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[in German:] Symposium: Wer profitiert von der Gesundheit?

[in German:] (Wien, 11-09-2014) Welche Rolle spielen Gesundheits
informationskampagnen, Kosten-Nutzen-Rechnungen und unternehmerischer Profit beim Ziel, den ÖsterreicherInnen mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen? Kann es überhaupt eine konstruktive Zusammenarbeit von Ärzten, Politik und pharmazeutischer Industrie geben und wenn ja, wie sieht diese aus?
Renommierte Experten aus Forschung, Medizin, Industrie, Politik und dem Non-Profit-Bereich diskutieren diese zentralen Fragen rund um die konstruktive Zusammenarbeit für mehr Gesundheit.


Österreich hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Bevölkerung bis 2020 fünf gesunde Lebensjahre mehr erhält. Dabei gibt es noch „viel Verbesserungspotential“, wie Paul Pocek, Patientenvertreter, feststellt. Im Rahmen des wissenschaftlichen Symposiums „Wer profitiert von der Gesundheit?“ am 11. September veranstaltet vom Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich (FOPI) und der Medizinischen Universität Wien, wurde ausgelotet, was besser gemacht werden muss und in welchen Bereichen es Erfolgsbeispiele gibt.


Die Österreicher werden immer älter, aber nicht gesünder.  Im Schnitt verbringen die Österreicher 58 bis 60 gesunde Lebensjahre und damit deutlich weniger als der EU-Durchschnitt mit 61,5 gesunden Jahren. Bei einer allgemeinen Lebenserwartung von etwa 81,1 Jahren gehen demnach mehr als 20 Jahre an Lebensqualität durch Erkrankung bzw. Beeinträchtigung verloren. Vor allem chronische Erkrankungen wie Alzheimer, Diabetes oder auch Morbus Parkinson sind auf dem Vormarsch. Um in Gesundheit zu leben bzw. die Lebensqualität bei Erkrankung so gut wie möglich zu erhalten, braucht es deshalb die Zusammenarbeit von vielen Akteuren im System. Dies war ein Hauptthema beim Stakeholderdialog, den das FOPI im letzten Jahr etabliert hat.
 

Prävention um Gesundheit zu erhalten
Die  kontinuierliche Information, Aufklärung und Ausbildung ist dabei ein zentraler Eckpfeiler, um Gesundheitskompetenz zu vermitteln und die Eigenverantwortung jedes Einzelnen zu stärken: „Ein wesentlicher Teil von Public Health sind Gesundheitsinformationskampagnen mit dem Ziel, Wissen zu verbessern, Verständnis zu erzeugen, soziale Normen zu beeinflussen und das generelle Gesundheitsverhalten zu verändern“, eröffnet Prof. Anita Rieder, Leiterin des Instituts für Sozialmedizin, Zentrum Public Health der Medizinischen Universität Wien. Laut derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen können Informationskampagnen eine Steigerung von durchschnittlich 8 bis 10 Prozent im Verhaltensbereich bewirken, abhängig von der Art der Kampagne bzw. den Botschaften. Voraussetzung dafür ist ein entsprechendes Angebot an konkreten Maßnahmen, wie zum Beispiel Schutzhelme für mehr Radfahrsicherheit oder Kondome zur HIV-Vermeidung. Nur so kann Prävention in ihren vielen Formen funktionieren. Diese Kampagnen werden von vielen Partnern im System auf breiter Basis initiiert, unterstützt und durchgeführt. Dabei ist es vielfach weltweit auch die forschende pharmazeutische Industrie, die im Sinne ihrer gesellschaftlichen Verantwortung im Rahmen von Kooperationen und durch Bereitstellung finanzieller Mittel die Machbarkeit derartiger Informationsangebote tatkräftig unterstützt oder gar erst ermöglicht. „Ich persönlich würde mir wünschen, dass wir unsere Maßnahmen in diesem Bereich auch besser evaluieren“, stellte Dr. Elisabeth Prchla, Leiterin der Arbeitsgruppe „Verantwortung“ des FOPI eingangs fest.


Innovation um Gesundheit wiederzuerlangen

Blickt man nun auf die sekundäre Prävention – also jenen Teil, der durch Früherkennung eine möglichst rechtzeitige Behandlung der Erkrankung bewirkt – so sind es vor allem pharmazeutische Innovationen, die helfen die Lebensqualität von erkrankten Menschen zu verbessern. Die forschende pharmazeutische Industrie sieht die Erforschung und Bereitstellung von Innovation klar als ihren Auftrag. Damit Innovation letztlich beim Menschen mit einer Erkrankung ankommt braucht es jedoch auch geeignete Rahmenbedingungen, um den Zugang zu ermöglichen: „Im Sinne der Gestaltung eines qualitätsvollen Gesundheitswesens braucht es das Zusammenspiel aller Akteure im System. Denn wir alle profitieren persönlich und gesamtgesellschaftlich von Gesundheit. Die forschende pharmazeutische Industrie versteht sich hier als verantwortungsvoller Partner“, erklärt FOPI Präsident Mag. Ingo Raimon.


Partnerschaften, die auf Transparenz und Dialog aufbauen

Die Frage, wer wirklich von der Gesundheit profitiert, wurde von den zahlreichen anwesenden Ansprechpartnern im Gesundheitswesen aus deren jeweiligem Blickwinkel beleuchtet. Dabei wurde auch immer wieder die Frage diskutiert, wie die konstruktive Partnerschaft zwischen der forschenden Pharmaindustrie und den unterschiedlichen Stakeholdern funktionieren kann. In einem Punkt waren sich dabei alle einig. Es braucht regulative Rahmenbedingungen, Transparenz und ein Miteinander auf Augenhöhe. „Fortschritt benötigt Investitionen in Innovationen. Investitionen müssen finanziert werden. Gleichzeitig ist es die vielfach geforderte Verpflichtung, mit öffentlichem Geld sorgsam, also im Sinne optimaler Effizienz und Effektivität umzugehen. Transparenz, Dialog und Vertrauen sind dabei essenziell, um eine Zusammenarbeit konstruktiv zu gestalten und so auch das Beste für die Menschen zu erreichen“, betont MMag. Martin Staudinger, Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz.

Transparenz und Dialog stehen auch aus Sicht der Betroffenen im Fokus, wenn es darum geht, gemeinsam die Gesundheit der Menschen sicherzustellen: „Viele Organisationen und Unternehmen versuchen in einem geordneten Zusammenspiel dem Ziel einer „gesünderen Welt“ näher zu kommen. Vieles funktioniert dabei schon sehr gut, aber aus Patientensicht besteht noch großes Verbesserungspotential. Der Spielraum zwischen Industrie und Selbsthilfeorganisationen ist nicht groß, aber sehr sensibel. Es gelingt immer wieder, Win-win-Situationen zu erzeugen“, erklärt Paul Pocek, Präsident der Österreichischen Vereinigung für Morbus Bechterew (ÖVMB).


Die ganzheitliche Nutzenbetrachtung ist notwendig
Mit dem Ziel einer immer gesünderen Bevölkerung und der langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems dürfen Kosten-Nutzen-Rechnungen bei jeglichen Innovationen nicht ausgespart
bleiben.  Prof. Markus Müller, Vizerektor für Forschung der Medizinischen Universität Wien, weist auf die ganzheitliche Nutzenbetrachtung hin: „Historisch war das Thema Gesundheit immer mit einem variablen Nutzen/Risiko Verhältnis für alle Beteiligten - oft zu Ungunsten von Patienten  - assoziiert. Erst seit den 1970er Jahren konnte durch systematische empirische Forschung dieses Verhältnis für alle Beteiligten zugunsten des Nutzens verschoben werden.“


„Wir alle profitieren von Gesundheit, denn mehr Gesundheit liegt in unser aller Interesse“, ergänzt Ingo Raimon. Erkrankung belastet den einzelnen Patienten, aber auch sein gesamtes Umfeld und die Gesellschaft. Im Umkehrschluss: eine qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung bietet Vorteile für uns alle: die medizinische Betreuung und der Zugang zu innovativen Arzneimitteln bilden die Basis dafür, dass Menschen mit einer (chronischen) Erkrankung weiterhin sozial wie beruflich aktiv bleiben können. Durch eine sichergestellte Gesundheitsversorgung können Unternehmen ihre Mitarbeiter in Arbeitsfähigkeit erhalten. Dies ist Voraussetzung für eine hohe Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Das Gesundheitswesen bietet spitzenmedizinische Leistungen an und schafft dadurch eine Vielzahl an Arbeitsplätzen.


Auch Prof. Christoph Gisinger, Haus der Barmherzigkeit und Donau-Universität Krems, unterstützt diese Ansicht: „Von der Gesundheit – und vom Gesundheitssystem – profitieren wir alle: Gerade ältere Menschen sind heute viel gesünder und leistungsfähiger als noch vor einer Generation. Dies beruht auch darauf, dass sich der Wohlstand in Österreich so entwickelt hat, dass wir uns den Ausbau des Gesundheitssystems – gegenwärtig etwa 11% des BIP – leisten können. Umgekehrt zeigt das auch, dass sich das Gesundheitswesen zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsbereiche entwickelt hat. Somit profitieren die Menschen als potentielle Patienten und als potentiell im Gesundheitswesen tätige Beschäftigte oder Unternehmer und somit die gesamte Wirtschaft.“


Nur wenn Innovation auch dort ankommt, wo sie dringend gebraucht wird – nämlich beim Menschen mit seiner Erkrankung, entfaltet sie ihren vollen Nutzen für den Einzelnen und das Gesamtsystem. So profitiert das Gesamtsystem von einer gesünderen Bevölkerung dahingehend, dass weniger Geld für die Pflege oder Pensionen aufgebracht werden müssen. Die pharmazeutische Industrie forscht weiter intensiv an innovativen  Therapien, um den gesundheitlichen Herausforderungen von morgen begegnen zu können. Nur wenn die Akteure im Gesundheitswesen gemeinsam für eine gesündere Welt einstehen, kann letztlich auch Innovation ermöglicht und Gesundheit nachhaltig erhalten bzw. verbessert werden.