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[in German:] MedUni Wien: Schulterschluss für individuelle Krebsmedizin

[in German:] (Wien, 24-11-2011) - Schulterschluss für eine möglichst personalisierte Krebsmedizin, die Diagnosen treffgenauer und aussagekräftiger macht und die Therapie effizienter und nebenwirkungsärmer: Am Donnerstag wurde bei einer Enquete an der MedUni Wien das Projekt "Exact" des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) und der Klinischen Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik am AKH präsentiert.

"Die Idee ist, nach amerikanischem Vorbild und in Europa mit einer sehr guten Ausgangsposition, eine Krebsdiagnostik und -therapie aufzubauen, die nicht mehr organspezifisch zentriert, sondern 'signalorientiert' ist", sagte Christoph Zielinski, Chef der Onkologie-Abteilung an der Universitätsklinik für Innere Medizin I. Das Dilemma der modernen Krebsmedizin ist klar. Onkologe Gerald Prager: "Wenn wir heute eine Gruppe von Patienten mit einem histopathologisch klassifizierten Tumor haben (nach Gewebeprobe, Anm.) geben wir die Standard-Ersttherapie. Bei einem Drittel der Patienten wird beispielsweise der Tumor kleiner und sie haben keine Nebenwirkungen. Das zweite Drittel hat keine Wirkung und nur Nebenwirkungen - und die dritte Gruppe keine Wirkung und auch keine Nebenwirkung."

Die personalisierte Krebsmedizin soll somit:

- Durch molekularbiologische Untersuchung von Krebszelle und/oder auch umgebendem Gewebe eine genauere Einteilung der beim individuellen Patienten vorliegenden Tumorerkrankung erlauben.

- Die Auswahl der Therapie ganz genau auf die Charakteristika des einzelnen Patienten ausrichten (nur der "passende" soll das "passende" Medikament erhalte) und gleichzeitig Nebenwirkungen verhindern. Gleichzeitig soll der Kosteneinsatz verbessert werden.

- Durch die Erkenntnisse aus der Molekularbiologie und der Entwicklung von individuellen Tumormarkern soll die Entwicklung neuer Krebsmedikamente verbessert werden. Dabei werden alte Grenzen aufgehoben: Ein Krebsmedikament, das beispielsweise zunächst für die zielgerichtete Behandlung von Mammakarzinomen entwickelt wurde, kann plötzlich auch für Patienten mit einem Prostatakarzinom geeignet sein.

Prager: "Die Tumorzellen eines Mammakarzinoms können dieselben Charakteristika aufweisen wie die eines Prostatakarzinoms." Das dürfte in der Zukunft zu einem Sprengen der Organgrenzen in der Onkologie führen: Nicht mehr "das Prostatakarzinom" wird per Therapie anvisiert, sondern ein ganz bestimmter Untertyp von Karzinomzellen, die auch die Ursache von Karzinomen in anderen Organen sein kann.

Erste Studien an Patienten weisen bereits darauf hin: So zeigte sich bei Krebskranken mit genau klassifizierten Tumoren bei "unterschiedlichen" Krebserkrankungen und nach Versagen jeder konventionellen Therapie, dass eine solche "zielgerichtete Behandlung" zu einer um ein Drittel längeren Stabilisierung der Erkrankung führte.

International ist ein enormer Bedarf für diese neue Entwicklung gegeben. Günther Gastl, Innsbrucker Onkologe und derzeit Präsident der entsprechenden österreichischen Fachgesellschaft: "Die Krebserkrankungen werden zur häufigsten Todesursache werden. Im Jahr 2020 werden weltweit bereits rund zehn Millionen Menschen an Krebs sterben. In Österreich haben jedes Jahr rund 36.000 Patienten eine Neuerkrankung. Es gibt 17.000 Sterbefälle an Krebs. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate steigt und sollen jetzt beträgt derzeit 62 Prozent. Damit haben wir aber auch immer mehr Menschen mit Krebs, mit chronischen Krebserkrankungen."