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Leitlinie zur kardialen Rehabilitation: MedUni Wien an neuen europäischen Standards beteiligt

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(Wien, 09-09-2026) Die Europäische Kardiologische Gesellschaft (ESC) hat erstmals eine eigenständige Leitlinie zur kardialen Rehabilitation veröffentlicht. An der Erarbeitung der neuen europäischen Empfehlungen war Jolanta Siller-Matula von der Medizinischen Universität Wien als Mitglied der internationalen ESC Task Force und Repräsentantin der European Association of Percutaneous Cardiovascular Interventions (EAPCI) beteiligt. Die Empfehlungen definieren kardiale Rehabilitation als umfassenden Bestandteil der kardiovaskulären Langzeitversorgung – von Bewegung und medikamentöser Therapieoptimierung über Ernährung, psychische und sexuelle Gesundheit bis hin zu digitalen Rehabilitationsangeboten. Einen besonderen Schwerpunkt bildet erstmals die individualisierte und geschlechtersensible Medizin.

„Kardiale Rehabilitation soll keine isolierte Trainingsmaßnahme nach einem Herzereignis sein. Sie ist eine wichtige Phase der kardiovaskulären Sekundärprävention mit dem Ziel, die körperliche Leistungsfähigkeit zu verbessern, Risikofaktoren zu behandeln, medikamentöse Therapien zu optimieren und Patient:innen dabei zu unterstützen, langfristig wieder Sicherheit und Lebensqualität zu gewinnen“, sagt Jolanta Siller-Matula.

Rehabilitation wird breiter gedacht
Die neue Leitlinie erweitert den Stellenwert der kardialen Rehabilitation deutlich. Sie richtet sich an Patient:innen nach einem akuten Koronarsyndrom oder mit koronarer Herzkrankheit, aber auch an Menschen mit Herzinsuffizienz, Herzklappenerkrankungen, Vorhofflimmern, Kardiomyopathien, angeborenen Herzfehlern oder nach Herzoperationen.

Rehabilitation wird dabei nicht nur als Nachsorge und Training verstanden, sondern als Teil der langfristigen kardiovaskulären Sekundärprävention. Neben körperlichem Training gehören Ernährung, Rauchstopp, Patient:innen-Edukation und Selbstmanagement ebenso dazu wie psychische und sexuelle Gesundheit sowie die Rückkehr in Alltag und Beruf.

Ein Kerngedanke der neuen Guidelines ist die personalisierte Rehabilitation. Zu Beginn steht eine umfassende Beurteilung der Herzerkrankung, körperlichen Leistungsfähigkeit, Begleiterkrankungen und Risikofaktoren sowie von Ernährung, psychischer Gesundheit, Lebensstil und sozialer Situation. Auf dieser Grundlage werden individuelle Rehabilitationsziele festgelegt.

Besonderer Fokus auf geschlechtersensible Versorgung
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf bestehenden Ungleichheiten in der Versorgung. Obwohl kardiale Rehabilitation bei beiden Geschlechtern wirksam ist, werden Frauen seltener überwiesen und nehmen seltener an Programmen teil. Als mögliche Maßnahmen nennt die Leitlinie unter anderem automatische Überweisungssysteme, flexible Termine, Kinderbetreuung, Tele-Rehabilitation und Home-based-Angebote sowie frauenspezifische Programme.

Auch Risikofaktoren, die speziell für Frauen relevant sind, sollen systematischer erfasst werden. Dazu zählen unter anderem Gestationsdiabetes, hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, vorzeitige Menopause, polyzystisches Ovarialsyndrom und Endometriose.

Therapieoptimierung und digitale Angebote
Die Rehabilitation soll außerdem genutzt werden, um die medikamentöse Therapie zu überprüfen und zu optimieren, Therapieziele zu kontrollieren und die langfristige Adhärenz zu fördern. Psychische Belastungen wie Depression und Angst sowie sexuelle Funktionsstörungen sollen systematisch erfasst und bei Bedarf behandelt werden.

Gleichzeitig gewinnen Home-based Rehabilitation, Tele-Rehabilitation und hybride Modelle an Bedeutung. Präsenz- und digitale Angebote können entsprechend dem klinischen Risiko und den Bedürfnissen der Patient:innen kombiniert werden. Telemonitoring, Smartphone-Anwendungen und Wearables können dabei körperliche Aktivität und physiologische Parameter erfassen und die kontinuierliche Anpassung der Behandlung unterstützen.
Mit den 2026 ESC Guidelines on Cardiac Rehabilitation liegt damit erstmals ein umfassender europäischer Leitlinienrahmen für die kardiale Rehabilitation mit dem übergeordneten Ziel einer stärker individualisierten und gerechteren kardiovaskulären Versorgung vor. Die Leitlinie wurde im European Heart Journal veröffentlicht.

Publikation: European Heart Journal
2026 ESC Guidelines on cardiac rehabilitation: Developed by the task force on cardiac rehabilitation of the European Society of Cardiology (ESC)
Endorsed by the European Society of Physical and Rehabilitation Medicine (ESPRM) and World Organization of Family Doctors (WONCA)
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehag099
https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehag099/8766284