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Akuter Herzinfarkt: Rascher Diagnosealgorithmus genauso sicher wie längerer Untersuchungspfad

Zwei internationale Studien unter Beteiligung der MedUni Wien zeigen: Eine Wiederholung der Blutuntersuchung bereits nach einer Stunde ermöglicht eine ebenso sichere Abklärung wie das bisher etablierte Drei-Stunden-Verfahren
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(Wien, 03-11-2026) Bei akuten Brustschmerzen möglichst rasch und sicher zwischen lebensbedrohlichen Diagnosen wie einem Herzinfarkt und weniger gefährlichen Ursachen unterscheiden zu können, ist eine der Hauptaufgaben der Notfallmedizin. Dafür sind in der Regel mehrere Blutabnahmen notwendig. In einer großen, randomisiert-kontrollierten Studie an mehr als 67.000 Patient aus 19 Krankenhäusern in zehn Ländern konnte ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien nun zeigen, dass ein Diagnosepfad, bei dem die Blutabnahme bereits nach einer Stunde wiederholt wird, genauso sicher ist wie jener, bei dem erst nach drei Stunden die Folgeuntersuchung stattfindet. In einer anschließenden Metaanalyse individueller Patient von mehr als 110.000 Personen konnten die Ergebnisse bestätigt werden. Außerdem wurden Faktoren untersucht, die zusätzlich zum Diagnosealgorithmus selbst die Zeit bis zur Entlassung aus der Notfallabteilung beeinflussen. Beide Studien wurden im internationalen Fachjournal The Lancet publiziert.

Herausforderung Brustschmerz: Oft harmlos, aber manchmal lebensbedrohlich
Der akute Brustschmerz gehört zu den häufigsten Ursachen für das Aufsuchen einer Notfallabteilung. Während bei einem Großteil der Patient:innen weniger bedrohliche Ursachen, wie beispielsweise Probleme des Bewegungsapparats, festgestellt werden, liegt in rund fünf Prozent der Fälle eine akut gefährliche Diagnose, am häufigsten ein Herzinfarkt, zugrunde. Möglichst schnell und sicher zwischen diesen Gruppen unterscheiden zu können, um rasch entweder eine Therapie einzuleiten oder die Entlassung aus dem Krankenhaus zu ermöglichen, stellt eine relevante Herausforderung dar. Neben klinischer Expertise und einem vertrauensvollen Gespräch zwischen Ärzt und Patient:innen kommt hier der Untersuchung von Biomarkern, vor allem hochsensitiven Troponinen, eine entscheidende Rolle zu. In der Regel ist es notwendig, diese Untersuchungen mehrmals durchzuführen, um anhand des Verlaufs der Marker Rückschlüsse auf mögliche Schädigungen des Herzmuskels ziehen zu können.

Internationale Studie und Metaanalyse bestätigen Sicherheit
In der PRESC1SE-MI-Studie, einer der größten randomisierten Studien der kardiovaskulären Medizin, wurde unter realen Bedingungen untersucht, wie sicher ein 0/1-Stunden-Verfahren im Vergleich zum bisher etablierten 0/3-Stunden-Verfahren ist. Dabei wird die Konzentration bestimmter Herzmarker im Blut entweder nach einer oder nach drei Stunden erneut gemessen. Für den kombinierten Endpunkt aus Tod oder erneutem Herzinfarkt innerhalb von 30 Tagen zeigte sich, dass der 0/1-Stunden-Algorithmus ein zumindest gleichwertiges Sicherheitsprofil wie der 0/3-Stunden-Algorithmus aufweist.

Allerdings führte der deutlich schnellere diagnostische Ablauf nicht automatisch auch zu schnelleren Entlassungen aus der Notfallabteilung. In einer Metaanalyse individueller Daten von mehr als 110.000 Patient:innen aus 46 Krankenhäusern konnten die Ergebnisse zur Sicherheit des verkürzten Diagnoseverfahrens bestätigt werden. Dabei zeigte sich auch, dass vor allem organisatorische Unterschiede zwischen den verschiedenen Zentren einen erheblichen Einfluss auf die Zeit bis zur Entlassung haben. Die Ergebnisse verdeutlichen damit, dass neben der medizinischen Diagnostik auch die Abläufe in den Notfallabteilungen entscheidend für eine rasche Versorgung sind.

Klinische Diagnosepfade: Entscheidend für schnelle und sichere Entscheidungen
Die beiden Arbeiten sind die jüngsten Ergebnisse der laufenden Forschungsarbeit an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien, die darauf abzielt, Patient:innen und Behandler bei der schnellen und sicheren Diagnose potenziell lebensbedrohlicher Situationen zu unterstützen.

„Im Interesse der Patient:innen, Behandler und auch des Gesundheitssystems als Ganzes benötigen wir evidenzbasierte Diagnosepfade, die sowohl rasch als auch sicher sind“, sagt Dominik Roth, nationaler Studienleiter der beiden Arbeiten und Leiter des Forschungsbereichs Clinical Pathways & Health Services Research an der Universitätsklinik für Notfallmedizin der MedUni Wien. „Im Rahmen nun laufender Projekte arbeiten wir daran, diese Pfade noch besser zu personalisieren, um eine wirklich individuelle Entscheidungsfindung gemeinsam mit den Patient:innen zu ermöglichen“, so Roth.


Publikationen: The Lancet


Safety and efficacy of the 0/1-hour pathway for myocardial infarction in the emergency department: an international pragmatic stepped-wedge, cluster-randomised, controlled trial.
Boeddinghaus J. et al., for the PRESC1SE-MI investigators.
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)01654-5


Performance of 0/1-hour versus 0/3-hour pathways in patients with suspected myocardial infarction. A systematic review and individual participant data meta-analysis of 5 randomised controlled trials.
Boeddinghaus J. et al., for the Global 0/1-hour Consortium.
https://doi.org/10.1016/S0140-6736(26)01767-8