(Wien, 18-06-2026) Zelltherapien, wie die Gabe von sogenannten regulatorischen T-Zellen, gelten als Zukunftshoffnung in der Transplantationsmedizin, da sie die Immunantwort der Patient:innen gegen das transplantierte Organ hemmen können. Bisherige Studien mit regulatorischen T-Zellen haben jedoch nur eine mäßige Wirksamkeit gezeigt. Ein Forschungsteam der MedUni Wien hat nun erstmals die Gabe von regulatorischen T-Zellen mit einer zweiten Zelltherapie kombiniert und zusätzlich Knochenmarkzellen des Nierenspenders verabreicht. Die aktuell im Fachmagazin „Science Translational Medicine“ publizierten Ergebnisse dieser Studie zeigen vielversprechende Hinweise für die positive Wirkung dieses Therapieansatzes zur besseren Kontrolle der Immunantwort nach Nierentransplantation.
Eine verbesserte, zielgerichtete Hemmung der Immunantwort gegen die transplantierte Niere könnte die Langzeitergebnisse nach Transplantationen weiter verbessern. Die Gabe von Knochenmarkzellen des Spenders zusätzlich zur Spenderniere kann bei Transplantatempfänger:innen zu einer derartigen positiven Immunmodulation führen. In langjähriger präklinischer Forschung konnte das Team um Thomas Wekerle (Klinische Abteilung für Transplantation, Universitätsklinik für Allgemeinchirurgie, MedUni Wien) ein Behandlungsprotokoll entwickeln, das besonders nebenwirkungsarm ist und im Gegensatz zu allen vorherigen Ansätzen keine Bestrahlung der Patient:innen erfordert. Erreicht wurde dieses Ziel durch die Applikation von regulatorischen T-Zellen zusätzlich zu den Knochenmarkzellen.
Dieser Therapieansatz wurde nun erstmals unter Leitung von Thomas Wekerle und Rainer Oberbauer (Klinische Abteilung für Nephrologie und Dialyse, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) in einer klinischen Studie umgesetzt und untersucht. Die vom WWTF finanzierte Studie wurde in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mehrerer Abteilungen der MedUni Wien (Koordinationszentrum für Klinische Studien, Universitätsklinik für Transfusionsmedizin und Zelltherapie, Institut für Klinische Biometrie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Klinisches Institut für Pathologie) und dem Leibniz-Institut für Immuntherapie in Regensburg sowie der University of Alberta in Kanada umgesetzt.
Kombinierte Zelltherapie in der klinischen Nierentransplantation
In der Pilotstudie erhielten Patient:innen unmittelbar nach der Nierentransplantation sowohl eine Zelltherapie mit regulatorischen T-Zellen als auch eine mit Knochenmarkzellen des Nierenspenders. Alle Patient:innen entwickelten einen sogenannten Chimärismus, das heißt Leukozyten des Spenders waren eine Zeit lang in den Transplantatempfänger:innen nachweisbar. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keine Zelltherapie erhielt, zeigte sich nach zwölf Monaten eine signifikant bessere Kontrolle der Immunantwort gegenüber der Spenderniere und eine positive Veränderung des T-Zellrezeptorrepertoires. Bei mehreren Patient:innen konnte die immunsuppressive Therapie reduziert werden. „Die Ergebnisse der Pilotstudie sind vielversprechend für die Anwendung dieser neuartigen Zelltherapie und sollen ein Beitrag sein, die Ergebnisse nach Nierentransplantation immer weiter zu verbessern“, so die Studienleiter Rainer Oberbauer und Thomas Wekerle. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in zukünftigen Studien weiterentwickelt und damit näher an die routinemäßige Anwendung gebracht werden.
Publikation: Science Translational Medicine
Donor bone marrow together with recipient regulatory T cells induces chimerism without irradiation in kidney transplantation.
Thomas Wekerle, Moritz Muckenhuber, Andreas Heinzel, Anna Marianne Weijler, Ana F. David, Verena Kainz, Karin Hu, Jasmin Mucha, Konstantinos Mengrelis, Roman Reindl-Schwaighofer, Georg A. Böhmig, Bruno Watschinger, Georg Györi, Thomas Soliman, Andreas Salat, Christoph Schwarz, Marlena Muhm, Georg Heinze, Michael Wolzt, Nina Worel, Michaela Fortschegger, Thomas Lion, Heinz Regele, Gabriela Berlakovich, Philip F. Halloran, Matthias Edinger, Rainer Oberbauer.
Sci. Transl. Med. 2026, DOI: 10.1126/scitranslmed.aee6850
https://www.science.org/doi/10.1126/scitranslmed.aee6850