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Nebennierenadenom: Milder Cortisolüberschuss bei Typ-2-Diabetes mit höherem Sterberisiko verbunden

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(c) 2024 Magic mine/Shutterstock

(Wien, 29-09-2026)  Ein mild erhöhter Cortisolspiegel könnte bei Menschen mit einem Nebennierenadenom und gleichzeitigem Typ-2-Diabetes eine besondere gesundheitliche Bedeutung haben. Das wurde in einer retrospektiven Studie der Medizinischen Universität Wien gezeigt. Bei Menschen mit Nebennierenadenom war die Sterblichkeit deutlich erhöht, wenn Typ-2-Diabetes und eine milde autonome Cortisolsekretion (MACS) gemeinsam vorlagen. Bei Menschen nur mit MACS oder nur mit Typ-2-Diabetes war die Sterblichkeit dagegen nicht signifikant höher als bei Menschen mit Nebennierenadenom ohne Typ-2-Diabetes und ohne MACS. Die aktuell im Fachmagazin Cardiovascular Diabetology publizierte Studie liefert damit wertvolle Hinweise für die weitere Forschung und möglicherweise für die künftige klinische Beurteilung.

Im Rahmen der Studie wertete das Forschungsteam um Michael Leutner (Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) Daten von 668 Menschen mit Nebennierenadenomen aus, die zwischen 1. Jänner 2000 und 31. Dezember 2022 an der endokrinologischen Ambulanz der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien untersucht wurden. 151 waren zu diesem Zeitpunkt auch von Typ-2-Diabetes betroffen und bei 277 wurde eine milde autonome Cortisolsekretion (MACS) festgestellt. Darunter versteht man eine geringe, eigenständige Cortisolproduktion der Nebenniere, ohne die typischen Krankheitszeichen eines ausgeprägten Cortisolüberschusses, des sogenannten Cushing-Syndroms.

Die Analysen zeigen einen Zusammenhang zwischen MACS und erhöhter Sterblichkeit bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Nebennierenadenomen: Die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei dieser Gruppe lag bei 70 Prozent. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Nebennierenadenomen ohne MACS betrug sie hingegen 85 Prozent. Bei Menschen mit Nebennierenaddenomen ohne Typ-2-Diabetes lag die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei MACS bei 86 Prozent und ohne MACS bei 91 Prozent. „Auch nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie Hypertonie, Dysipidämie und Atherosklerose blieb der Zusammenhang bestehen“, kommentieren die Erstautorinnen Luise Bellach und Sarah Hofer-Zeni (Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien).

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein milder Cortisolüberschuss bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem Nebennierenadenom eine besondere prognostische Bedeutung haben könnte. Entscheidend ist nun, diesen Zusammenhang in prospektiven Studien zu überprüfen und zu klären, ob eine gezielte Behandlung des Cortisolüberschusses die gesundheitlichen Risiken tatsächlich senken kann“, sagt der korrespondierende Studienautor Michael Leutner.

Nebennierenadenome sind gutartige Veränderungen der Nebenniere. Eine milde autonome Cortisolsekretion wird bei etwa 20 bis 50 Prozent der Menschen mit solchen Adenomen beschrieben. Cortisol ist ein körpereigenes Hormon, das unter anderem den Zuckerstoffwechsel beeinflusst. Ein längerfristiger Cortisolüberschuss kann die Insulinwirkung beeinträchtigen und steht mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang. Die aktuelle Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt nun, dass dieser Zusammenhang in der untersuchten Gruppe bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und MACS besonders deutlich war. Die Datenanalyse liefert damit wertvolle Hinweise für die weitere Forschung und möglicherweise für die künftige klinische Beurteilung: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Nebennierenadenomen könnte die Frage nach einer milden autonomen Cortisolsekretion besonders relevant sein.

Publikation: Cardiovascular Diabetology (Impact factor 15.6)
Mild autonomous cortisol secretion (MACS) is associated with increased mortality in patients with adrenal adenomas only in the presence of type 2 diabetes – a retrospective cohort study.
Luise Bellach, Sarah Hofer-Zeni, Dorota Sluková, Dorothea Kalender, Clemens Zimmermann, Naima Michler, Liliana Gard, Sabina Baumgartner-Parzer, Rodrig Marculescu, Greisa Vila, Peter Wolf, Alexandra Kautzky-Willer, Michael Leutner.
DOI 10.1186/s12933-026-03360-4
https://link.springer.com/article/10.1186/s12933-026-03360-4