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Demenzprävention: Studie zu Vitamin B1 bei Alkoholabhängigkeit in neue WHO-Guidelines aufgenommen

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(c) 2023 Lightspring/Shutterstock

(Wien, 06-08-2026) Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zur Wirkung von Vitamin B1 (Thiamin) auf die Gedächtnisleistung von Menschen mit Alkoholabhängigkeit wurde in die aktuellen Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Prävention von kognitivem Abbau und Demenz aufgenommen. Die kürzlich veröffentlichten Guidelines beziehen die Ergebnisse der MedUni-Wien-Untersuchung in ihre Empfehlungen zur Versorgung von Menschen mit Alkoholabhängigkeit ein.

Übermäßiger Alkoholkonsum gilt als wichtiger beinflussbarer Risikofaktor für kognitive Beeinträchtigungen. Wie das Forschungsteam um Stephan Listabarth und Daniel König-Castillo von der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in ihrer 2023 publizierten Studie zeigen konnten, hängt ein Teil davon mit einem Mangel an Vitamin B1 (Thiamin) zusammen. Durch gezielte Thiamin-Gaben kann die kognitive Verschlechterung jedoch zumindest teilweise vermieden oder verbessert werden.

Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, hatten die Forscher:innen 50 Patient:innen während eines stationären Alkoholentzugs untersucht. Alle erhielten Thiamin: entweder zunächst intravenös und danach als Tablette oder ausschließlich oral. Die Forschenden bestimmten wiederholt die Konzentration der biologisch aktiven Thiaminform Thiaminpyrophosphat im Blut und prüften die kognitive Leistungsfähigkeit. Als besonders relevant erwies sich dabei der Zusammenhang mit dem verzögerten Erinnerungsvermögen: Je stärker der Thiaminspiegel zunahm, desto deutlicher verbesserte sich in einer explorativen Analyse diese Gedächtnisleistung. Dieser beobachtete Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem Alkoholkonsum, depressive Symptome und die anfängliche Gedächtnisleistung statistisch berücksichtigt worden waren.

Die Studie eröffnet eine klinisch wichtige Perspektive: Alkoholbedingte kognitive Verschlechterungen müssen möglicherweise nicht in jedem Fall unvermeidlich oder vollständig dauerhaft sein. Wenn ein Thiaminmangel zu den Beschwerden beiträgt, könnte eine rechtzeitige Supplementation helfen, Defizite zu verhindern oder bestimmte Gedächtnisfunktionen teilweise wieder zu verbessern. Die neue WHO-Leitlinie nennt die MedUni-Wien-Studie ausdrücklich als Evidenz dafür, dass Thiaminsupplementation bei Menschen mit Alkoholabhängigkeit die kognitive Funktion verbessern könnte. In den Umsetzungshinweisen wird ausdrücklich empfohlen, Ernährungsunterstützung – etwa durch Thiamin – in Behandlungsprotokolle aufzunehmen, um die Kognition zu fördern. 
Die Botschaft für die klinische Praxis ist damit klar: Bei Menschen mit riskantem Alkoholkonsum oder Alkoholabhängigkeit sollte nicht erst auf schwere neurologische Zeichen gewartet werden. Eine frühe medizinische Abklärung, die Behandlung der Alkoholabhängigkeit und eine fachgerecht eingesetzte Thiaminsupplementation können gemeinsam dazu beitragen, vermeidbare Hirnschäden zu verhindern und kognitive Leistungsfähigkeit zu unterstützen. Eine eigenständige Hochdosis-Einnahme ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnostik und Behandlung.

Die WHO-Guidelines „Risk reduction of cognitive decline and dementia“ fassen den aktuellen Stand der Forschung zu Maßnahmen zusammen, die dazu beitragen können, die kognitive Gesundheit zu erhalten und das Risiko für kognitiven Abbau und Demenz zu reduzieren. Die evidenzbasierten Empfehlungen richten sich an Gesundheitssysteme, Entscheidungsträger und medizinisches Fachpersonal weltweit und haben aufgrund der internationalen Bedeutung der WHO einen hohen Stellenwert für die klinische Praxis. „Die Aufnahme unserer Studie in diese Leitlinien zeigt den internationalen Impact der an der MedUni Wien durchgeführten Forschung“, betont Erstautor Stephan Listabarth.

Publikation: Alcohol and Alcoholism
Can thiamine substitution restore cognitive function in alcohol use disorder? 
Stephan Listabarth, Benjamin Vyssoki, Rodrig Marculescu, Andreas Gleiss, Magdalena Groemer, Armin Trojer, Christine Harrer, Sabine Weber, Daniel König
https://doi.org/10.1093/alcalc/agad017

WHO-Guidelines: „Risk reduction of cognitive decline and dementia“