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Margit Pavelka

Titel: O. Univ.-Prof.in Dr.in
Professorin für Histologie und Embryologie

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Es war keine direkte Entscheidung dahingehend, dass ich unbedingt eine wissenschaftliche Karriere machen wollte. Ich habe mich schon sehr früh im Studium für Zellbiologie interessiert und wollte einen Weg gehen, in dem meine praktische Tätigkeit als Ärztin mit medizinischer Forschung vereinbar sein würde. Auch war ich schon als Studentin immer neugierig, neue Methoden kennen zu lernen. So bin ich zur Elektronenmikroskopie und Ultrastrukturforschung gekommen, damals eine ganz neue Wissenschaft, die in der Biologie und Medizin zu völlig neuen, revolutionären Einsichten in das Leben der Zellen und Gewebe geführt hat.
Professor Stockinger am Institut für Histologie und Embryologie war einer der Pioniere auf diesem Gebiet. An seiner Abteilung habe ich meine ersten wissenschaftlichen Schritte gemacht, und konnte dann auch schon während des Studiums meine erste wissenschaftliche Arbeit veröffentlichen.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Ich habe im Februar 1970 das Medizinstudium abgeschlossen. Meine praktisch-ärztliche Ausbildung absolvierte ich an der Krankenanstalt Rudolfstiftung, wo ich auch meine Facharztausbildung für Innere Medizin begonnen habe. Auch während dieser Zeit war ich in Verbindung mit dem Institut für Histologie. Als eine Stelle frei geworden war, fragte mich Professor Stockinger, ob ich nicht wieder an das Institut kommen wolle. Es war keine einfache Entscheidung, da ich ja damit meine Facharztausbildung unterbrechen musste. Ich habe mich für das Institut entschieden, konnte aber dann auch meine Facharztausbildung an der Klinik für Innere Medizin II fertig machen. Es war mir sehr wichtig, eine praktisch-ärztliche Ausbildung zu absolvieren, eine Erfahrung, die ich auch jetzt in meine Arbeit in der Forschung und im Unterricht einbringen kann.
Mein Habilitationsthema war der Golgi Apparat, ein höchst komplexes Zellorganell, in dem sich zelluläre Wege treffen, Zellprodukte verändert, zu verschiedenen Zielen aussortiert und weiter transportiert werden. Der Golgi Apparat steht bis heute im Zentrum meiner wissenschaftlichen Arbeit.
1992 wurde ich auf den Lehrstuhl für Histologie und Embryologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck berufen, wo ich als Professorin für Histologie und Embryologie von 1992 bis 1998 tätig war. Meine Innsbrucker Jahre sind eine ganz wichtige Zeit in meinem Leben. Niemals möchte ich sie missen. Dass ich 1998 zurück nach Wien auf den Lehrstuhl meines ehemaligen Chefs, Prof.Stockinger, berufen wurde, war eine ganz große Freude und Ehre.

Ich bin glücklich und dankbar, dass unsere Abteilung für Zellbiologie und Ultrastrukturforschung ausgebaut werden konnte, dass wir in der nationalen und internationalen „Elektronenmikroskopielandschaft“ gut positioniert sind und mit Kryotechnologien und Elektronentomographie weltweit neueste Entwicklungen zur Aufschlüsselung des komplizierten dynamischen Zellinneren mitmachen können. Mit neuen Präparations- und Analysemethoden ist die Ultrastrukturforschung in den letzten Jahren in eine neue Ära getreten.
Auch im Unterricht für Medizinstudenten spielt die Zellbiologie und Ultrastrukturhistologie eine zunehmend wichtige Rolle. Die Lehre ist mir ein großes Anliegen. Ich war an der Ausarbeitung und Umsetzung des neuen Studienplans von Anfang an beteiligt, bin Blockkoordinatorin von Block 11, „Herz- und Kreislauf, Blut und Gefäße“, und freue mich, auch an der laufend notwendigen Weiterentwicklung des Curriculums gestaltend mitarbeiten zu können.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
Begeisterungsfähigkeit, Disziplin und Durchhaltevermögen sind wahrscheinlich Eigenschaften, die mir geholfen haben.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?

  • Eine positive Einstellung der nächststehenden Menschen in der Familie, im Kollegen- und Freundeskreis.
  • Mein Mann, meine Eltern, meine Kinder.
  • Kollegen, die mich wohlwollend kritisch begleitet haben.
  • Meine Chefs am Institut und an den klinischen Abteilungen, die an mich geglaubt und mich gefördert haben.
  • In großer Dankbarkeit nenne ich Professor Stockinger.
  • Niemals vergessen werde ich auch Herrn Oberarzt Dr.Karl Hofbauer und die Kolleginnen und Kollegen an der Krankenanstalt Rudolfstiftung und an der Klinik, die mich bei meiner ärztlichen Ausbildung begleitet haben.
  • Die gute Zusammenarbeit mit meinen Kolleginnen und Kollegen und allen Mitgliedern unserer Abteilung, die mir die Kraft und den Mut für die Umsetzung unserer Ziele geben.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Wissenschaftliches Arbeiten ist in der Regel nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Rückschlägen begleitet. Ich versuche, daraus zu lernen und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Nein, ich glaube nicht. Ich kann nicht sagen, dass mir irgendwo auf meinem Berufsweg aus diesem Grund Hindernisse in den Weg gelegt wurden.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?

  • Die Unterstützung durch meinen Mann und meine Eltern.
  • Die verlässliche Arbeit von Kinderfrauen.
  • Eine gute Schule mit Nachmittagsbetreuung.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?

  • Unternehmungen mit den Kindern.
  • Konzert-, Opern-, Theater-, Ausstellungsbesuche. Ich versuche, Klavier zu spielen, aber da hab ich jetzt zuwenig Zeit.
  • Auch reise ich gern und wandere.

 

Tipps und Tricks
Offen sein und neugierig, Neues zu sehen und zu lernen; sich selbst nicht so wichtig nehmen; möglichst nie gekränkt sein und immer die positiven Aspekte einer Sache in den Vordergrund stellen.
Vor einigen Jahren habe ich in einem Touristenladen nahe Palmyra eine „Schriftrolle“ gefunden, mit „10 Geboten“. Sie haben sich sehr bewährt.

How to work better:
1. Do one thing at a time
2. Know the problem
3. Learn to listen
4. Learn to ask questions
5. Distinguish sense from nonsense
6. Accept change as inevitable
7. Admit mistakes
8. Say it simple
9. Be calm
10. Smile