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[in German:] Hautzellen besitzen immun-modulierende Fähigkeiten

[in German:] (Wien, 24-09-2014) ForscherInnen an der Universitätsklinik für Dermatologie der Medizinischen Universität Wien konnten zeigen, dass die menschliche Haut Zellen mit immunmodulierenden Fähigkeiten besitzt. Diese Zellen sind um Blutgefäße herum angeordnet und generieren regulatorische T-Zellen, welche das Immunsystem hemmen. Damit wurden essentielle „Aufrechterhalter“ des immunologischen Gleichgewichtes in der Haut identifiziert, die in Zukunft für therapeutische Zwecke eingesetzt werden könnten.


Die atopische Dermatitis, auch Neurodermitis genannt, zählt zu den häufigsten chronisch entzündlichen Hauterkrankungen. Viele PatientInnen leiden nicht nur an den krankheitsbedingten Hautveränderungen, sondern auch an enormen psychischen Belastungen, welche durch die Stigmatisierung der Betroffenen hervorgerufen werden. Gegenwärtige Therapieformen, wie das Auftragen entzündungshemmender Salben und Cremen oder die Verabreichung systemischer Medikamente, können die Symptome zwar lindern, führen jedoch aufgrund einer Vererbung und damit angeborenen Neigung für diese Erkrankung zumeist zu keiner vollständigen Heilung. Ziel einer effektiven Behandlung ist die Erhaltung der hauteigenen Schutzfunktion gegen externe Eindringlinge in Kombination mit einem balancierten Immunsystem der Haut.


Karin Pfisterer aus der Arbeitsgruppe von Adelheid Elbe-Bürger an der Abteilung für Immundermatologie und Infektiöse Hautkrankheiten hat in einer Studie bestimmte Hautzelltypen hinsichtlich ihrer homöostatisch-regulatorischen Eigenschaften untersucht.


Hauteigene Immunregulatoren identifiziert

Die Haut besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Zellen. Es zeigte sich, dass bestimmte Zellen in der Bindegewebsschicht der Haut, sogenannte Stromazellen, ein immunsuppressives Milieu induzieren können. Dabei werden unreife Immunzellen des Blutes in regulatorische T-Zellen umgewandelt, welche die Fähigkeit besitzen, die Funktion anderer Zellen des Immunsystems zu hemmen, wodurch übermäßige Aktivitäten, welche zu Entzündungen führen können, verhindert werden. Die WissenschafterInnen berichten, dass dies vollkommen unabhängig von zusätzlichen kostimulatorischen Signalen geschieht. Dadurch konnte ein potentieller Mechanismus zur Erhaltung des immunologischen Gleichgewichts in der menschlichen Haut identifiziert werden. Der Wachstumsfaktor TGF-β ist maßgeblich, wenn auch nicht allein, daran beteiligt. Weiters berichten die WissenschafterInnen, dass Hautzellen das Potenzial besitzen, sich in Endothelzellen zu entwickeln – jene Zellen, welche die Blutgefäße im Inneren auskleiden. Da die identifizierten Stromazellen vorwiegend rund um Blutgefäße vorzufinden sind, stellen sie eine wichtige Ressource zur Erhaltung der Strukturen und Bestandteile in der Haut dar.


Mit Hilfe dieser neuen Erkenntnisse sind patientInnenspezifische Therapieformen gegen Hautkrankheiten mit überreaktiven T-Zellen denkbar, bei welchen mit geringem Risiko und Zeitaufwand körpereigene Hautzellen entnommen werden, um Blutzellen umzuprogrammieren und damit ein krankheitsbedingtes Ungleichgewicht durch fehlende regulatorische T-Zellen in der Haut aufzuheben. Die beschriebenen Hautzellen könnten dabei die Basis für die Herstellung hautspezifischer regulatorischer T-Zellen darstellen, welche übermäßige Immunantworten unterdrücken könnten. Eine genetische Veranlagung, welche zu einem Ungleichgewicht zwischen aktiven und unterdrückenden T-Zellen in der Haut führt, könnte somit behoben werden.


Für das Konzept dieser Therapieform, welches die hier beschriebenen Zellen beinhaltet, wurde die Erstautorin Karin Pfisterer 2012 mit dem INiTS Preis des Universitären Gründerservice Wien, einer Gesellschaft der Universität Wien und der Technischen Universität Wien, prämiert.


Die vom Wissenschaftsfonds FWF und der Hochschuljubiläumsstiftung der Stadt Wien unterstützte Studie, die in Zusammenarbeit mit MitarbeiterInnen des Instituts für Gefäßbiologie und Thromboseforschung (Zentrum für Physiologie und Pharmakologie) durchgeführt wurde, erschien kürzlich im renommierten Journal of Investigative Dermatology.


Fünf Forschungscluster an der MedUni Wien

Insgesamt sind fünf Forschungscluster der MedUni Wien etabliert, in welchen in der Grundlagen- wie klinischen Forschung vermehrt Schwerpunkte an der MedUni Wien gesetzt werden. Die Forschungscluster umfassen medizinische Bildgebung, Krebsforschung/Onkologie, kardiovaskuläre Medizin, medizinische Neurowissenschaften und Immunologie. Die vorliegende Arbeit an der Universitätsklinik für Dermatologie der MedUni Wien fällt inhaltlich in den Themenbereich der Immunologie.

Service: Journal of Investigative Dermatology
CD90+ Human Dermal Stromal Cells Are Potent Inducers of FoxP3+ Regulatory T Cells - Pfisterer K, Lipnik KM, Hofer E and Elbe-Bürger A

 

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