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Leberkrebs: Stuhltransplantation kann Ansprechen auf Immuntherapie ermöglichen

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(c) 2025 Explode/Shutterstock

(Wien, 04-11-2026) – Bei fortgeschrittenem Leberkrebs ist die Immuntherapie-basierte Kombination aus den Wirkstoffen Atezolizumab plus Bevacizumab derzeit eine Standardbehandlung. Allerdings schreitet die Erkrankung bei vielen Betroffenen trotz der Therapie fort. Ein interdisziplinäres Forschungsteam unter Leitung von Matthias Pinter von der MedUni Wien hat nun die Übertragung von Darmbakterien, die sogenannte Stuhltransplantation, als möglichen Ansatz bei unwirksamer Immuntherapie untersucht. Die vielversprechenden Ergebnisse wurden im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht. 

An der sogenannten FAB-HCC-Studie nahmen zwölf Patient:innen mit hepatozellulärem Karzinom (HCC), der häufigsten Form von Leberkrebs, teil. Die Studienteilnehmer:innen hatten zuvor eine Behandlung mit Atezolizumab und Bevacizumab erhalten, unter der ihre Erkrankung weiter fortgeschritten war. Bei den beiden Wirkstoffen handelt es sich um Antikörper, die unterschiedliche Prozesse beeinflussen: Atezolizumab unterstützt die Immunabwehr gegen Krebszellen, während Bevacizumab die Bildung von Blutgefäßen hemmt, die den Tumor versorgen. Im Rahmen der Studie erhielten die Patient:innen einmalig eine Stuhltransplantation mittels Darmspiegelung. Dabei wurden Darmbakterien entweder einer gesunden Spenderperson oder einer Person mit Leberkrebs, die gut auf eine Immuntherapie angesprochen hatte, übertragen. Anschließend wurde die Immuntherapie fortgesetzt.

„Die Stuhltransplantation war gut verträglich und es traten keine relevanten neuen Sicherheitsbedenken auf“, berichtet Co-Erstautorin Katharina Pomej (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien). Bei vier von zwölf Teilnehmer:innen (33 Prozent) schrumpfte der Tumor deutlich, bei weiteren sechs kam es zu einer Stabilisierung der Erkrankung. „Die Bakterienzusammen–setzung im Darm der Teilnehmenden glich sich der des Spenders an, dies war insbesondere bei Empfänger:innen von gesundem Spenderstuhl zu beobachten. Zudem zeigten sich im Blut Veränderungen bei Immunzellen und im Antikörperprofil“, verdeutlicht der zweite Erstautor der Studie, Adrian Frick (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien).

Darmbakterien stehen zunehmend im Fokus der Krebsforschung, weil sie die Aktivität des Immunsystems im Kampf gegen Krebszellen beeinflussen können. Bei Leberkrebs ist die Zusammensetzung des Darmmikrobioms häufig verändert. „Unsere Studie liefert erste Hinweise darauf, dass eine Stuhltransplantation die Zusammensetzung dieser Mikroorganismengemeinschaft durch die Übertragung von aufbereitetem Spenderstuhl verändern kann“, resümiert Studienleiter Matthias Pinter (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien). Ob sich dieser Ansatz gezielt nutzen lässt, um eine Resistenz gegenüber einer Immuntherapie bei Leberkrebs zu überwinden, muss jedoch erst durch weitere Untersuchungen in größerem Rahmen geklärt werden.

Publikation: Nature Communications
FMT combined with atezolizumab-bevacizumab in hepatocellular carcinoma refractory to immunotherapy: an open label, single-arm, phase II pilot study.
Katharina Pomej, Adrian Frick, Bernhard Scheiner, Maximilian Baumgartner, Klaus G. Schmetterer, Carlos S. Reyna-Blanco, Lorenz Balcar, Larissa Pajancic, Abelina Kreuter, Joana Séneca, Bela Hausmann, Thomas Köcher, Melanie Prinzensteiner, Katharina Lampichler, Nataliya Rohr-Udilova, Adrija Chakrabarty, Anton Klotz, Annika C. Lampl, Kerstin Zinober, Katharina Regnat, Michael Trauner, David Berry, Dietmar Tamandl, Thomas Vogl, Christoph Gasche & Matthias Pinter.
https://www.nature.com/articles/s41467-026-78219-z