(Wien, 06-08-2026) In einer aktuell in eBioMedicine publizierten Studie bestätigt ein Forschungsteam der Klinischen Abteilung für Nephrologie der Universitätsklinik für Innere Medizin III, dass neben der HLA-Gewebeübereinstimmung auch die genomweite genetische Kompatibilität den Langzeiterfolg von Nierentransplantationen maßgeblich beeinflusst. Darüber hinaus wurde ein kombinierter Kompatibilitätsscore entwickelt, der dazu beitragen könnte, das individuelle Abstoßungsrisiko besser vorherzusagen und die immunsuppressive Therapie gezielter anzupassen.
Die Nierentransplantation ist die beste Behandlung für Patient:innen mit irreversiblem Nierenversagen. Sie verlängert nicht nur das Leben, sondern ermöglicht den Betroffenen meist auch eine nahezu normale Lebensqualität. Voraussetzung für einen langfristigen Transplantationserfolg ist, dass das Immunsystem das Spenderorgan möglichst gut akzeptiert. Bisher erfolgt die Auswahl eines geeigneten Spenderorgans vor allem anhand der sogenannten HLA-Gewebsmerkmale. Diese Moleküle befinden sich auf nahezu allen Körperzellen und werden vom Immunsystem zur Unterscheidung von „selbst“ und „fremd“ genutzt. Je besser diese Gewebsmerkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen, desto geringer ist das Risiko einer immunologischen Reaktion (Abstoßung). Allerdings machen die HLA-Gene nur rund 0,1 % aller proteinkodierenden Gene des Menschen aus. Ob auch die genetische Übereinstimmung im übrigen Genom eine Rolle spielt, war bisher nur unzureichend untersucht.
Bereits 2019 konnte die Forscher der Klinische Abteilung für Nephrologie in einer in The Lancet (DOI: 10.1016/S0140-6736(18)32473-5) veröffentlichten Studie erstmals zeigen, dass die genomweite genetische Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger einen wesentlichen Einfluss auf das langfristige Überleben von Nierentransplantaten hat. In der nun veröffentlichten Studie wurden modernste Exom-Sequenzierungstechnologien und eine eigens entwickelte bioinformatische Pipeline eingesetzt. Dadurch konnte der Einfluss der genomweiten genetischen Kompatibilität zusätzlich zur klassischen HLA-Übereinstimmung in einer unabhängigen Kohorte untersucht werden.
Das wichtigste Ergebnis: Die früheren Erkenntnisse konnten eindrucksvoll bestätigt werden. Der Einfluss der genomweiten genetischen Übereinstimmung auf das Transplantatüberleben war nahezu identisch mit jenem der 2019 veröffentlichten Studie. Darüber hinaus entwickelten die Forschenden einen neuen kombinierten Kompatibilitätsscore, der sowohl die HLA- als auch die genomweite genetische Übereinstimmung berücksichtigt.
„Dieser kombinierte Score könnte künftig einen wichtigen Schritt hin zur personalisierten Transplantationsmedizin ermöglichen“, sagt Studienleiter Rainer Oberbauer, Leiter der Klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. „Dadurch könnten Patient:innen mit geringem Risiko vor einer Überbehandlung geschützt und gleichzeitig Personen mit hohem Risiko gezielter behandelt werden – mit dem Ziel, die Lebensdauer transplantierter Nieren weiter zu verlängern und Nebenwirkungen der Therapie zu reduzieren.“ Die Studie wurde durch einen Grant des Vienna Science and Technology Fund und des NIH/NIAID gefördert.
Publikation: eBioMedicine
The combined impact of HLA and non-HLA mismatch between donors and recipients on kidney transplant survival: a genomic analysis in a prospective cohort.
Michael Kammer, Andreas Heinzel, Stephen Shoebridge, Roman Reindl-Schwaighofer, Karin Hu, Hao Shan Chen, Alexander Kainz,Ismail Daoudi, Ana F. David, Gottfried Fischer, Brendan Keating, Matthias Niemann, Rainer Oberbauer.
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S235239642600304X