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Schwangerschaftsdiabetes: Studienergebnisse differenziert interpretieren

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(c) 2021 Photoroyalty/Shutterstock

(Wien, 02-09-2026) – Ob eine Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes dem Neugeborenen zugutekommt, lässt sich nur beurteilen, wenn berücksichtigt wird, welche Endpunkte eine klinische Studie erfasst und wie diese definiert sind. Eine internationale Forschungsgruppe unter Leitung der MedUni Wien zeigt in einer aktuellen Übersichtsarbeit im American Journal of Obstetrics and Gynecology (AJOG), dass sich große Studien zu Schwangerschaftsdiabetes darin teilweise deutlich unterscheiden, und liefert wertvolle Hinweise für Ärzt:innen und Forscher:innen.

Als besonders relevant identifizierte das Forschungsteam um Christian Göbl (Universitätsklinik für Frauenheilkunde, MedUni Wien) sogenannte zusammengesetzte Endpunkte, in denen Ereignisse unterschiedlicher Häufigkeit und klinischer Bedeutung gemeinsam bewertet werden. Ein statistisch signifikanter Gesamteffekt bedeutet daher nicht automatisch, dass auch die klinisch wichtigsten Komplikationen reduziert wurden. Umgekehrt können relevante Verbesserungen einzelner Endpunkte durch ein nicht signifikantes Gesamtergebnis verdeckt werden. Beispiele aus großen Studien zu Gestationsdiabetes zeigen, dass die Interpretation eines Therapieeffekts wesentlich davon abhängen kann, welcher konkrete Endpunkt betrachtet wird.

„Bei der Interpretation einer Studie müssen wir zunächst genau beurteilen, was tatsächlich gemessen wurde und welche klinische Bedeutung der jeweilige Endpunkt hat. Erst dann können wir daraus Schlussfolgerungen über den Nutzen einer Behandlung ziehen“, sagt Christian Göbl. Die Arbeit richtet sich an Ärzt:innen, die Ergebnisse klinischer Studien für Therapieentscheidungen und die Betreuung ihrer Patient:innen heranziehen, ebenso wie an Wissenschafter:innen, die klinische Studien planen und deren Ergebnisse interpretieren. Ziel ist es, die Aussagekraft von Studienergebnissen im jeweiligen methodischen und klinischen Kontext besser einordnen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt der Übersichtsarbeit betrifft die Beurteilung des Geburtsgewichts. In klinischen Studien werden dafür einerseits absolute Geburtsgewichtsgrenzen verwendet, andererseits kommen Geburtsgewichtsperzentilen zum Einsatz, bei denen unter anderem Schwangerschaftsdauer und Geschlecht des Kindes berücksichtigt werden. Dafür existieren jedoch unterschiedliche Referenz- und Wachstumskurven, die teilweise zu deutlich abweichenden Klassifikationen führen können. Die Autor:innen empfehlen für zukünftige Studien daher klar vorab definierte und klinisch relevante neonatale Endpunkte. Bei zusammengesetzten Endpunkten sollten die einzelnen Komponenten separat ausgewiesen werden. Für die Beurteilung des kindlichen Wachstums sollten sowohl absolute als auch an Schwangerschaftsdauer und Geschlecht angepasste Maße berücksichtigt und die Ergebnisse anhand alternativer Wachstumskurven überprüft werden.

„Ziel unserer Arbeit ist es nicht, bisherige Studien infrage zu stellen, sondern ihre Ergebnisse differenzierter zu interpretieren und besser vergleichbar zu machen. Erst wenn klar ist, welcher Endpunkt erhoben wurde und was dieser konkret abbildet, lässt sich beurteilen, welche Schlussfolgerungen über den Nutzen einer Behandlung tatsächlich gerechtfertigt sind“, so Christian Göbl.

Publikation: American Journal of Obstetrics and Gynecology
Neonatal outcomes in gestational diabetes trials: What clinicians should consider when interpreting treatment effects.
Göbl C, Linder T, Bozkurt L, et al. 
DOI: 10.1016/j.ajog.2026.08.044.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/42680081/