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[in German:] Gregor Gryglewski ist Researcher of the Month Juni 2015

[in German:] (Wien, 01-06-2015) Die Jury „Researcher of the Month” verleiht die Auszeichnung für den Monat Juni 2015 an Gregor Gryglewski aus Anlass der im Top-Journal „Journal of Cerebral Blood Flow & Metabolism“ (IF 5.339) erschienenen Arbeit: „Meta-analysis of molecular imaging of the serotonin transporter in major depression.”. Diese Studie entstand an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinischen Universität Wien in Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen ExpertInnen.


Über 15 Prozent der Menschen erleiden im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine depressive Episode. Nach einer der wichtigsten Theorien liegen Veränderungen in den monoaminergen neuromodulatorischen Systemen der Depression zugrunde. Monamine, darunter die wichtigsten Vertreter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin, greifen in nahezu allen Hirnregionen in wichtige Funktionen, beispielsweise Antrieb, Aufmerksamkeit, Appetit, Schlaf, ein. Die Beschaffenheit der monoaminergen Systeme bei einem bestimmten Individuum, also die Konzentration und Verteilung der Rezeptoren, Transportermoleküle und Enzyme, wird durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst. Dabei spielen sowohl das Erbgut, als auch Umweltfaktoren, wie zum Beispiel Geschlechtshormone, eine wichtige Rolle. Seit der Einführung der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) sind Serotonintransporter der Angriffspunkt der Erstlinientherapie der Depression. Durch deren Blockade steigen die Serotoninkonzentrationen im synaptischen Spalt und im Extrazellularraum und es folgt eine Kaskade neurochemischer Prozesse, die meist zur Besserung der Symptome führen. Trotz dieser wichtigen Rolle war die Frage nach Veränderungen der Serotonintransporter bei der Depression bisher nicht eindeutig geklärt.

Die publizierte Meta-Analyse vereint Daten von insgesamt mehr als 360 depressiven PatientInnen und der gleichen Anzahl von KontrollprobandInnen, in deren Gehirn die Verteilung der Serotonintransporter mittels molekularer Bildgebung mit Positronenemissionstomographie (PET) oder Einzelphotonen-Emissionscomputertomographie (SPECT) gemessen wurde. So konnten signifikante Reduktionen der Serotonintransporter bei Depression gezeigt werden, die durch die kleine Größe der Einzelstudien bisher verschleiert wurden. Diese Veränderungen waren am stärksten in der Amygdala (Mandelkern), die eine Schlüsselrolle bei der Verarbeitung von Emotionen spielt, und im Mittelhirn, in dem sich die Zellkörper der serotonergen Neurone befinden, deren Fortsätze ins gesamte Gehirn projizieren. Dieses Ergebnis ist somit gut mit Befunden aus der funktionellen Bildgebung vereinbar und könnte Eingang in Erklärungsmodelle finden, die Neurochemie und Hirnfunktion verbinden. Für diesen Beitrag zum Verständnis der neurochemischen Veränderungen bei der Depression wurde die Arbeit mit dem ÖGPB-Preis für Klinische Psychiatrie 2014 (Österreichische Gesellschaft für Neuropsychopharmakologie und Biologische Psychiatrie, oegpb.at) ausgezeichnet.




Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit Paul Cumming, einem internationalen PET Experten. Darüber hinaus bestehen auch publikatorisch erfolgreiche internationale Kooperationen der Forschungsgruppe mit renommierten Zentren im Bereich der Neurowissenschaften, wie dem National Institute on Drug Abuse, NIH, USA (N Volkow), New York University School of Medicine, USA (A Neumeister, YS Ding), Institute for Neuroscience, Niederlande (DF Swaab), Columbia University, USA (R Parsey), Rigshospitalet and University of Copenhagen, Dänemark (GM Knudsen).


Zur Person
Gregor Gryglewski, geboren 1992 in Wien, studiert Humanmedizin an der Medizinischen Universität Wien, bisher mit ausgezeichnetem Erfolg. Seine Diplomarbeit verfasste er 2013 zum Vergleich molekularer Bildgebung in vivo und post mortem an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der MedUni Wien. Seither geht er im Rahmen des Exzellenzprogramms MDPhD Clinical Neurosciences (CLINS) zeitgleich seiner Dissertation (Supervisor: Rupert Lanzenberger) und dem Medizinstudium nach, das er im Juli 2015 abschließen wird. Die Forschungsgruppe befasst sich mit der Erhebung und Analyse multimodaler Bildgebungsdaten des Gehirns (PET, PET/MR, struktureller und funktioneller MRT) von psychiatrisch oder neurologisch erkrankten Patienten und gesunden Probanden.
Gregor Gryglewski versucht im Rahmen seiner Dissertation Modelle der Beeinflussung der Hirnaktivität durch Psychopharmaka zu entwickeln, mit dem Ziel anhand der Kombination molekularer und funktioneller Bilddaten das Therapieansprechen von psychiatrischen Patienten vorhersagen zu können, ein wesentlicher Entwicklungsbereich für Biomarker in der Psychiatrie.


» Researcher of the Month

» Functional, Molecular and Translational Neurimaging Lab der MedUni Wien