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[in German:] „Quote ist nicht alles – aber notwendig!“

[in German:] (Wien, 09-03-2011) Anlässlich einer Veranstaltung der Medizinischen Universität Wien zum 100. Frauentag am 8. März signali-sierte Wissen-schaftsministerin Beatrix Karl, Frauenförderung in den Begleit-gesprächen zur Leistungsverein-barung zu thematisieren. Karin Gutiérrez-Lobos nahm männlich geprägte Definitionen für Leistung und Exzellenz ins Visier.

Gemeinsam mit Gastgeberin Karin Gutiérrez-Lobos, Vizerektorin für Personalentwicklung und Frauenförderung an der MedUni Wien, diskutierten Bundesministerin Beatrix Karl, der Vorsitzende der Österreichischen Universitätenkonferenz Hans Sünkel, Peter Husslein, Leiter der Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Autorin Elfriede Hammerl und Männer- und Geschlechterforscher Erich Lehner.

Ab Beginn der akademischen Laufbahn splitten sich die Karriereverläufe zwischen Frauen und Männern auf. Mit jeder Stufe auf der wissenschaftlichen Karriereleiter nimmt die Präsenz von Frauen an den österreichischen Universitäten weiter ab. Auch die jüngsten Berufungen von zwei Rektorinnen lässt keine Euphorie in der Debatte um Gleichstellung von Frauen an Universitäten aufkommen.

Bei der Besetzung von universitären Gremien (derzeit ca. 40% Unirätinnen, 30% Senatorinnen) erkennt Ministerin Karl Fortschritte, meint aber, dass Führungspositionen wichtiger sind und fordert ein neues Qualitätsbewusstsein bei Berufungsverfahren. Der Prozess zur Besetzung von Lehrstühlen ist auch für Karin Gutiérrez-Lobos ein zentrales Thema: „Die heutige Definition von Leistung und Exzellenz ist aus einer Kultur von Männerbünden hervorgegangen. Die Kriterien in Berufungsverfahren müssen transparenter werden. Frauen scheitern nicht an ihrer Qualifikation.“

Offensichtliche Hindernisse sind auch strukturelle Rahmenbedingungen. Gutiérrez weist darauf hin, dass adäquate Arbeitszeitmodelle ebenso wie ausreichende Kinderbetreuungsmodelle und Wiedereinstiegsszenarien, die an den Erfordernissen von Klinik und Wissenschaft angepasst sind, fehlen: „Hier ist die Politik aufgerufen, endlich dafür Sorge zu tragen, dass frühzeitig für alle Kinder Betreuungsplätze - und in unserem Fall auch rund um die Uhr - gesichert sind.“ Frankreich hat mit entsprechenden Angeboten die höchste Rate an Wissenschafterinnen mit Kindern. „Frauen unterstützen heißt aber auch, Männern die Einbindung in die Familienarbeit zu ermöglichen“, verweist Gutiérrez auf eine Initiative zur Väterkarenz.

Während an den Universitäten punktuell Karriere- und Förderprogramme für Frauen entwickelt und implementiert werden, steigt der Druck für strukturelle Maßnahmen. Gutiérrez: „Wir haben es lange genug so probiert – wir brauchen auch die Quote.“

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Frauen an der Medizinischen Universität Wien
An der MedUni Wien studieren derzeit 3410 Frauen und 3453 Männer. Der Anteil der Professorinnen liegt bei 17%. In Rektorat und Unirat ist mit Karin Gutierrez (Vizerektorin für Personalentwicklung und Frauenförderung) und der wiiw-Geschäftsführerin Elisabeth Hagen derzeit jeweils eine Frau vertreten, der Frauenanteil im Senat beträgt 57%.

Für die Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen zur Frauenförderung hat die MedUni Wien eine Stabstelle für Gender Mainstreaming eingerichtet, an der auch Geschlechterforschung betrieben wird. Das Mentoring-Programm „Frauen netz.werk Medizin“ oder ein eigenes Curriculum für weibliche early-stage Researcher („Schrittweise“) sind zwei Beispiele für strukturelle Bedingungen, durch welche mehr Frauen Kompetenz und Kreativität in die Leistungen der Medizinischen Universität Wien einbringen können.
 
» Frauen netz.werk Medizin
» schrittweise - Curriculum für Nachwuchswissenschafterinnen