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[in German:] Startschuss für Historikerkommission

[in German:] (Wien, 07-03-2012) „Wollen den Dingen aktiv, objektiv und umfassend auf den Grund gehen“ – Thema: Forschungsmethoden an der „Klinik Hoff“.

Wolfgang Schütz, Rektor der Medizinischen Universität Wien, hat heute den Startschuss für eine unabhängige Historikerkommission gegeben, die die Nachkriegsgeschichte der früheren Medizinischen Fakultät der Universität Wien nach fragwürdigen Methoden bei Forschung und Patientenbehandlung durchleuchten soll. Unter der Leitung von Gernot Heiss wird das fünfköpfige aus Historikerinnen und Historikern bestehende Team, ausgehend von der so genannten „Malaria-Therapie“, insbesondere die Situation der psychisch Kranken an der damaligen Klinik Hoff aufarbeiten. Im Vordergrund steht dabei die Frage, ob Behandlungen durchgeführt wurden, die methodisch und ethisch nicht dem damaligen Stand der Wissenschaft entsprochen haben.

„Mit Hilfe der Expertenkommission wollen wir zu einem objektiven Bild über die Vorgänge in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg kommen“, sagte Rektor Schütz bei der Präsentation der Kommission. „Wir wollen nun den Dingen aktiv, objektiv und umfassend auf den Grund gehen, nachdem die Vorgänge rund um die Malaria-Therapie an uns herangetragen wurden.“

Schütz hält fest: „Die Medizinische Universität stellt sich ihrer Geschichte. So wie wir auf die Erfolge bei Forschung und Patientenbehandlung zu Recht stolz sind, wollen wir auch alles über eventuelle „dunkle Flecken“ wissen. Das haben wir bereits bei der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit gezeigt, jetzt geht es um die Zeit nach 1945.“

Vorsitzender der fünfköpfigen Kommission ist Historiker Gernot Heiss. Dem Historikerteam als externe Experten beigeordnet sind der Patientenanwalt der Stadt Wien, Konrad Brustbauer, Medizinrechts-Experte Christian Kopetzki und die Psychoanalytikerin Elisabeth Brainin. Zusätzlich hat die MedUni Wien einen Beirat mit internen Fachexperten nominiert.   

„Die unabhängige Expertenkommission wird den Zeitraum von 1945 bis 1978, dem Gründungsjahr der Ethik-Kommission an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien, untersuchen“, ergänzt die Vizerektorin der MedUni Wien und Vorsitzende der Bioethik-Kommission im Bundeskanzleramt, Christiane Druml. „Seit 1978 prüft die Ethikkommission alle klinischen Forschungsprojekte der Medizinischen Universität Wien auf ethische Aspekte.“

„Nach einem Jahr soll ein Zwischenbericht und in zwei Jahren der Endbericht vorliegen,“ sagte der Leiter der Historikerkommission Gernot Heiss in Bezug auf die zeitlichen Abläufe der Untersuchung. „Als ersten Schritt überprüfen wir bis Ende Mai dieses Jahres die verfügbaren Quellen, wobei wir uns bei den Untersuchungen vorerst auf die Zeit der 1950er und 60er Jahre konzentrieren. Wir wissen derzeit ja noch nicht, welche Quellen uns überhaupt noch in welcher Form zur Verfügung stehen. Anschließend werden wir einen Förderantrag für unser Projekt formulieren, um so die Kosten für zusätzlich notwendige MitarbeiterInnen zu sichern.“

Bild: (v.l.n.r.): Gernot Heiss, Wolfgang Schütz, Christiane Druml