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[In German:] Neue HPV-Vakzine könnte breiteren Schutz bieten

[In German:] (Wien, 26-02-2014) - Die bisher am breitesten wirksame Vakzine gegen Infektionen mit Humanen Papillom-Viren (HPV) schützt zu 70 Prozent vor Zervixkarzinomen und zu 90 Prozent vor Genitalwarzen. WissenschafterInnen um Reinhard Kirnbauer, Immundermatologe der MedUni Wien, haben eine Kandidatvakzine entwickelt, die praktisch auch den fehlenden Rest abdecken könnte.

"Wir haben mittlerweile belegen können, dass Mäuse und Kaninchen bis zu zwei Jahre lang einen robusten Schutz gegen mehr als 20 HPV-Varianten nach der Impfung besitzen", sagte Kirnbauer von der Klinischen Abteilung für Immundermatologie Universitätsklinik für Dermatologie gegenüber der APA.

Kirnbauer hat ehemals in den USA wichtige Grundlagen für die derzeit zugelassenen HPV-Vakzine entwickelt. Sie bestehen aus Virus-ähnlichen Partikeln, die aus dem L1-Protein des "Kapsids" der Human Papilloma-Viren ohne Erbsubstanz zusammengesetzt sind. Das "Kapsid" umgibt in Viren die Erbsubstanz. Für die Vakzine werden leere Virus-ähnliche Partikel erzeugt und zusammen mit einem immunstimulierenden Adjuvans in der Form des Impfstoffes injiziert.

L1-Proteine sind aber spezifisch für die einzelnen HPV-Varianten. So schützt die derzeit erhältliche, breiter wirksame HPV-Vakzine gegen HPV16 und 18 (krebserregend) sowie gegen HPV6 und 11 (Genitalwarzen). Der Dermatologe: "Es gibt aber zumindest 120 HPV-Varianten."

Die Wissenschafter gingen von der Beobachtung aus, dass das zweite Kapsid-Protein von HP-Viren - L2 - als Impfstoffkomponente zwar eine schwächere Immunantwort als L1 verursacht, diese dafür aber breiter wirkt. Sie konstruierten Virus-ähnliche Partikel aus L1-Kapsid-Proteinen, in die sie einen Teil von L2-Kapsid-Proteinen einbauten. Kirnbauer: "Ein solches Virus-ähnliches Partikel trägt auf seiner Oberfläche auch 360 L2-Peptide." Für die Verstärkung der Immunogenität der Versuchsvakzine enthält sie auch ein Adjuvans.

Bei den Versuchstieren war die Impfung bisher ausgesprochen effektiv. Die Vakzine schützt einerseits vor Viren, die Gebärmutterhals- und die übrigen durch HPV hervorgerufenen Karzinomen (Penis, Vulva, Anus, HNO-Karzinome) verursachen, immunisiert aber offenbar auch gegen HPV-Stämme, die Genitalwarzen und einfache Hautwarzen sowie "weißen Hautkrebs" (Plattenepithelkarzinome) mitauslösen können. Der Dermatologe: "Diese Warzen und Plattenepithelkarzinome treten häufig bei Personen mit einem geschwächten Immunsystem auf, zum Beispiel bei Patienten nach Organtransplantationen, die eine Immunsuppression zur Verhinderung der Abstoßungsreaktion benötigen, nach Chemotherapien etc."

Das Wissenschafterteam bemüht sich jetzt um Forschungsgelder, um die Vakzine in einer Phase-I-Studie an Probanden zu testen. Eine Vakzine von einem Pharmakonzern, die gegen neun HPV-Varianten schützen soll, befindet sich derzeit allerdings bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung. Die in Wien entwickelte Kandidatvakzine sollte allerdings noch breiter wirken.

(APA)