(Wien, 14.10.2026) Biologika haben die Behandlung der rheumatoiden Arthritis (RA) grundlegend verändert und ermöglichen es vielen Patient:innen, eine anhaltende Remission zu erreichen. Eine wichtige Frage bleibt jedoch: Können diese Medikamente sicher abgesetzt werden, sobald eine Remission erreicht ist? Ein Forschungsteam unter Leitung der Medizinischen Universität Wien hat nun untersucht, ob Ultraschall dabei helfen kann, jene Patient:innen zu identifizieren, bei denen nach dem Absetzen einer Biologika-Therapie ein erhöhtes Risiko für einen Krankheitsrückfall besteht. Obwohl die in „RMD Open“ publizierte Studie aufgrund der geringen Rekrutierungszahl limitiert war und daher ihren primären Endpunkt nicht erreichte, deuten die Ergebnisse darauf hin, dass mittels Ultraschall nachweisbare Restentzündungen künftig dazu beitragen könnten, Therapieentscheidungen zu unterstützen.
Im Rahmen der prospektiven, multizentrischen Studie wurden Patient:innen mit Rheumatoider Arthritis (RA) in anhaltender ACR/EULAR-Remission nach dem Absetzen ihres biologischen krankheitsmodifizierenden Antirheumatikums (bDMARD) über einen Zeitraum von einem Jahr begleitet. Das Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien und Graz sowie des Krankenhauses Bruneck in Italien führte regelmäßig klinische Untersuchungen sowie detaillierte Ultraschalluntersuchungen durch, um mögliche Anzeichen eines Krankheitsrückfalls zu erfassen.
„Viele Patient:innen möchten ihre Biologika-Therapie reduzieren oder absetzen, sobald ihre Erkrankung gut unter Kontrolle ist. Derzeit stehen Ärzt:innen jedoch nur wenige verlässliche Instrumente zur Verfügung, um abzuschätzen, bei wem dies sicher möglich ist“, erklärt Studienleiter und korrespondierender Autor Peter Mandl (Klinische Abteilung für Rheumatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien). „Mithilfe des Ultraschalls können wir verbleibende Entzündungen in den Gelenken erkennen, die bei einer routinemäßigen klinischen Untersuchung nicht immer festgestellt werden können.“
Restentzündungen könnten auf einen späteren Rückfall hinweisen
Die Studienergebnisse im Detail: Patient:innen mit nachweisbaren Power-Doppler-Signalen im Ultraschall zu Studienbeginn zeigten jedoch numerisch höhere Rückfallraten nach dem Absetzen der Biologika-Therapie als Patient:innen ohne nachweisbare Entzündung. Darüber hinaus waren die mittels Ultraschall erfassten Entzündungswerte zum Zeitpunkt eines Rückfalls höher als bei früheren Untersuchungen während der Remission.
Da lediglich ein Drittel der ursprünglich geplanten Teilnehmer:innen in die Studie eingeschlossen werden konnten, ließ sich keine statistische Signifikanz nachweisen. Weil mit modernen Therapien immer mehr Patient:innen eine anhaltende Remission erreichen, gewinnt jedoch die Optimierung der langfristigen Behandlung zunehmend an Bedeutung. Größere Studien sind erforderlich, um die vorliegenden Ergebnisse zu bestätigen. Die aktuelle Arbeit trägt jedoch zur wachsenden Evidenz bei, dass bildgebende Biomarker künftig helfen könnten, Entscheidungen über eine Dosisreduktion oder das Absetzen von Biologika bei rheumatoider Arthritis stärker an den die einzelnen Patient:innen anzupassen.
Publikation: RMD Open
Ultrasound based withdrawal of biologics in Rheumatoid Arthritis (RA-BioStop).Christian Dejaco, Irina Gessl, Rusmir Husic, Gregor Mitter, Thomas Deimel, Angelika Lackner, Gabriela Supp, Josef Hermann, Josef Smolen, Martin H. Stradner, Daniel Aletaha, Gerold Schwantzer und Peter Mandl.
https://doi.org/10.1136/rmdopen-2026-007003