(Wien, 19-10-2026) Gelenkschäden sind eine wesentliche Folge der rheumatoiden Arthritis (RA) und können zu irreversiblen Einschränkungen der körperlichen Funktion führen. Während konventionelle Röntgenaufnahmen weiterhin die etablierte Routine zur Beurteilung struktureller Gelenkschäden darstellen, hat ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Peter Mandl von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien ein neues Ultraschall-basiertes Scoring-System entwickelt, das mehrere zentrale Aspekte der Gelenkschädigung in einem gemeinsamen Messwert erfasst. Das „Global OMERACT Ultrasound Joint Damage Scoring System“ (GLODS) kombiniert die Beurteilung von Knochenerosionen, Knorpelschäden und Gelenkfehlstellungen und zeigte in der in den „Annals of the Rheumatic Diseases“ veröffentlichten Studie eine gute bis ausgezeichnete Zuverlässigkeit.
Die Studie wurde im Rahmen der OMERACT Ultrasound Working Group durchgeführt und vereinte 25 Ultraschall-Expert:innen aus 13 Ländern. In einem mehrstufigen Verfahren aus internationaler Expertenkonsensfindung, webbasierten Übungen und Untersuchungen von Patient:innen mit Rheumatoider Arthritis entwickelten die Forschenden standardisierte Definitionen und Bewertungssysteme für strukturelle Gelenkschäden und untersuchten, wie zuverlässig diese von unterschiedlichen Untersucher:innen angewendet werden können.
Über die Entzündung hinausblicken
Ultraschall hat sich zu einem wichtigen Instrument zur Erkennung und Verlaufskontrolle von Entzündungen bei rheumatoider Arthritis entwickelt. Sein Potenzial zur Beurteilung struktureller Schäden, die sich im Verlauf der Erkrankung entwickeln, ist hingegen bislang weniger standardisiert. Im Gegensatz zum konventionellen Röntgen ermöglicht Ultraschall eine hochauflösende Darstellung der Gelenkstrukturen aus unterschiedlichen Ebenen ohne ionisierende Strahlung und kann auch in kurzen Zeitabständen wiederholt eingesetzt werden.
„Strukturelle Schäden bei rheumatoider Arthritis beschränken sich nicht auf ein einzelnes Merkmal. Knochenerosionen, Knorpelschäden und Veränderungen der Gelenkstellung bilden unterschiedliche Aspekte der durch die Erkrankung verursachten Schäden ab“, erklärt Peter Mandl, Erst- und korrespondierender Autor der Studie. „Unser Ziel war es daher, diese Komponenten in einem standardisierten Ultraschall-Score zusammenzuführen, der zuverlässig angewendet werden kann.“
Drei Komponenten in einem Score vereint
GLODS erfasst drei Komponenten struktureller Gelenkschäden: Knochenerosionen auf einer Skala von 0 bis 3, Knorpelveränderungen von 0 bis 2 und Gelenkfehlstellungen von 0 bis 2. Durch Addition der drei Komponenten ergibt sich für jedes Gelenk ein Gesamtscore zwischen 0 und 7. Die Definitionen und Bewertungssysteme wurden zunächst im Rahmen eines internationalen Delphi-Konsensverfahrens festgelegt und anschließend sowohl in webbasierten Übungen als auch direkt an Patient:innen getestet.
Die einzelnen Komponenten zeigten eine gute bis ausgezeichnete Zuverlässigkeit. In der Untersuchung an Patient:innen erreichte der kombinierte GLODS eine ausgezeichnete Intraobserver-Reliabilität – einzelne Untersucher:innen erzielten bei wiederholter Beurteilung also sehr konsistente Ergebnisse – sowie eine gute Interobserver-Reliabilität zwischen verschiedenen Untersucher:innen. Darüber hinaus korrelierten die Ultraschallbefunde signifikant mit entsprechenden Messungen struktureller Schäden im konventionellen Röntgen.
„Diese Ergebnisse schaffen eine wichtige methodische Grundlage dafür, strukturelle Gelenkschäden mittels Ultraschall standardisiert zu erfassen“, so Mandl. „Der nächste Schritt besteht darin zu untersuchen, wie gut GLODS Veränderungen der Gelenkschäden im Zeitverlauf abbildet, und den Score in unabhängigen Patientenkohorten und klinischen Studien weiter zu validieren.“
Auf dem Weg zu einer sensitiveren Erfassung struktureller Gelenkschäden
Der neue Score könnte etablierte bildgebende Verfahren in der Rheumaforschung künftig ergänzen, insbesondere wenn strukturelle Gelenkschäden wiederholt beurteilt werden sollen. Die Autor:innen betonen jedoch, dass sich die aktuelle Studie in erster Linie auf die Standardisierung und Zuverlässigkeit des neuen Instruments konzentrierte. Weitere Studien müssen dessen Sensitivität für Veränderungen, longitudinale Validität sowie Anwendbarkeit auf unterschiedliche Gelenke und Patientengruppen untersuchen, bevor ein breiterer klinischer Einsatz beurteilt werden kann.
Publikation: Annals of the Rheumatic Diseases
A global OMERACT ultrasound joint damage scoring system (GLODS) in rheumatoid arthritis.
Peter Mandl, Irina Gessl, Lyubomyra Kun, Georgios Filippou, Marion Kortekaas, Carlos Pineda, Lene Terslev, Ingrid Møller, Marina Backhaus, David Bong, Edoardo Cipolletta, Paz Collado, Christian Dejaco, Andrea Delle Sedie, Christina Duftner, Hilde Berner Hammer, Annamaria Iagnocco, Zunaid Karim, Helen Keen, Esperanza Naredo, Greta Pellegrino, Wolfgang A. Schmidt, Silvia Sirotti, Marcin Szkudlarek, Giorgio Tamborrini, Priscilla Wong, Emilio Filippucci, Peter V Balint, Maria Antonietta D’Agostino, im Namen der OMERACT Ultrasound Working Group.
https://doi.org/10.1016/j.ard.2026.07.004