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„Provozierte“ Thrombosen: Rückfallrisiko höher als bisher angenommen

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(c) 2025 Anusorn Nakdee/Shutterstock

(Wien, 18-08-2026) Neue Studienergebnisse eines Forschungsteams der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien stellen die bisherige Einschätzung sogenannter „provozierter“ venöser Thromboembolien infrage. Die kürzlich im Fachmagazin „Blood“ publizierte prospektive Untersuchung zeigt, dass das Risiko einer erneuten Thrombose oder Lungenembolie nach Beendigung der gerinnungshemmenden Therapie bei bestimmten Patient:innen wesentlich höher sein kann als bislang angenommen. 

Venöse Thromboembolien (VTE), zu denen tiefe Venenthrombosen und Lungenembolien zählen, werden häufig durch vorübergehende Risikofaktoren wie Operationen, akute Erkrankungen mit Immobilisierung oder die Einnahme hormoneller Kontrazeptiva ausgelöst. Nach Wegfall eines solchen Faktors wird traditionell von einem vergleichsweise niedrigen Rückfallrisiko ausgegangen. Daher wird die Antikoagulation bei diesen Patient:innen in der Regel zeitlich begrenzt. Allerdings unterscheiden sich die verschiedenen vorübergehenden Risikofaktoren erheblich in ihrer Stärke – und möglicherweise auch im langfristigen Risiko für eine erneute VTE.

Ein Forschungsteam der Klinischen Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien untersuchte diese Frage im Rahmen der „Austrian Study on Recurrent Venous Thromboembolism“. Als Studienleiter:innen fungierten Sabine Eichinger und Paul A. Kyrle, vom Institut für Klinische Biometrie der MedUni Wien wirkten Alexandra Kaider und Georg Heinze an der Forschungsarbeit mit. In die prospektive Studie wurden Patient:innen mit einer VTE aufgenommen, die durch einen vorübergehenden Risikofaktor ausgelöst worden war. Die Risikofaktoren wurden entsprechend den Kriterien der International Society on Thrombosis and Haemostasis (ISTH) in starke („major“) und weniger starke („minor“) vorübergehende Risikofaktoren eingeteilt. Nach Beendigung der Antikoagulation wurden die Patient:innen über bis zu zwei Jahre hinsichtlich erneuter Thrombosen und Lungenembolien beobachtet.

Die Ergebnisse waren überraschend: Insgesamt erlitten 20 der 242 untersuchten Patient:innen eine erneute VTE. Besonders hoch war das Risiko bei Patient:innen, deren erste VTE mit einem starken vorübergehenden Risikofaktor verbunden war. In dieser Gruppe betrug das kumulative Rückfallrisiko 11,5 Prozent nach einem Jahr und 19,7 Prozent nach zwei Jahren. Die Mehrzahl der erneuten Ereignisse in dieser Gruppe trat bei Patient:innen auf, deren ursprüngliche VTE im Zusammenhang mit einer größeren Operation entstanden war.

Deutlich niedriger war das Risiko bei weniger starken vorübergehenden Risikofaktoren: Hier lag die Rate erneuter VTE bei 1,9 Prozent nach einem und 5,0 Prozent nach zwei Jahren. Besonders günstig war die Prognose bei Frauen, deren VTE ausschließlich im Zusammenhang mit kombinierten hormonellen Kontrazeptiva aufgetreten war. Bei 81 Frauen dieser Gruppe wurde während der Nachbeobachtung keine einzige erneute VTE beobachtet.

Damit zeichnet die Studie ein differenzierteres Bild der bislang häufig gemeinsam betrachteten „provozierten“ VTE. Die Ergebnisse sprechen für drei unterschiedliche Risikoprofile: ein hohes Rückfallrisiko nach starken vorübergehenden Auslösern, insbesondere größeren Operationen, ein intermediäres Risiko bei anderen vorübergehenden Faktoren und ein sehr niedriges Risiko bei ausschließlich durch hormonelle Kontrazeption ausgelösten Ereignissen.

Die Ergebnisse könnten unmittelbare Bedeutung für die klinische Entscheidungsfindung haben. „Sie sprechen dafür, Patient:innen mit provozierter VTE nicht als einheitliche Niedrigrisikogruppe zu betrachten. Bei der Entscheidung über die Dauer der Antikoagulation sollten vielmehr Art und Stärke des auslösenden Risikofaktors berücksichtigt und das individuelle Rückfallrisiko sorgfältiger bewertet werden“, so Sabine Eichinger.

Publikation: Blood
Risk of recurrence in patients with provoked venous thromboembolism: a prospective cohort study.
Eichinger S, Eischer L, Kaider A, Heinze G, Quehenberger P, Kyrle PA. 
doi: 10.1182/blood.2026034774. Epub ahead of print. PMID: 42574295.).