(Wien, 11-08-2026) Trotz bemerkenswerter Fortschritte bei der Behandlung der Rheumatoiden Arthritis (RA) leidet ein erheblicher Anteil der Patienten trotz zahlreicher Therapien weiterhin unter anhaltenden Symptomen. Diese Patienten werden als Fälle von schwer zu behandelnder rheumatoider Arthritis (D2T-RA) eingestuft – eine komplexe Erkrankung, bei der die klinische Entscheidungsfindung nach wie vor eine Herausforderung darstellt. In einer neuen systematischen Literaturübersicht, die in „RMD Open“ veröffentlicht wurde, geben Forscher:innen der Klinischen Abteilung für Rheumatologie der Medizinischen Universität Wien gemeinsam mit internationalen Kooperationspartnern des STRATA-FIT-Konsortiums einen umfassenden Überblick über die verfügbaren Erkenntnisse zu therapeutischen Strategien bei D2T-RA.
Die Übersichtsarbeit fasst die Erkenntnisse aus 131 Studien zusammen und hebt sowohl vielversprechende Behandlungsansätze als auch erhebliche Evidenzlücken hervor, die eine optimale Versorgung dieser Patientengruppe nach wie vor einschränken.
Erhebung von Belegen für schwer zu behandelnde RA
Die Studie wurde von Golnaz Shams und Paul Studenic von der Klinischen Abteilung für Rheumatologie an der Universitätsklinik für Innere Medizin III der Medizinischen Universität Wien geleitet und im Rahmen des europäischen STRATA-FIT-Konsortiums durchgeführt, der ersten von „Horizon Europe“ finanzierten Initiative, die sich mit schwer zu behandelnder RA befasst.
„Die Behandlung von Patient:innen mit schwer zu behandelnder rheumatoider Arthritis zählt zu den größten Herausforderungen in der Rheumatologie“, erklärt Erstautorin Golnaz Shams. „Durch eine systematische Auswertung der verfügbaren Evidenz wollten wir herausfinden, welche Behandlungsstrategien durch Daten gestützt werden und wo noch wichtige Wissenslücken bestehen.“
„Diese Übersichtsarbeit liefert eine wesentliche Evidenzgrundlage für personalisiertere Behandlungsentscheidungen“, fügt der leitende Autor Paul Studenic hinzu. „Gleichzeitig zeigt sie deutlich, dass wir besser konzipierte Studien benötigen, die sich speziell auf Patient:innen mit schwer zu behandelnder Erkrankung konzentrieren, anstatt uns auf indirekte Evidenz zu stützen.“
Unterstützung bei Behandlungsentscheidungen bei Patient:innen mit komplexen Erkrankungen
In der Übersichtsarbeit wurden drei häufige klinische Szenarien bei D2T-RA untersucht:
- Patient:innen, deren Behandlungsmöglichkeiten durch Begleiterkrankungen oder Kontraindikationen eingeschränkt sind.
- Patient:innen mit anhaltend aktiver Erkrankung, bei denen mindestens zwei biologische oder zielgerichtete synthetische Therapien versagt haben.
- Patient:innen mit anhaltenden Symptomen und eingeschränkter Lebensqualität trotz niedriger messbarer Entzündungswerte.
In all diesen Szenarien stellten die Autor:innen fest, dass krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs) im Allgemeinen auch bei komplexen Patient:innengruppen wirksam bleiben, wobei bei der Wahl der Therapie ein sorgfältiges Abwägen zwischen Wirksamkeit und individuellen Sicherheitsaspekten erforderlich ist.
Abwägung zwischen Wirksamkeit und Sicherheit
Bei Patient:innen mit mehreren vorherigen Therapieversagen zeigten Janus-Kinase (JAK)-Hemmer weiterhin klinische Wirksamkeit, selbst nachdem mehrere biologische Therapien versagt hatten. Die Übersichtsarbeit bestätigt jedoch auch, wie wichtig es ist, bei der Auswahl dieser Therapien die kardiovaskulären Risiken und das Malignitätsrisiko sorgfältig abzuwägen.
Die Autor:innen stellten weiters einen auffälligen Mangel an hochwertigen Belegen für nicht-medikamentöse Interventionen fest, obwohl diese für Patient:innen von potenzieller Bedeutung sind, deren Symptome eher durch Schmerzen, Müdigkeit oder eine verminderte Lebensqualität als durch eine aktive Entzündung bedingt sind.
Die Grundlagen für eine personalisierte Versorgung schaffen
Die Übersichtsarbeit bildet einen wichtigen wissenschaftlichen Eckpfeiler des STRATA-FIT-Projekts, dessen Ziel es ist, personalisierte Behandlungsstrategien für Patient:innen mit schwer zu behandelnder RA zu entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in die anstehenden prospektiven Interventionsstudien des Konsortiums einfließen und zu künftigen klinischen Empfehlungen beitragen.
Da die Studie sowohl den aktuellen Wissensstand als auch die noch bestehenden Wissenslücken aufzeigt, liefert sie einen wichtigen Fahrplan für die zukünftige Forschung und für die Verbesserung der Versorgung einer der anspruchsvollsten Patient:innengruppen in der Rheumatologie.
Publikation: RMD Open
Therapeutische Ansätze bei schwer zu behandelnder rheumatoider Arthritis: eine systematische Literaturübersicht zur aktuellen Evidenz
Golnaz Shams, András Miklós Dorgó, Chiara Ripepi, Emma Wettersand u. a.
Leitender Autor: Paul Studenic
https://doi.org/10.1136/rmdopen-2026-006860