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[In German:] MedUni Wien Humangenetiker wollen Hilfe zur Therapieentscheidung bieten

[In German:] (Wien, 19-05-2011) Sogenannte mTOR-Inhibitoren sind derzeit in der Onkologie neben Biotech-Substanzen die heißesten Eisen in der medikamentösen Krebstherapie. Zum Teil zunächst in der Transplantationsmedizin zur Verhinderung der Organabstoßung eingesetzt, haben sich Substanzen wie Rapmycin, Everolimus oder Temsirolimus einen Platz in der Onkologie erkämpft. Doch nicht alle Behandelten sprechen darauf an. Wissenschafter am Institut für Medizinische Genetik der MedUni Wien wollen jetzt mit ihren Forschungsergebnissen Möglichkeiten für bessere Therapieentscheidungen schaffen.

"Ab jetzt sollte für jede Erkrankung, bei der diese Medikamente zum Einsatz kommen sollen, vorher geklärt werden, ob die S6K (ein Kinase-Enzym, Anm.) in den betroffenen Zellen delokalisiert ist und ob die Verabreichung dieser Medikamente überhaupt wieder zu eine entsprechenden Normalisierung führen kann", schrieben die Wissenschafter auf der Basis einer vor kurzem in der Fachzeitschrift "Oncogene" publizierten Studie.

Der Hintergrund: Krebszellen haben bei verschiedenen Tumoren - zum Beispiel beim Nierenzellekarzinom - oft eine hyperaktive Funktion von mTOR, ein Enzym, das Wachstum und Teilung der Zellen ankurbeln kann. Durch die Blockade von mTOR will man das wieder bremsen. Doch die mTOR-Inhibitoren wirken bei weitem nicht immer.

Hengstschläger: "mTOR reguliert nämlich auch die Lokalisierung der sogenannten S6-Kinase innerhalb der Zelle. Normalerweise befindet sie sich teils im Zellplasma und teilweise auch im Zellkern." Doch wenn das nicht der Fall ist, können die Arzneimittel eventuell keine ausreichende Wirkung entfalten.

Das wiederum könnte im Rahmen eines Tests die Möglichkeit schaffen, die geeigneten Patienten für die Behandlung mit Rapamycin, Everolimus oder Temsirolimus zielgenauer zu identifizieren. Der Wissenschafter: "Man müsste im Labor prüfen, ob die Substanzen in Zellen einer bestimmten Krebsart oder sogar von einzelnen Patienten, einerseits mTOR wieder normalisiert und andererseits auch die Verteilung der S6-Kinase in Ordnung bringt." Erst dann wäre eine Verwendung bei einer bestimmten Krebsart oder einem bestimmten Patienten erfolgversprechend.

Wahrscheinlich gelte dieses Prinzip aber für alle Erkrankungen, welche auf Veränderungen des menschlichen Genoms beruhen. Gleichzeitig könnte man diese Erkenntnisse auch verwenden, um klinische Studien mit mTOR-Inhibitoren eben nur mit den "richtigen" Patienten durchzuführen. An der Abteilung Hengstschlägers führen fünf Fachärzte für Humangenetik genetische Beratung von Patienten durch. Neben genetischer Diagnostik will man auch Wege zur Therapieoptimierung erforschen.