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[in German:] Kind heilt Mutter während der Schwangerschaft

[in German:] Wien (22-01-2013) Verschiedene Ergebnisse führen zu neuer Hypothese: Fruchtwasserstammzellen des Kindes wandern während der Schwangerschaft in die Mutter und sind dort an Heilungsprozessen beteiligt. Überschüssige Fruchtwasserstammzellen werden dabei „entsorgt“, wodurch sich deren fetale DNA im Blut der Mutter anhäuft, die dort für nicht-invasive Pränataldiagnostik verwendet werden kann.

Seit sie 2003 von der Arbeitsgruppe von Prof. Markus Hengstschläger (Institut für Medizinische Genetik, MedUniWien) entdeckt wurden, sind Stammzellen aus dem humanen Fruchtwasser ein international intensiv bearbeitetes und viel versprechendes Forschungsgebiet geworden. Zwei jetzt erschienene Publikationen unterstreichen die Bedeutung dieser Stammzellen.

Ihr hohes Entwicklungspotenzial (Differenzierung in die verschiedenen menschlichen Zelltypen) gemeinsam mit ihrer Eigenschaft sich leicht und effizient im Labor vermehren zu lassen sind klare Vorteile von Fruchtwasserstammzellen gegenüber anderen Stammzelltypen. Ein weiterer gerade experimentell wieder bestätigter Vorteil der ethisch unbedenklichen Fruchtwasserstammzellen gegenüber embryonalen Stammzellen und induzierten pluripotenten Stammzellen (deren Entdeckung mit dem aktuellen Medizinnobelpreis geehrt wurde) ist, dass sie sich nicht zu Tumorzellen entwickeln und daher für die Therapie am Menschen ungefährlicher sind (siehe den gerade im NEW ENGLAND JOURNAL OF MEDICINE 367, 1764-1765 erschienenen Kommentar: Rosner M. and Hengstschläger M. Targeting epigenetic readers in cancer).
 
Auf der Basis verschiedener in den letzten Monaten veröffentlichter Erkenntnisse publiziert Hengstschläger´s Gruppe in dem CELL PRESS Journal TRENDS IN MOLECULAR MEDICINE,  Rosner M. and Hengstschläger M. (2013) Amniotic fluid stem cells and fetal cell microchimerism., doi:10.1016/j.molmed.2013.01.001 jetzt erstmals auch Schlüsse darüber wofür Fruchtwasserstammzellen existieren könnten. Das Kind schickt diese Stammzellen während der Schwangerschaft in den Körper der Mutter um dort die Regeneration geschädigten Gewebes zu übernehmen.

“Das ungeborene Kind hat natürlich ein immanentes Interesse daran, dass es der Mutter während der Schwangerschaft gut geht” erläutert Hengstschläger. Bei diesem Prozess werden nicht gebrauchte Stammzellen durch programmierten Zelltod “entsorgt”. Die DNA dieser zerstörten Stammzellen findet sich dann im mütterlichen Blut. Genetische Diagnostik am Ungeborenen über fetale DNA im mütterlichen Blut findet gerade weltweit Einzug in die Routinediagnostik. “Fruchtwasserstammzellen hätten dann einerseits eine sehr wichtige biologische Funktion und wären andererseits der Grundstein für den Paradigmenwechsel in der genetischen Pränataldiagnostik” so Hengstschläger, “Es ist aber noch viel Arbeit zu tun um diese Prozesse im Detail zu verstehen.”