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[in German:] Franz Ratzinger und Thomas Pezawas sind Researchers of the Month April 2016

[in German:] (Wien, 01-04-2016) – Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für diesen Monat an Franz Ratzinger  und Thomas Pezawas von der klinischen Abteilung für Medizinisch-chemische Labordiagnostik bzw. von der Universitätsklinik für Innere Medizin II der MedUni Wien.

Franz Ratzinger erhielt die Auszeichnung für die im Top-Journal „Scientific Reports“ (IF 5.578) erschienenen Arbeit „Azithromycin suppresses CD4+ T-cell activation by direct modulation of mTOR activity“. Die Studie entstand am Klinischen Institut für Labormedizin (Arbeitsgruppe K. Schmetterer) in Kooperation mit der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Institut für Immunologie sowie der Universitätsklinik für Innere Medizin III (alle MedUni Wien).


Azithromycin – ein relevantes Immunsuppressivum?

Bei einer Vielzahl von zugelassenen Arzneimitteln, wie zum Beispiel antimikrobiell wirksamen Substanzen, zeigt sich eine zusätzliche immunomodulatorische Komponente. So konnte in klinischen Studien ein positiver anti-inflammatorischer Effekt durch eine Makrolidtherapie bei chronisch-entzündlichen Lungenerkrankungen nachgewiesen werden. Diese immunomodulatorische Komponente von Arzneimitteln nach deren Markteinführung wird vonseiten der Grundlagenforschung jedoch kaum untersucht. Ihre genauere Charakterisierung könnte einen gezielteren klinischen Einsatz ermöglichen. In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss von Makroliden auf CD4+ T-Zellen evaluiert.
Bei Exposition von CD4+ T-Zellen mit den häufig eingesetzten Makroliden Azithromycin oder Clarithromycin zeigte sich eine dosis-abhängige Inhibition der T-Zell-Aktivierung. Gehemmt wurden alle erhobenen Parameter der T-Zell-Funktion, wie Zellteilungsrate oder Sekretion von Effektor-Zytokinen, während die Zellviabilität nicht beeinflusst wurde. Dieser inhibitorische Effekt ist bei Azithromycin stärker ausgeprägt als bei Clarithromycin.
Azithromycin zeigt eine direkte inhibitorische Wirkung auf die mTOR-Kinase, unabhängig von anderen zellulären Ko-Faktoren, wie dem FKBP12. Daraus lässt sich schließen, dass Azithromycin als Immunsuppressivum durch eine direkte mTOR Hemmung auf CD4+ T-Zellen wirkt und so adaptive Immunantworten unterdrückt.

Zur Person
Franz Ratzinger wurde 1985 in St. Pölten geboren und absolvierte seine Schulausbildung in Wiener Neustadt. Zwischen 2004 bis 2010 studierte er Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien. Während dieser Zeit erfolgten Studienaufenthalte und Praktika in Deutschland, Spanien, Schottland und Guatemala. Nach seinem Studium arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universitätsklinik für Dermatologie sowie der Universitätsklinik für Innere Medizin I. Zudem absolviert Franz Ratzinger derzeit das Doktoratsstudium N094 im Programm "Medical Informatics, Biostatistics and Complex Systems" an der Medizinischen Universität Wien. Er ist seit 2012 in Ausbildung zum Facharzt für medizinische und chemische Labordiagnostik an der Medizinischen Universität Wien.  
Schon während des Studiums der Humanmedizin beschäftigte sich Franz Ratzinger mit Infektionserkrankungen und deren Immunreaktionen. Im Rahmen seiner Diplomarbeit arbeitete er in der Arbeitsgruppe von M. Ramharter an der Möglichkeit einer Tuberkuloseschnelldiagnostik durch Zytokinbestimmungen. Seit 2011 begleitet er ein wissenschaftliches Projekt zur Sepsisdiagnostik an der Normalstation, welches von H. Burgmann (Universitätsklinik für Innere Medizin I) geleitet wird. Die Daten aus diesem Sepsis-Projekt werden in seinem PhD-Projekt (mit G. Dorffner, Programm: Medical Informatics, Biostatistics and Complex Systems)  verwendet, um SIRS (systemic inflammatory response syndrome) Patienten ohne Infektion aus diesem Kollektiv schneller identifizieren zu können.
Im Rahmen der Charakterisierung von Aktivierungsphasen des Immunsystems während einer bakteriellen Infektion kam es zur Idee des nun ausgezeichneten Projekts.

Thomas Pezawas erhielt die Auszeichnung anlässlich der im Top-Journal „Circulation Arrhythmia Electrophysiology“ (IF 5.417) erschienen Arbeit „Multiple Autonomic and Repolarization Investigation of Sudden Cardiac Death in Dilated Cardiomyopathy and Controls.“.

Auch gering ausgeprägte Herzmuskelschwäche kann zum plötzlichen, arrhythmischen Herztod führen
Herz-Kreislauferkrankungen führten 2014 in Österreich zu 33.137 Todesfällen. Davon verstarben etwa 12.000 PatientInnen an einem plötzlichen Herztod. Daher wird bei Schädigung des Herzmuskels und einer Beeinträchtigung der Pumpfunktion des Herzens die prophylaktische Implantation eines Defibrillators (ICD)empfohlen.
Klinische Entscheidungskriterien basieren auf kurzdauernden Studien, die in den 80er und 90er Jahren geplant worden sind. Deren Ergebnisse sind zur Entwicklung der gegenwärtig gültigen Kriterien herangezogen worden. Daten zu den Langzeitfolgen der gängigen klinischen Praxis lagen bis dato jedoch nicht vor. Gemeinsam mit Kollegen hat Thomas Pezawas vor nun über 10 Jahren an der MedUni Wien eine solche Studie initiiert. Im Ganzen wurden 210 PatientInnen untersucht: 120 mit ischämischer Kardiomyopathie, 60 mit nicht-ischämischer, dilatativer Kardiomyopathie und 30 Kontroll-PatientInnen. Bei keinem dieser PatientInnen bestanden anhaltende Rhythmusstörungen (ventrikuläre Arrhythmien) bei Studienbeginn. Der wesentliche Unterschied zu vorangegangenen Arbeiten ist die untersuchte Population, die wiederholte Messung unter Anwendung aller Risikostratifizierungs-Methoden, der sehr lange Beobachtungszeitraum (bis zu 10 Jahren) und der eindeutige klinische Endpunkt (überlebter sowie nicht überlebter plötzlicher, arrhythmischer Herztod). Somit konnten erstmals „real world“ Langzeitdaten präsentiert werden, die für die Verordnung einer ICD Therapie von großer Bedeutung sind.
Die Studie zeigte, dass bei PatientInnen mit einer schweren Einschränkung der Herzpumpfunktion das progrediente Herzversagen die Haupttodesursache ist. Bemerkenswerterweise zeigten PatientInnen mit einer leicht- oder mittelgradig verminderten Herzpumpfunktion eine vergleichbar hohe Wahrscheinlichkeit, plötzlich an einer Herzrhythmusstörung zu versterben; eine Gruppe, der gegenwärtig ein implantierbarer Defibrillator vorenthalten wird.
Diese Ergebnisse haben laut Studienautoren weitreichende Konsequenzen: Die Verordnung einer ICD Therapie für Patienten mit einer hochgradig reduzierteren Störung der Herzpumpfunktion, wie gegenwärtig Praxis, ist deutlich zu eng gegriffen. Die Empfehlung, den Einsatz eines implantierbaren Defibrillators auch bei gering ausgeprägter Herzmuskelschwäche zu erwägen, würde einem plötzlichen Herztod vorbeugen und stellt einen Paradigmenwechsel in den klinischen Entscheidungskriterien zu Implantation eines Defibrillators dar.

Zur Person
Thomas Pezawas, geboren und aufgewachsen in Linz, studierte Humanmedizin in Wien und dissertierte mit dem Thema „Unexplained syncope, no documented arrhythmia and structural heart disease: risk stratification with programmed stimulation and impact of ICD therapy“. Es folgten die Facharztausbildung zum Internisten und Kardiologen an der Medizinischen Universität Wien sowie Auslandsaufenthalte an der Vanderbilt University, USA (Autonomic Dysfunction Center sowie Schools of Medicine). Zusätzlich absolvierte Pezawas eine internationale Ausbildung zur interventionellen Herzkatheter-Behandlung von Herzrhythmusstörungen sowie Defibrillator/Herzschrittmacher Therapie, welche von der Europäischen Heart Rhythm Association (EHRA) zertifiziert wurde. Als Task Force Mitglied der Europäischen Kardiologischen Gesellschaft (ESC) ist er Co-Autor der internationalen Richtlinien zur Synkopen Abklärung und Behandlung. 2014 wurde er zum Assoziierten Professor an der Medizinischen Universität Wien ernannt und 2015 habilitierte er mit dem Thema: „Von der Synkope zum plötzlichen Herztod: Risiko-Abschätzung bei struktureller Herzerkrankung und der Stellenwert des implantierbaren Defibrillators.“ Pezawas wurde u.a. mit dem Max-Schaldach Forschungsförderungspreis (Kardiologie-Rhythmologie) und dem vfwf Habilitationspreis ausgezeichnet.Thomas Pezawas ist schwerpunktmäßig als klinischer Forscher auf dem Gebiet der Elektrophysiologie und Gerätetherapie tätig.

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