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[in German:] Hepatitis A - Gelbsucht aus der Tiefkühltruhe

[In German:] Wien (25-07-2013) So "keimfrei" sich die Gesellschaft in den USA oft gibt, manche Viren schlagen allen Gegenmaßnahmen ein Schnippchen. Derzeit sehen sich die Vereinigten Staaten mit einem Hepatitis A-Ausbruch gleich in mehreren Bundesstaaten konfrontiert. Dabei hat sich ein Großteil der Betroffenen durch den Genuss von Fruchtdrinks ("Smoothies") mit dem Hepatitis A Virus (HAV) angesteckt, schrieben jetzt Lukas Weseslindtner und Heidemarie Holzmann vom Department für Virologie der MedUni Wien in ihrer Virusepidemiologischen Information. Am Sonntag (28. Juli) ist Welt-Hepatitis-Tag.

Der "Bösewicht", so die ExpertInnen: "Das HAV ist ein nicht-umhülltes, kleines RNA-Virus aus der Familie der Picornaviridae. Es ist somit mit den Rhino- und Enteroviren verwandt (...)." Durch Genanalysen könne man sechs Typen unterscheiden (I, II und III sowie davon jeweils Untertypen A und B). In Westeuropa und den USA kommt der Genotyp IA am häufigsten vor. Zur HAV-Übertragung kommt es in der Regel durch den Konsum von fäkal-kontaminierten Lebensmitteln und Wasser, wobei Muscheln oder Schalentiere eine häufige Infektionsquelle darstellen. Aber auch nach Genuss von Fisch und Fischprodukten, von Obst, Obstsäften und Gemüse ist es bereits zu HAV Infektionen gekommen.

Noch bis nach dem 2. Weltkrieg war ein Gutteil auch der westeuropäischen Bevölkerung "durchseucht", hatte also schon zumeist in der Kindheit eine Infektion durchgemacht und war gegen eine weitere Ansteckung immun geworden. Doch mit der besseren Hygiene und Trinkwasserqualität war das danach nicht mehr der Fall. Deshalb sollten sich die Menschen am besten impfen lassen. Das gilt speziell für (Fern-)Reisende und auch für Menschen mit Migrationshintergrund, die Verwandte und/oder Freunde in den alten Heimatregionen besuchen. Sie kommen eventuell aus Hepatitis A-freien Regionen plötzlich in Gebiete, wo die Krankheit noch grassiert, die Menschen dort aber geschützt sind.

HAV hat durch seine Struktur eine extrem hohe Resistenz gegen Umwelteinflüsse, sogar nach längerem Erhitzen (60 Grad Celsius für etwa 60 Minuten) liegt noch Restinfektiosität vor. Da mit HAV Infizierte das Virus in sehr großen Mengen im Stuhl ausscheiden, das Maximum der Ausscheidung aber in der zweiten Hälfte der Inkubationszeit - also vor Beginn der Symptomatik (Fieber,Übelkeit, Bauchschmerzen, Gelbsucht etc.) - liegt, ist klar, warum mangelnde Händehygiene während Produktion, Transport oder Verkauf von Lebensmitteln leicht zu deren Kontamination durch infizierte Personen führen kann.

Bei etwa 15 Prozent der Fälle kommt es jedoch zu einem längeren Krankheitsverlauf (bis zu ein Jahr). Die Mortalitätsraten liegen bei 0,1 bis 0,3 Prozent. Je älter Betroffene sind, desto schwerer ist häufig der Krankheitsverlauf.

Die Hepatitis A aktuell in Westeuropa: Seit Jänner dieses Jahres werden Fälle bei Bewohnern und Rückkehrern aus der Gegend um Trient und Bozen (Südtirol) gemeldet, wobei es bei 26 Südtirolern und bei 15 Besuchern dieser Region (Stand: Ende Mai) zur HAV Infektion gekommen ist. Dabei gab der Großteil der Infizierten an, vor der Infektion gefrorene Beeren konsumiert zu haben. Durch das Einfrieren werden nicht nur die Beeren, sondern auch das Virus konserviert.

Die Wiener Virologen: "Auch bei Ausbrüchen, die sich zwischen Oktober 2012 und April 2013 in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden ereigneten, war der Genuss von eingefrorenen Erdbeeren offenbar die Infektionsursache." Wodurch es zur Kontamination der Beeren gekommen war, konnte in beiden Fällen nicht genau geklärt werden.

Bei dem aktuellen Ausbruch in den USA sind bereits 122 Menschen aus acht Bundesstaaten mit HAV infiziert worden (Stand: 25. Juni 2013). Etwa die Hälfte der Erkrankten musste stationär im Krankenhaus aufgenommen werden. Als Infektionsquelle konnte ein von einem einzigen Hersteller produzierter und in mehreren Bundesstaaten vertriebener Mix eingefrorener Früchte identifiziert werden, der offensichtlich HAV enthielt und unter anderem zur Herstellung von „Smoothies“ verwendet wurde. Die kontaminierten Produkte wurden inzwischen vom Markt genommen.

(S E R V I C E: Österreichischer Impfplan - http://bmg.gv.at/home/Schwerpunkte/Praevention/Impfen/Oesterreichisc her_Impfplan_2013)