(Wien, 07-10-2026) Für seine Forschungsarbeit zur zellulären Kommunikation bei der Peritonealdialyse wurde Juan Manuel Sacnun, ehemaliger PhD-Student der Abteilung für pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien und heute Postdoktorand an der Universitätsklinik für Innere Medizin III, mit dem „Best Proteomics Publication of the Year“-Award der Austrian Proteomics and Metabolomics Association (APMA) ausgezeichnet. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Austrian Proteomic and Metabolomic Research Symposium (APMRS) an der Universität Graz statt. Die ausgezeichnete Arbeit ist zugleich Cover Story dieser Ausgabe des Fachjournals Science Signaling.
Ausgezeichnet wurde die 2026 in Science Signaling erschienene Publikation „Deep secretome analysis reveals the effects of LiCl on fibroangiogenic remodeling in coculture and mouse models of peritoneal dialysis“. Die Arbeit entstand im Rahmen von Sacnuns PhD-Forschung an der MedUni Wien und wurde gemeinsam mit einem interdisziplinären Forschungsteam durchgeführt.
Im Zentrum der Studie steht die Frage, wie die bei der Nierenersatztherapie mit Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) eingesetzten Dialyselösungen die Kommunikation zwischen verschiedenen Zelltypen des Bauchfells beeinflussen. Dafür entwickelten die Wissenschafter:innen ein Deep-Secretome-Profiling-Verfahren, mit dem die Wechselwirkungen zwischen humanen mesothelialen Zellen und primären lymphatischen Endothelzellen untersucht werden konnten.
Durch die Analyse von mehr als 1.900 Proteinen im Secretome konnten Signalwege identifiziert werden, die in herkömmlichen Zellkulturmodellen nicht sichtbar waren. Die Forschenden integrierten diese Daten anschließend mit Proteomdaten aus Dialysat und Plasma von Patient:innen mit Peritonealdialyse. Dadurch konnten zelltypspezifische Signalnetzwerke charakterisiert und mit klinischen Parametern wie Ultrafiltrationsleistung, Transportkinetik und Entzündungsprozessen in Zusammenhang gebracht werden.
In weiteren Experimenten zeigte sich, dass die Zugabe von Lithiumchlorid (LiCl) bestimmte durch die Dialyselösung ausgelöste fibroangiogene Signalprozesse teilweise abschwächen kann. Die Ergebnisse liefern neue Einblicke in die molekularen Mechanismen, die zu Fibrose und Gefäßveränderungen des Peritoneums bei langfristiger Peritonealdialyse beitragen, und schaffen eine Grundlage für die Entwicklung neuer therapeutischer Ansätze. Die Publikation wurde auch als Cover Story von Science Signaling ausgewählt.
Forschung im Christian Doppler Labor für Peritonealdialyse
Die Arbeiten entstanden wesentlich im Rahmen von Sacnuns Forschung im internationalen EU-Projekt IMPROVE-PD und im Christian Doppler Labor für Molecular Stress Research in Peritoneal Dialysis (CDL-MSRPD) unter der Leitung von Klaus Kratochwill. Das Labor beschäftigte sich mit den molekularen Mechanismen von Komplikationen der Peritonealdialyse und setzte dabei unter anderem moderne Proteomics-, Metabolomics- und weitere Omics-Methoden ein.
Thematisch daran anknüpfend untersucht das seit 2026 bestehende Christian Doppler Labor für Metaflammation in der Peritonealdialyse (CDL-PRIME-PD) unter der Leitung von Rebecca Herzog, Co-Letztautorin der ausgezeichneten Publikation, neue Fragestellungen zu den lokalen und systemischen Folgen der Peritonealdialyse. Im Mittelpunkt stehen chronische Entzündungsprozesse und die sogenannte Metaflammation.
Von der Peritonealdialyse zur Rheumatologie
Juan Manuel Sacnun absolvierte sein Biotechnologiestudium an der Universität Rosario in Argentinien. Seine PhD-Ausbildung an der MedUni Wien im Dissertationsprogramm POET (Programm für Organersatz und Transplantation) absolvierte er im Rahmen des internationalen Marie-Skłodowska-Curie-Projekts IMPROVE-PD an der Abteilung für pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde sowie im Christian Doppler Labor unter der Betreuung von Klaus Kratochwill und Rebecca Herzog.
Inzwischen setzt Sacnun seine wissenschaftliche Arbeit an der Universitätsklinik für Innere Medizin III, Klinische Abteilung für Rheumatologie, fort. Als Postdoktorand ist er Teil der Forschungsgruppe von Michael Bonelli. Seine aktuelle Forschung beschäftigt sich mit der Zell-Zell-Kommunikation zwischen Immunzellen und gewebsständigen Zellen bei Autoimmunerkrankungen. Dabei setzt Sacnun auf systembiologische Multi-Omics-Ansätze, insbesondere Proteomics, um Signalnetzwerke zwischen unterschiedlichen Zellpopulationen zu charakterisieren und Mechanismen der Zellkommunikation zu entschlüsseln.
Publikation: Science Signaling
Sacnun JM, et al. Deep secretome analysis reveals the effects of LiCl on fibroangiogenic remodeling in coculture and mouse models of peritoneal dialysis. Science Signaling. 2026;19(935). DOI: 10.1126/scisignal.ady2586.