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Antrittsvorlesungen

Neue Professor:innen der MedUni Wien stellen sich und ihr Fachgebiet vor
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Markus Müller © Matern | MedUni Wien

Als eine der größten medizinischen Universitäten Europas arbeitet die MedUni Wien stetig daran, die besten Köpfe zu gewinnen, um mit Hilfe ihrer wissenschaftlichen Exzellenz und Innovationskraft die medizinische Forschung voranzutreiben, zukunftsweisendes Wissen zu lehren und die fortschrittlichste Behandlung für Patient:innen zu gewährleisten. Die von unseren Mitarbeiter:innen entwickelten Innovationen bieten die Voraussetzungen, mit denen wir die Zukunft der Medizin aktiv mitgestalten können. Mit ihren Antrittsvorlesungen und ihrer Expertise in den unterschiedlichsten Fachbereichen stellen sich neue Kolleg:innen an unserer Universität vor. Ich möchte Sie einladen, diese Gelegenheit zu nutzen, um diese hervorragenden Forscher:innen kennenzulernen und sich mit ihnen interdisziplinär zu vernetzen.

Markus Müller
Rektor der Medizinischen Universität Wien


Die nächsten Termine


Freitag, 21. Juni 2024

14:00 bis 15:30 Uhr, Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

Nicole Concin

Professorin für Gynäkologie

Vorstellung durch Anna Fagotti, Obstetrics and Gynecology,
Università Cattolica del Sacro Cuore, Rome.

Der klinische und wissenschaftliche Schwerpunkt von Nicole Concin liegt auf der gynäkologischen Onkologie. Auf diesem Gebiet war sie zuletzt an mehreren renommierten europäischen Institutionen, wie der Katholischen Universität Leuven, Belgien, und den Kliniken Essen Mitte, Deutschland, tätig, und hatte eine Professur für Experimentelle Gynäkologie an der Medizinischen Universität Innsbruck inne.

Nicole Concin ist Past-President der European Society of Gynecological Oncology (ESGO),  President-Elect der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO), Vorsitzende des Early Drug Development Network des European Network of Gynecological Oncological Trial Groups (ENGOT), Vorstandsmitglied der International Federation of Gynecology and Obstetrics (FIGO) for Women`s Cancer und im Fortbildungs-Gremium für Gynäkologische Malignome der European Society of Medical Oncology (ESMO). Sie leitete weltweit zahlreiche translationale und klinische Forschungsprojekte und brachte ihre Expertise in über 90 internationalen klinischen Studien in der gynäkologischen Onkologie ein, mehrfach als Global Coordinating Investigator. In Anerkennung ihrer Leistungen erhielt sie zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter den Univ.-Prof. Prof. DDr. Karl-Fellinger-Preis der Österreichischen Gesellschaft für Krebshilfe.

Patient:innen im Mittelpunkt: optimale Betreuung durch Forschung und interdisziplinäre Kooperation
„Eine Patientinnen-orientierte Medizin mit individualisierter, empathischer Betreuung am Puls der Zeit ist mir wichtig. Eine Grundvoraussetzung, um hochqualitative, evidenzbasierte Medizin anbieten zu können, ist eine aktive Forschungstätigkeit. Das zeichnet Universitätsmedizin aus.“ An der Klinischen Abteilung für Allgemeine Gynäkologie und gynäkologische Onkologie von MedUni Wien/AKH Wien will Concin Patient:innenversorgung, Forschung und Lehre hinsichtlich Qualität und Innovation auf höchstem internationalen Niveau anbieten und weiterentwickeln sowie internationale klinische und wissenschaftliche Kooperationen fördern.

Einen Schwerpunkt möchte Concin auf frühe klinische Studien und „precision medicine“ in der gynäkologischen Onkologie setzten. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viel über den entscheidenden Einfluss der Tumorbiologie auf die Prognose von onkologischen Patient:innen gelernt. In der Behandlung von Patient:innen mit gynäkologischen Malignomen kommen zunehmend „molecularly-targeted agents“ zur Anwendung, die auf bestimmte molekulare Marker abzielen, die eine entscheidende Rolle auf Tumorwachstum und Tumorprogression haben, und damit eine individualisierte Behandlung ermöglichen. Eine ausgezeichnete interdisziplinäre Kooperation ist der Schlüssel, um unseren Patient:innen eine optimale Behandlung anbieten zu können.“

Concin setzt in der chirurgischen Behandlung von Patient:innen auf die richtige Indikationsstellung. Manche Erkrankungen erfordern nach ausgedehnten (radikalen) Operationen, wie zum Beispiel bei Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom. Bei anderen Erkrankungen hingegen ist weniger mehr. Concin möchte vor allem die minimal-invasive Methode mittels Roboterchirurgie für Patient:innen mit frühem Endometriumkarzinom, aber auch mit Endometriose und anderen gynäkologischen Erkrankungen weiter ausbauen.

Nachwuchsförderung
Ein besonderes Augenmerk möchte Concin auf die Begeisterung und Ausbildung des gynäkologischen Nachwuchses legen. „Die Jugend ist unsere Zukunft“ betont Concin, „es ist unser Auftrag und eine Freude, junge motivierte Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, sie zu fordern und zu fördern. Dabei ist mir die Chancengleichheit aller Geschlechter wichtig.“

Herwig Czech

Professor für Geschichte der Medizin

Vorstellung durch Volker Roelcke, Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin,
Justus-Liebig-Universität Gießen.

Der wichtigste Schwerpunkt von Herwig Czechs Forschungstätigkeit liegt auf der Zeitgeschichte der Medizin – insbesondere auf der Geschichte der Medizin im Nationalsozialismus, deren Vorbedingungen und Folgen. Seit 2017 ist er Ko-Projektleiter des von der Max-Planck-Gesellschaft finanzierten Forschungsprojekts „Hirnforschung an Instituten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Kontext nationalsozialistischer Unrechtstaten“, durchgeführt in Kooperation mit der Technischen Universität München, der Berliner Charité, der Leopoldina sowie der Oxford Brookes University. Seit September 2021 ist er außerdem Co-Chair der Lancet Commission on Medicine, Nazism, and the Holocaust.

Ein weiterer Schwerpunkt von Czechs Arbeit ist die Wiener Medizin seit der Aufklärung, vor allem im Hinblick auf soziale, politische, kulturelle und wissenschaftshistorische Aspekte sowie die Geschichte von Public Health.

Die Professur ist der Organisationseinheit Ethik, Sammlungen und Geschichte der Medizin am Josephinum zugeordnet. Herwig Czech: „Das Josephinum mit seinen einzigartigen Sammlungen und dem im September 2022 neu eröffneten Medizinhistorischen Museum Wien ist auf einem guten Weg, zu einem der weltweit wichtigsten Zentren der Medizingeschichte zu werden. Ich bin sehr dankbar, dazu einen Beitrag leisten zu dürfen.“

Zur Person
Herwig Czech studierte Geschichtswissenschaften an den Universitäten Graz, Wien, Paris VII und Duke (North Carolina). Über viele Jahre war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. 2007 promovierte er als DOC-Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) mit einer Arbeit zum Wiener Gesundheitswesen im Nationalsozialismus. 2011 bis 2014 war er APART-Stipendiat der ÖAW, seit 2017 Universitätsassistent (postdoc) für Medizingeschichte an der MedUni Wien. Er absolvierte Forschungs- und Lehraufenthalte an den Universitäten Wroclaw und Newcastle, am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) sowie zuletzt 2019 am Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin der Berliner Charité.

Im Jahr 2020 übernahm Czech an der MedUni Wien eine Professur (§99/1) für Geschichte der Medizin mit besonderer Berücksichtigung der Medizinischen Zeitgeschichte. Mit 2. November  2023 erfolgte die Berufung nach §98 als Professor für Geschichte der Medizin. 


Freitag, 27. September 2024

11:00 bis 12:30 Uhr, Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

Kathryn Hoffmann

Professur für Primary Care Medicine

Kathryn Hoffmann hat drei Forschungsschwerpunkte, die alle miteinander verknüpft sind:

Versorgungsforschung im Primärversorgungssektor: Zugangspunkte zum Gesundheitssystem, starke Primärversorgungskonzepte und Implementierungsmöglichkeiten ins österreichische Gesundheitssystem, Versorgungspfade, Unterstützung von Hausärzt:innen bei der komplexen gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlingen und anderen Migrant:innen, Sichtbarmachen von den Herausforderungen der Hausärzt:innen im Rahmen der SARS-CoV-2 Pandemie, Sichtbarmachen der Stimmen der Patient:innen im Rahmen von Gesundheitsreformen (patient involvement).

Telemedizin in der Primärversorgung: Wie ist der Status quo, wo liegen die Herausforderungen der Hausärzt:innen in Bezug auf die Telemedizin und ihre Rahmenbedingungen (organisatorisch, rechtlich, finanziell). Vor allem das Thema Videokonsultationen und HealthApps/DiGAs stehen derzeit im Fokus des Interesses.

Infektiöse Erkrankungen und ihre Langzeitfolgen: bei diesem Schwerpunkt stehen vor allem Antibiotika, Antibiotikaresistenzen und das Wissen dazu im Fokus des Interesses sowie das durch SARS-CoV-2 ausgelöste Covid-19 und Long-Covid sowie die spezifische Form, das Post-Covid-Syndrom. Im Rahmen von Long-Covid zum Beispiel ist Hoffmann maßgeblich beteiligt am aktuellen Update der österreichischen Long-Covid S1 Leitlinie und dem dazugehörigen Webtool. Aktuell laufen bereits erste Studien zum Thema Patient:innen-Karrieren und Herausforderungen der hausärztlichen Versorgung in Bezug auf Long-Covid und Post-Covid. Auch Präventionsmöglichkeiten, Behandlungspfade und Behandlungsmöglichkeiten werden genau unter die Lupe genommen (z. B. hat eine Studie bei Hausärzt:innen schon sehr früh im Verlauf der Pandemie gezeigt, dass die frühen SARS-CoV-2 Test-Kriterien zu kurz gegriffen waren), womit sich wieder der Kreis zu Schwerpunkt 1 schließt. Und nachdem es gerade in der Versorgung von schwer kranken Post-Covid Patient:innen mit dem ME/CFS-Typ sowohl aufsuchende Behandlung als auch unterschiedlichste telemedizinischen Lösungen braucht, (Videokonsultationen, DiGAs) auch der Kreis zum Schwerpunkt Telemedizin.

„Im Rahmen der Professur ist es mir ein Anliegen die bestehenden Forschungsschwerpunkte auszubauen und nationale wie internationale Kooperationen zu vertiefen“, erklärt Hoffmann. „Mir war es immer schon wichtig, interdisziplinär mit anderen Berufsgruppen zusammenzuarbeiten, sowohl bei meiner Arbeit als Ärztin, aber genauso bei meiner Arbeit als Wissenschaftlerin. So haben in allen bisherigen Forschungsprojekten nicht nur Mediziner:innen mitgearbeitet, sondern auch Soziolog:innen, Medizinantropolog:innen, Psycholog:innen und Absolvent:innen der International Development Studies. Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit bringt erfahrungsgemäß große Vorteile sowohl hinsichtlich der Qualität der Forschung als auch hinsichtlich der Teamdynamik und ich möchte diese Interdisziplinarität auch weiterhin stark in die Abteilung einbringen.“ Wichtig ist Hoffmann, dass bei einem Forschungsprojekt neben den medizinischen Themen immer auch die Sichtweisen der Akteur:innen einfließen wie z.B. der Patient:innen oder der Hausärzt:innen, um ein umfassendes Bild von der Situation zu bekommen. Eine Vision ist, dass die entstehenden Forschungsergebnisse ein Motor dafür sind, die Versorgungssituation im österreichischen Primärversorgungssektor auf eine höhere Stufe zu bringen, von der Patient:innen und Hausärzt:innen, die bald Fachärzt:innen für Allgemeinmedizin sein werden, profitieren.

„In Bezug auf die Lehre wurde gerade mit dem neuen Facharzt für Allgemeinmedizin das Interesse in Bezug auf das Fach Allgemein- und Familienmedizin auch bei den Studierenden deutlich erhöht. Das ist eine ausgezeichnete Chance und auch mein Ziel die spezifischen Inhalte des Fachs so aufzubereiten, dass alle, die wollen, am Ende des Studiums fit für die Facharztausbildung sind“, erklärt Kathryn Hoffmann. „Darüber hinaus ist es mir auch ein Anliegen, den Studierenden zu zeigen wie hochkarätig, interessant und wichtig Forschung in der Primärversorgung sein kann, die sich hinter keinem anderen Fach verstecken muss.“

Zur Person
2002 Promotion, 2007 Abschluss als Ärztin für Allgemein- und Famillienmedizin, ÖÄK-Diplome für psychosoziale und psychosomatische Medizin, seit 2010 Public-Health-Wissenschaftlerin und an der MedUni Wien tätig und seit 2017 habilitiert für das Fach Allgemein- und Familienmedizin. Von Oktober 2016 bis 2018 leitete Kathryn Hoffmann interimistisch als assoziierte Professorin die Abteilung für Allgemein- und Familienmedizin und von 2020 bis 2022 die Unit Versorgungsforschung und Telemedizin in der Primärversorgung an der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin am Zentrum Für Public Health der MedUni Wien. Im Jahr 2022 wurde sie zusätzlich als Senior Health Expert an die Gesundheit Österreich GmbH geholt, um dort vor allem nationale und internationale Projekte zum Thema Primärversorgung beim Aufbau zu unterstützen und zu beraten.

Seit dem Jahr 2020 ist Kathryn Hoffmann auch immer wieder als Ärztin für Allgemeinmedizin tätig, sowohl als Vertretungsärztin als auch zuletzt spezialisiert auf die Versorgung von Menschen mit Long-Covid und dem Post-Covid-Syndrom.

Sie ist eine führende Wissenschaftlerin für Versorgungsforschung im Primärversorgungssektor in Österreich. Forschungsaufenthalte führten sie an die Duke University in den USA sowie an die Ghent University in Belgien. Autorin zahlreicher Publikationen in internationalen Journalen und von Buchbeiträgen sowie Leiterin großer EU-geförderter Studien zum Thema Primärversorgung und Versorgungsforschung europaweit. Sie ist Mitglied in diversen wissenschaftlichen Organisationen zum Thema General Practice und Primary Care wie z.B. Österreichvertreterin beim European General Practice Research Network oder Co-Course Direktorin für das Family Medicine Seminar des Open Medical Institutes zusammen mit der Duke University, Division of Family and Community Medicine.

 

Sabine Pleschberger

Professur für Pflegewissenschaft

„Mit der Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaft verankern wir in den kommenden Jahren ein höchst relevantes Thema an der MedUni Wien. Wir freuen uns über diese Gelegenheit, mit der Berufung von Sabine Pleschberger unserem gesellschaftlichen Auftrag einmal mehr nachzukommen“, sagt Markus Müller, Rektor der MedUni Wien. „Die MedUni Wien ist sich der Herausforderungen im Gesundheitssystem der gegenwärtigen und zukünftigen Zeiten voll und ganz bewusst. Dabei werden nicht nur die spezifischen Fachbereiche, sondern auch disziplinübergreifende Themen von hoher gesellschaftlicher Bedeutung, wie die Pflegewissenschaft, mit größter Sorgfalt berücksichtigt.“
Das Fach „Pflegewissenschaft“ soll innerhalb eines medizinisch-wissenschaftlichen Umfelds in der Forschung und innerhalb der an der Medizinischen Universität Wien eingerichteten Diplomstudien der Humanmedizin und Zahnmedizin sowie in den Doktoratsstudien vertreten sein. Aus- und Weiterbildungen im Bereich der Pflege, insbesondere in der Intensivpflege und in anderen Spezialausbildungen im Pflegebereich, sollen etabliert werden. Die Stiftungsprofessur ist zunächst auf eine Dauer von drei Jahren vereinbart.

In Würde und Gesellschaft altern
Im Rahmen der Stiftungsprofessur für Pflegewissenschaft, die am Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien angebunden ist, wird sich Sabine Pleschberger in der Forschung Fragen der Sicherstellung der Pflege in einer alternden Gesellschaft widmen. Darin u.a. dem Zueinander von formeller Pflege, Betreuung und informeller Unterstützung. „Dreh- und Angelpunkt meines wissenschaftlichen Interesses seit nunmehr 25 Jahren ist die Frage, wie eine qualitätsvolle pflegerische Versorgung in einer alternden Gesellschaft bis zum Lebensende sichergestellt werden kann“, erklärt Sabine Pleschberger, „letztlich geht es um die große Frage, wie wir in Gesellschaft alt werden und bis zuletzt gut leben können. Hierfür humane Lösungen zu suchen und zu entwickeln ist auch eine wichtige Aufgabe der Pflegewissenschaft, und der möchte ich mich im Rahmen der Stiftungsprofessur gerne widmen.“

Ausgehend von Fragen der Versorgung am Lebensende – Stichwort Hospizbewegung und Palliative Care – beschäftigt sich Pleschberger mit innovativen Konzepten/Modellen zur Bewältigung von Care-Aufgaben im weitesten Sinn. „Es gibt hier ein enormes Potenzial, eine Hilfe- und Pflegebereitschaft in der Bevölkerung, die mitbedacht werden muss, wenn wir uns diesen Fragen widmen. Aber keiner und keine kann und will ‚alles‘ übernehmen“, erklärt sie, „deshalb müssen wir zukünftig in Netzwerken denken, wenn wir die Aufgaben der Sorge, Betreuung und Pflege in der Gesellschaft bewältigen wollen.“ Die Pflegewissenschaft habe hier auch die Aufgabe, die Perspektive der betroffenen Menschen zu erfassen, und ausgehend davon die Versorgung zu gestalten und Angebote zu entwickeln. Damit solche Sorgenetzwerke funktionieren, braucht es die professionelle Pflege. Bei ihr können die vielen Fäden aus informeller Unterstützung und formaler Hilfen zusammenlaufen und vernetzt werden („community nursing").

Auch vor diesem Hintergrund hat sich Sabine Pleschbergers Forschung in der jüngeren Vergangenheit verstärkt der beruflichen Pflege gewidmet. Es ist ein dynamisches Feld in Österreich, da durch die Gesetzesnovellen der letzten Jahre nicht nur neue Berufe, sondern auch neue Zugangswege geschaffen wurden. Dazu gehört die akademische Ausbildung zum gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. „Die Zusammenarbeit der Berufsgruppen – innerhalb der Pflege aber auch im Reigen der anderen Gesundheitsberufe – stellt einen weiteren Schwerpunkt meiner Forschungsarbeit im Rahmen der Stiftungsprofessur dar. Es hat sich gezeigt, dass sie wesentlich dazu beiträgt, dass Pflegepersonen in ihrem Arbeitsfeld bleiben. Attraktivität und Zufriedenheit im Beruf sind Schlüsselthemen, wenn es darum geht, dass die gut ausgebildeten und erfahrenen Pflegenden im Beruf verbleiben und sich engagiert einbringen. Dies muss der Kernbestandteil jeder Strategie gegen Personalnotstand sein“, so Pleschberger.

Mit Empirie und Forschung gegen den Pflegenotstand
„Unser Verein „PflegerIn mit Herz“ hat das Bewusstsein für das Thema Pflege in der Öffentlichkeit geschärft und das Berufsbild der Pflegerinnen und Pfleger gestärkt“, erklärt Vereinspräsident Günter Geyer. „Wir haben der Pflege in Österreich ein Gesicht und eine Stimme gegeben und haben die vielen herausragenden Leistungen von Menschen, die Pflegebedürftige betreuen, sichtbar gemacht. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, den Blick in die Zukunft zu richten und den nächsten Schritt zu gehen. Wir freuen uns darauf, diesen neuen Weg gemeinsam mit der MedUni Wien und Sabine Pleschberger zu beschreiten. Mit dieser Professur, die wir mit 1,5 Mio. Euro fördern, wollen wir wissenschaftliche Lösungen erarbeiten sowie konkrete Lösungen präsentieren und umsetzen, um die Situation für Pflegebedürftige, Pflegerinnen und Pfleger und Angehörige von zu pflegenden Personen in Österreich zu verbessern.“

100.000 Pflegekräfte fehlen
„Rund 80 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt: Die wichtigste Stütze im heimischen Pflegesystem sind pflegende Angehörige: In Österreich sind 947.000 Personen auf irgendeine Art und Weise in die Pflege und Betreuung einer/eines Angehörigen involviert Also knapp eine Million Menschen in Österreich sind pflegende Angehörige, das sind rund zehn Prozent der österreichischen Bevölkerung“, erklärt Robert Lasshofer, Vizepräsident des Vereins „PflegerIn mit Herz“. „Die Zahl alter und pflegebedürftiger Menschen steigt – bei gleichzeitigem Betreuungsmangel bis 2030. Laut Pflegepersonal-Bedarfsprognose des Sozialministeriums 2019 wird die Anzahl der über 85-Jährigen in Österreich bis 2030 um 45 Prozent steigen. Gleichzeitig soll ein Drittel jener, die in der Pflege und Betreuung tätig sind, bis 2030 in Pension gehen. Das heißt, bis 2030 werden 75.000 bis 100.000 Pflegekräfte fehlen und ein Drittel der derzeit aktiven Pflegepersonen pensioniert sein. Wir brauchen dringend innovative Lösungen, die ab sofort die Stiftungsprofessur der MedUni Wien erarbeiten wird, damit ein funktionierendes und leistungsstarkes und nachhaltiges Pflegesystem in Österreich sichergestellt werden kann.“

Zur Person
Sabine Pleschberger ist DGKP, Sozial-, Pflege und Gesundheitswissenschafterin und hat sich im Jahr 2011 an der Universität Klagenfurt in Pflegewissenschaft und Palliative Care habilitiert. Seit vielen Jahren arbeitet sie in Forschung und Lehre im universitären sowie außeruniversitären Bereich zu folgenden thematischen Schwerpunkten: Care for Older People, Erfassen der Nutzer:innenperspektive im Gesundheitswesen und damit verbundene methodische Herausforderungen, Hospizarbeit und Palliative Care, Berufsentwicklung in der Pflege sowie ethischen Fragen zu o.g. Themen. Zuletzt war sie Senior Health Expert an der Gesundheit Österreich GmbH und Gastprofessorin am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Wien.

13:00 bis 14:30 Uhr, Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

Gregor Kasprian

Professur für Neuroradiologie

Vor mehr als 100 Jahren hat der österreichische Radiologe Arthur Schüller den Begriff „Neuro-Röntgenologie“ erstmals in Wien geprägt und damit eine damals neue medizinische Disziplin geschaffen – die Neuroradiologie. „Die moderne Neuroradiologie ist heute ein unglaublich facettenreiches Fach“ – stellt Gregor Kasprian fest. „Der rasante technische Fortschritt im Bereich der Bildgebung hat dazu geführt, dass diese Disziplin ganz neue Aufgabenbereiche erschließt, von denen immer mehr Patient:innen profitieren können“ – so Kasprian. Für Gregor Kasprian beschränkt sich die Disziplin nicht nur auf die Diagnostik und minimalinvasive Therapie von Veränderungen des Zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark), sondern kann ihre Expertise auch bei der nicht invasiven bildlichen Darstellung von Hirnfunktionen – beispielsweise in der präoperativen Hirntumordiagnostik oder der Epilepsiebildgebung - einbringen. Darüber hinaus wurden inzwischen ganz neue diagnostische und therapeutische Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit peripheren Nervenerkrankungen erschlossen.

Kasprians Vision ist getragen von interdisziplinärer Zusammenarbeit mit vielen lokalen und internationalen präklinischen und klinischen Institutionen und der dadurch ermöglichten Weiterentwicklung des Faches – vor allem in neuen Anwendungsbereichen. Einer dieser Pionierbereiche ist die Fetale- und Kinderneuroradiologie, die an der Medizinischen Universität Wien durch Kasprians Vorgängerin Professorin Daniela Prayer internationale Bekanntheit erlangt hat.

Die Forschungsgruppe um Gregor Kasprian hat neueste Technologien im Rahmen der fetalen Magnetresonanztomographie (MRT) zur besseren Diagnose und Vorhersage von Erkrankungen des zentralen Nervensystems – bereits vor der Geburt – erfolgreich eingesetzt. „Die außergewöhnliche Qualität der existierenden Bilddaten in Wien ermöglich uns heute Zusammenhänge zwischen vorgeburtlicher Hirnentwicklung und deren Konsequenzen – bis ins Erwachsenenalter zu erforschen“ – so Kasprian. Damit wird die Neuroradiologie der Zukunft nicht nur bei der Diagnosestellung eine wichtige Rolle spielen, sondern auch dazu beitragen jene vorgeburtlichen biologischen Prozesse besser zu verstehen, welche zum Entstehen psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen des Jugend- und Erwachsenenalters beitragen.

Das Ziel von Gregor Kasprian ist, einerseits das bestehende hochspezialisierte Leistungsspektrum der Abteilung für Neuro- und muskuloskelettale Radiologie zu erhalten und weiterzuentwickeln. Andererseits soll die Abteilung in existierende (C³NMH, CCC, CCP) und entstehende Zentren (Zentrum für muskuloskelettale Medizin) sowohl im Bereich der Patient:innenversorgung, aber auch im Bereich der prä- und postgraduellen Lehre verstärkt integriert werden.  In Zukunft sollen vermehrt neuartige minimalinvasive bildgebende Methoden – wie bildgebungsgesteuerte Therapien am peripheren Nerven oder der MR-geführte fokussierte Ultraschall zur Behandlung von Bewegungsstörungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit zum Einsatz kommen.

Zur Person
Gregor Kasprian schloss das Humanmedizin Studium an der Medizinischen Universität Wien mit einer Dissertationsarbeit ab, in der er erstmals Seitenunterschiede bei der vorgeburtlichen Entwicklung des Schläfenlappens bei menschlichen Gehirnen entdeckte. Nach begonnener neurologischer Facharztausbildung an der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Wien absolvierte er die radiologische Facharztausbildung, die er 2013 an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin abschließen konnte. Nach einem postgraduellen Forschungsaufenthalt in Houston im Jahr 2014 arbeitete und forschte er als Assoziierter Professor an der MedUni Wien. Trotz Berufungsangebot vom renommierten Baylor College of Medicine in Houston (Texas Childrens Hospital) 2019 entschied er sich, seine Karriere in Wien fortzusetzen. Gregor Kasprian ist (Co-)Autor von über 200 Originalarbeiten, mehreren Buchkapiteln und dient im Editorial Board des American Journal of Neuroradiology und European Radiology (Neuroradiology Section).

Johannes Gojo

Professur für Pädiatrische Neuro-Onkologie

Auf die Erforschung innovativer Therapien für aggressive Hirntumore bei Kindern legt Johannes Gojo auch den Fokus seiner Arbeit im Rahmen der Professur. „Dabei geht es mir insbesondere um translationale Ansätze und Möglichkeiten der Präzisionsmedizin“, sagt der neue Professor für Pädiatrische Neuro-Onkologie, der internationale Kooperationen auf höchstem Niveau betreibt.

Zudem wird Gojo in seiner neuen Funktion die Etablierung des Hirntumorzentrums für Kinder und Jugendliche („Pediatric Brain Tumor Center Vienna“) als interdisziplinäre Einrichtung der MedUni Wien (Universitätsklinik für Neurochirurgie, Abteilung für Neurochemie und Neuropathologie, Klinische Abteilung für Neuroradiologie und Muskuloskeletale Radiologie, Universitätsklinik für Radioonkologie, Zentrum für Krebsforschung) unter dem Dach des Comprehensive Center for Pediatrics und des Comprehensive Cancer Center von MedUniWien und AKH Wien vorantreiben. Dort sollen die jungen Patient:innen optimal betreut werden können und Studien zur Weiterentwicklung der therapeutischen Möglichkeiten durchgeführt werden. Dabei setzt Johannes Gojo auch auf die Erforschung neuer Biomarker („liquid biopsies“), um bessere Diagnoseverfahren für Kinder- und Jugendliche mit Krebs zu entwickeln.

Zur Person:
Der gebürtige Vorarlberger schloss sein Studium der Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien 2012 ab. 2018 folgte der Abschluss des Doktoratsstudiums „Clinical Neurosciences“ mit seiner Dissertation unter dem Titel „Molecular Biomarkers in Pediatric Ependymoma“ ab. Pädiatrische Neuro-Onkologie bildete vom Beginn seiner Karriere an den beruflichen Schwerpunkt von Johannes Gojo. Als Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde habilitierte er 2021 an der MedUni Wien zum Thema „Applying precision medicine to improve diagnoses and treatment of pediatric brain tumors“. Seiner Ausbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde folgte 2021 der Abschluss im Zusatzfach Pädiatrische Hämatologie und Onkologie. Forschungsaufenthalte führten den Träger zahlreicher Preise bisher nach Boston und Heidelberg, neben weiteren Positionen und Verantwortungsbereichen ist er seit 2021 Mitglied im Executive Board des Comprehensive Cancer Center von MedUni Wien und AKH Wien.

 

 


Freitag, 25. Oktober 2024

11:00 bis 12:30 Uhr, Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

Martin Andreas

Professur im Fachbereich Kardiovaskuläre Medizin

Martin Andreas beschäftigt sich in seiner Arbeit mit der Erforschung von neuen Operationsmethoden für minimal- und micro-invasive Herzchirurgie, sowohl im Rahmen von klinischen Studien als auch mit grundlagenorientierter Forschung im Rahmen des Christian Doppler Labors für Microinvasive Herzchirurgie. Weiters forscht er an regenerativen Herzklappen, wie z.B. der Ross OP und dezellularisierten Homografts. Ein besonderes Anliegen ist für ihn die klinische und wissenschaftliche Ausbildung und die internationale Vernetzung. Dadurch soll auch eine klinische Versorgung auf höchstem Niveau garantiert werden.

Martin Andreas studierte Medizin in Wien und absolvierte die Facharztausbildungen für Herzchirurgie und das Zusatzfach Gefäßchirurgie. Die Thesis seines PhD-Studiums in Gefäßbiologie hatte den Titel “Effect of Heme Oxygenase-1 Induction on Ischemia-Reperfusion-Injury in Skeletal Muscle“. Martin Andreas absolvierte ein MBA-Studium in Health Care Management. Er ist geschäftsführender Oberarzt an der Universitätsklinik für Herzchirurgie, seit 2017 Associate Professor, und leitet das Programm für Herzklappenchirurgie und den herzchirurgischen Hybrid OP. Er gründete die Forschungsgruppe „Applied Research in Cardiac Surgery“. Seit 2022 leitet er das Christian Doppler Labor für Microinvasive Herzchirurgie an der MedUni Wien.

 

Thomas Niederkrotenthaler

Professur im Fachbereich Public Health

Thomas Niederkrotenthaler und sein Team forschen im Bereich Suizidprävention und Public Mental Health, mit einem besonderen Fokus auf Mental Health Promotion. Das umfasst auch die Medienwirkungsforschung in traditionellen und sozialen Medien. „Für diesen Bereich sind wir weltweit führend, mit mehreren derzeit laufenden Leuchtturmprojekten“, erklärt Thomas Niederkrotenthaler, „die MedUni Wien bildet hier ein europäisches Kernzentrum für diesen Bereich, der durch die Professur weiter gestärkt wird.“

Weitere Forschungsfelder spannen sich von Interventionen zur Stärkung psychischer Resilienz über soziale Marginalisierung, Stigmatisierung und Stigmareduktion bei psychischen Erkrankungen bis zu  Deradikalisierung und Terrorprävention. Niederkrotenthaler ist federführend in der Entwicklung von nationalen und internationalen Guidelines im Bereich Public Mental Health.

Zur Person
Thomas Niederkrotenthaler studierte Medizin an der MedUni Wien, absolvierte einen Master of Medical Sciences (Schwerpunkt Mental Health Promotion und Suizidprävention) am Karolinska Institut in Schweden sowie ein PhD-Studium an der MedUni Wien. Er habilitierte sich mit der Arbeit „Public Health Perspectives on Suicide Risk Factors and Prevention Strategies” und absolvierte ein Postgraduate General Management Program an der Executive Academy der WU Wien.  Zwischen 2011 und 2012 arbeitete er am Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta (USA) als Epidemic Intelligence Service Officer im Bereich Gewalt-, Suizid- und Verletzungsprävention. Seit 2014 leitet er die Unit Suizidforschung & Mental Health Promotion am Zentrum für Public Health, seit 2020 ist er stellvertretender Leiter der Abteilung für Sozial- und Präventivmedizin. Er ist Vizepräsident der International Association for Suicide Prevention (IASP) und Gründungsvorsitzender der Wiener Werkstätte für Suizidforschung, dem interdisziplinären Netzwerk von Suizidforscher:innen in Österreich (www.suizidforschung.at).

 


Freitag, 8. November 2024

13:00 bis 14:30 Uhr, Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

© Stefan Diesner

Josef Penninger

Professur für Molekulare Genetik

Josef Penninger erforscht genetische Ursachen von Krankheiten. So hat er beispielsweise ein Protein identifiziert, das bei Osteoporose und Brustkrebs eine wesentliche Rolle spielt. Auf Grundlage seiner Forschungsergebnisse wurden neue Medikamente entwickelt.

„Personalisierte, also auf einzelne Patientinnen und Patienten abgestimmte Medizin wird in den Forschungsgruppen und an den Universitätskliniken der MedUni Wien bereits in vielen Disziplinen täglich gelebt“, erklärt Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien. „Wir freuen uns, dass wir mit Josef Penninger einen Pionier auf diesem Gebiet gewinnen konnten, der als weiterer Impulsgeber die Innovationskraft der MedUni Wien stärken wird.“

Josef Penninger studierte Medizin an der Universität Innsbruck und wechselte danach nach Toronto in Kanada, wo er es zum Professor und Leiter der Abteilungen für Immunologie und medizinische Biophysik der University of Toronto brachte. Bis 2018 war er wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (IMBA) in Wien und seit 2018 Direktor am Life Science Institute der University of British Columbia, Vancouver. Penninger hat zahlreiche Auszeichnungen und Preise erhalten und ist Mitglied in verschiedenen wissenschaftlichen Akademien.

Personalisierte Medizin als Megatrend der Zukunft
Personalisierte Medizin (auch: Präzisionsmedizin) basiert auf der Einzigartigkeit der DNA jedes Menschen und ermöglicht eine individuell zugeschnittene Therapie und Prävention, die auf die genetische Disposition und individuellen Merkmale der Patientin oder des Patienten abgestimmt sind. Moderne Diagnostik-Methoden wie Genom-Sequenzierung und molekulare Bildgebung ermöglichen eine zielgerichtete Behandlung und Identifizierung der Ursachen auf molekularer Ebene. Dadurch können Heilungschancen erhöht und Nebenwirkungen reduziert werden.

 

Florian Krammer

Professur für Infektionsmedizin

Florian Krammer ist Professor für Vakzinologie in der Abteilung für Mikrobiologie (Department of Microbiology) an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai. Sein Labor untersucht Antikörperreaktionen auf RNA-Viren. Das Hauptaugenmerk liegt auf Influenzaviren, das Interesse gilt aber auch Antikörperreaktionen auf Coronaviren, Hantaviren, Filoviren und anderen neu auftretenden RNA-Viren. In ihren Studien wollen die Forscher:innen die Mechanismen aufklären, durch die diese Antikörper den Wirt vor viraler Infektion und Krankheit schützen. Das Ziel ist die Umsetzung dieser Erkenntnisse in neuartige Impfstoffe und Therapeutika. Ein von Florian Krammer und seinem Team entwickelter universeller Influenza-Virusimpfstoff befindet sich in klinischer Entwicklung.

Florian Krammers Schwerpunkt in Wien wird es sein, virale Krankheitserreger zu charakterisieren und Impfstoffe und Therapien dagegen zu entwickeln. Der Fokus wird dabei auf Viren mit pandemischen Potenzial liegen, auch aus einem lokalen, österreichischen Blickwinkel. Weiters wird seine Forschung auch humane respiratorische Viren wie humane Influenzaviren und SARS-CoV-2 umfassen.

„Ich freue mich, Florian Krammer an der MedUni Wien willkommen zu heißen“, erklärt Rektor Markus Müller in einem Statement, „seine Expertise auf dem Gebiet der Infektionsmedizin wird einen bedeutenden Beitrag zur Forschung in diesem wichtigen Bereich leisten. Wir freuen uns darauf, von seinem Fachwissen und seiner Erfahrung zu profitieren und gemeinsam die medizinische Forschung weiter voranzutreiben."

Zur Person
Florian Krammer studierte Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien. In seiner Dissertation beschäftigte er sich mit Glykoproteinen und Influenzaviren. Seit 2010 forscht Krammer am Institut für Mikrobiologie der Icahn School of Medicine an universellen Grippeimpfstoffen und an Impfstoffen gegen Corona-, Lassa-, Hanta- und Ebolaviren. Seit 2019 ist er im Rahmen einer Stiftungsprofessur der Mount Sinai Professor in Vaccinology und Principal Investigator des Sinai-Emory Multi-Institutional Collaborative Influenza Vaccine Innovation Center (SEM-CIVIC). Ziel des CIVIC ist die Entwicklung verbesserter saisonaler und universeller Influenza-Virusimpfstoffe, die einen langanhaltenden Schutz gegen saisonale, zoonotische und zukünftige pandemische Influenzaviren bieten. Des Weiteren ist Krammer Ko-Direktor des Centers for Vaccine Research and Pandemic Preparedness (C-VaRPP).

Das Krammer-Labor – das auch Teil des von den NIH finanzierten Centers of Excellence for Influenza Research and Response (CEIRR) ist – konzentriert sich auf das Verständnis breit angelegter Immunreaktionen gegen die Oberflächenglykoproteine von RNA-Viren wie Influenza mit dem Ziel, bessere Impfstoffe und neue Therapeutika zu entwickeln.

Florian Krammer hat mehr als 400 Arbeiten veröffentlicht, ist Mitglied der Editorial Boards des Journal of Virology, Plos One, Plos Pathogens und Vaccine, ist gewähltes Mitglied der American Academy of Microbiology und der Henry Kunkel Society, sitzt im Board of Directors der European Scientific Working Group on Influenza und ist einer der Vorsitzenden der SAVE-Initiative, die für die US National Institutes of Health SARS-CoV-2-Varianten überwacht.


Freitag, 6. Dezember 2024

11:00 bis 12:30 Uhr, Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien

Johannes Schmid

Professur im Fachbereich Kardiovaskuläre Medizin

Johannes Schmid hat sich auf die Erforschung von Entzündungsprozessen spezialisiert und untersucht mit seinem Team, wie sich akute und chronische Inflammation auf die Entstehung und den Verlauf verschiedener Erkrankungen auswirken. Entzündungsprozesse spielen bei vielen Krebserkrankungen eine Rolle, sind aber auch bei thrombotischen und kardiovaskulären Krankheitsformen, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall, ursächlich beteiligt. Diese Prozesse studiert er mit seinem Team auf molekularer und zellulärer Ebene unter Verwendung moderner präklinischer Modelle und durch Untersuchungen gesunder und erkrankter Personen. Dabei interessiert ihn vor allem eine systematische, integrative Analyse des Übergangs vom gesunden Zustand, über verschiedene Vorerkrankungen zu einer klinisch-manifesten Erkrankung. Sein Ziel ist, molekulare und klinische Datensätze inklusive genetischer und epigenetischer Faktoren zu analysieren, um biologische Alterungsprozesse zu verstehen, die durch chronische Entzündungen beschleunigt werden.

Im Humanmedizin-Studium unterrichtet er Aspekte der Zellphysiologie sowie biologische Funktionssysteme und deren Regulation und vermittelt Kenntnisse des wissenschaftlichen Arbeitens, wo er auch Diplomarbeiten betreut, die sich mit den Zusammenhängen zwischen Lebensstil-Faktoren und klinischen Laborwerten befassen. Im internationalen Doktoratsstudium der MedUni Wien hält er Seminare über Methoden der biomedizinischen Forschung sowie den Einsatz von wissenschaftlicher Software und Datenbanken und beteiligt sich an den Basisseminaren zweier thematischer Bereiche (Vascular Biology und Molecular Signal Transduction). Hier möchte er vor allem auch die Ausbildung im Bereich der biomedizinischen Daten-Wissenschaften und der Systems Medicine voranbringen.  

Johannes Schmid studierte Lebensmittel- und Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien, wo er bereits während seiner Diplomarbeit Zellen von Patient:innen mit einer seltenen Erbkrankheit untersuchte. Seine Doktorarbeit absolvierte er an der medizinischen Fakultät der Universität Wien am jetzigen Institut für Pathophysiologie, wo er Transportvorgänge in Leberzellen erforschte. Nach einer zweijährigen Postdoktoranden-Zeit am Novartis Forschungsinstitut, Wien, im Bereich der Hautforschung, kehrte er an die medizinische Fakultät (heute Medizinische Universität Wien) zurück und begann am Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung Entzündungsprozesse zu untersuchen. Nach seiner Habilitation ging er für etwa ein Jahr im Rahmen eines Sabbaticals an die Yale University Medical School. Wieder zurück in Wien, gründete er gemeinsam mit vier anderen Wissenschafter:innen das Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung, dessen stellvertretender Direktor er für drei Jahre war. Nach einer zweiten Habilitation für Biochemie kehrte er an das Gefäßbiologie-Institut zurück, wo er einen Spezial-Forschungsbereich als Zusammenschluss von 8 bis 10 Arbeitsgruppen der klinischen und der Grundlagenforschung begründete und als Sprecher koordinierte.  

 

Alice Assinger

Professur im Fachbereich Kardiovaskuläre Medizin

Alice Assinger erforscht Wechselwirkung zwischen dem Immunsystem und der Hämostase. Sie untersucht dabei vor allem das Zusammenspiel zwischen Thrombozyten und der innaten Immunantwort, um deren Auswirkungen auf das Entzündungsgeschehen in Infektionen und kardiovaskulären Erkrankungen besser zu verstehen. Neben ihrer wichtigen Rolle in der Blutstillung sind Thrombozyten auch an der Abwehr von Bakterien und Viren beteiligt, indem sie essentielle Funktionen des Immunsystems verstärken und beschleunigen. Im Gegenzug sind innate Immunzellen nicht nur an der Immunabwehr beteiligt, sondern beeinflussen auch die Thrombozytenfunktion und die Gerinnung. Durch diese sogenannten immunothrombotische Prozesse kann eine unkontrollierte Aktivierung des Immunsystems damit auch zur Bildung von Thrombosen führen, die schwere Komplikationen zur Folge haben können, wie zum Beispiel bei COVID-19 oder bakterieller Sepsis. Die Aufklärung dieser Mechanismen und die Entwicklung neuer Strategien um diesen Prozessen entgegenzuwirken, sind zentrale Elemente in der wissenschaftlichen Forschungstätigkeit von Alice Assinger.

Neben der Regulation von immunothrombotischen Prozessen spielen Thrombozyten und innate Immunzellen auch eine essenzielle Rolle in der Funktion und Homöostase von verschiedenen Geweben und Organen, wie etwa der Leber. Ein weiterer zentraler Fokus von Alice Assinger liegt daher seit vielen Jahren auf der Erforschung von Leberregenerationsprozessen und der Untersuchung von zirkulierenden Markern, welche Hinweise auf ein dysreguliertes hämostatisches System oder spezifische Organdysfunktionen liefern. So konnte ihr Team bereits wichtige Bausteine identifizieren, die für das empfindliches Gleichgewicht zwischen erforderlicher Regeneration und überschießender Proliferation in der Leber verantwortlich sind, damit Regenerationsprozesse im adäquatem Ausmaß stattfinden können.
 
Zur Person
Alice Assinger studierte Ernährungswissenschaften und Genetik an der Universität Wien und schloss 2009 ihre Dissertation zum Thema „Thrombozyten und oxidativer Stress“ ab. Anschließend führte sie ihre postdoktorale Forschung ans renommierte Karolinska Institut in Stockholm. Nach ihrer Rückkehr nach Wien baute Sie ihre Arbeitsgruppe mit dem Forschungsschwerpunkt Thrombozyten-Immunsystem-Interaktionen am Institut für Gefäßbiologie und Thromboseforschung auf, wo sie ab 2016 als assoziierte Professorin tätig war.


Anmeldung zu den Antrittsvorlesungen

Wir ersuchen um Anmeldung bis jeweils 1 Woche vor den Antrittsvorlesungen.


Veranstaltungsort

Hörsaalzentrum der MedUni Wien

Universitätsklinikum AKH Wien
1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20, Ebene 7

  • Zugang für Gäste: Hörsaalstiege/-lift
    (Beschilderung ab AKH Haupteingang)
  • Zugang für MitarbeiterInnen im AKH Wien auf Ebene 7

Impressionen von Antrittsvorlesungen