "Klinisch betrachtet beleuchten diese Ergebnisse ein wichtiges Problem. Trotz des unterschiedlichen Alters der PatientInnen beim Ausbruch der Erkrankung, des unterschiedlichen Zeitpunkts der Erkennung von Typ-2-Diabetes und der unterschiedlichen Belastung bei Männern und Frauen hat sich das Geschlecht nicht auf die Wirksamkeit präventiver Maßnahmen bei Personen mit Prädiabetes ausgewirkt. Dementsprechend kann man bei Präventionsmaßnahmen – unabhängig vom Geschlecht –gesunde Ernährung und Bewegungssteigerung forcieren und sich auf andere geschlechtsspezifische Aspekte in der Qualität der Diabetesbehandlung konzentrieren. Das bedeutet allerdings auch, dass – um diese Präventionsziele außerhalb von kontrollierten Studien zu erreichen - Männer besonders auf die Ernährung und Frauen besonders auf ausreichend Bewegung achten müssen, da hier in der „real life“ Situation besondere Defizite bestehen, ergänzt Alexandra Kautzky-Willer.    


Die erfolgreiche Prävention von Diabetes hat auch eine wirtschaftliche Seite, so die Autoren. "Neuste Kosten-Nutzenanalysen deuten darauf hin, dass Änderungen des Lebensstils die kostengünstigste Variante darstellen. Bei Menschen mit Prädiabetes, die sich nicht an eine Änderung des Lebensstils halten können, ist die Verabreichung von Metformin wahrscheinlich die nächstbeste Option, es liegen jedoch bis jetzt keine Studien vor, die dies für Personen bestätigen, die nicht auf Änderungen des Lebensstils ansprechen."


Service: Diabetologia Journal


*Anna Glechner, *Jürgen Harreiter, Gerald Gartlehner, Sonja Rohleder, Alexander Kautzky, Jaakko Tuomilehto, Megan Van Noord, Angela Kaminski-Hartenthaler, Alexandra Kautzky-Willer (* contributed equally).  Sex-specific differences in diabetes prevention: a systematic review and meta-analysis. Diabetologia (in press).