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WE&ME Award: Biologische Unterschiede bei ME/CFS entschlüsseln

Forschungsgrant für Matthias Wielscher – auch FWF-Förderung für Lilian Konicar
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Bild: Christian Jobst
v.l.n.r.: Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, Vizerektor Oswald Wagner (MedUni Wien), Kathryn Hoffmann (MedUni Wien), Sabine Seidler (alpha+ Stiftung), Matthias Wielscher (MedUni Wien), Ursula Jakubek (FWF), Gabriele und Gerhard Ströck (WE&ME Foundation), Christoph Binder (FWF).

(Wien, 08-07-2026) Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Multisystemerkrankung ME/CFS gewinnen – dieses Ziel verfolgt die WE&ME Foundation. Der Epidemiologe Matthias Wielscher von der Medizinischen Universität Wien kann dank dem über die alpha+ Stiftung des FWF vergebenen WE&ME Award erforschen, warum die Krankheit nicht für alle gleich verläuft. Für dieses Projekt stellt die WE&ME Foundation 450.000 Euro zur Verfügung. Darüber hinaus fördert der FWF drei weitere ME/CFS-Projekte in Wien und Innsbruck mit 1,3 Millionen Euro. 

Der erstmals vergebene WE&ME Award zählt mit 450.000 Euro zu den höchstdotierten privat finanzierten Forschungspreisen Österreichs und fördert Grundlagenforschung zur Multisystemerkrankung ME/CFS. In einem kompetitiven Auswahlverfahren auf Basis internationaler Expert:innengutachten konnten der Epidemiologe Matthias Wielscher sowie drei weitere Forschende überzeugen. Wielschers Projekt erhält den WE&ME Award und wird mit einer Spende von der WE&ME Foundation an die alpha+ Stiftung in Höhe von 450.000 Euro finanziert. Darüber hinaus fördert der Wissenschaftsfonds FWF drei weitere Forschungsprojekte zu ME/CFS mit insgesamt 1,3 Millionen Euro.

„Wir freuen uns sehr über die Unterstützung durch die WE&ME Stiftung und den FWF. Diese Förderung gibt uns die Möglichkeit, unsere genetische Forschung zu ME/CFS konsequent weiterzuentwickeln. Unser Ziel ist es, genetisch unterschiedliche Krankheitsuntergruppen besser zu verstehen und damit die Grundlage für präzisere Diagnostik und zukünftige personalisierte Therapieansätze zu schaffen“, so Matthias Wielscher über den WE&ME Award.

„Wir haben uns für das Projekt von Matthias Wielscher entschieden, da es für uns einen zentralen Punkt in der aktuellen biomedizinischen Forschung zu ME/CFS darstellt, die Heterogenität dieser Erkrankung zu beachten, und weil fehlende Stratifizierung der Patient:innen einheitliche Studienergebnisse verhindert, und damit auch zielgerichtete Therapien. Genetische Studien und Übereinstimmungen ermöglichen eine präzisere Subtypisierung mit dem Ziel, unterschiedliche Krankheitsmechanismen zu entschlüsseln und in der Folge Ansatzpunkte für Diagnostik und Therapien zu liefern. Auch die notwendige internationale Vernetzung und Zusammenarbeit mit dem größten genetischen Datensatz für ME/CFS (DecodeME), dessen Sequenzierung unter anderem auch von WE&ME unterstützt wird, ist ein wesentlicher Baustein dieses Projekts“, so Gabriele Ströck von der WE&ME Stiftung zur Wahl des WE&ME Awards.

„Hinter jeder Forschungsfrage zu ME/CFS stehen Menschen, deren Leben durch diese schwere Erkrankung grundlegend verändert wurde. Sie schränkt tausende Betroffene massiv ein und wirft zugleich noch immer viele wissenschaftliche Fragen auf. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dem WE&ME Award und drei weiteren vom FWF geförderten Projekten gezielt in exzellente Grundlagenforschung investieren. Die ausgezeichneten Projekte schaffen wichtige Grundlagen, um die biologischen Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen und neue Ansätze für Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Mein herzlicher Dank gilt der WE&ME Foundation für ihr außergewöhnliches Engagement. Gemeinsam mit dem FWF ermöglichen wir Forschung, die konkrete Perspektiven für Betroffene schafft“, so Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner.
„Die neuen Projekte zeigen, dass es möglich ist, mit privaten Spenden an die alpha+ Stiftung exzellente Grundlagenforschung auszubauen und im konkreten Fall das Verständnis von ME/CFS zu verbessern. Mein besonderer Dank gilt der WE&ME Foundation für ihr außerordentliches Engagement im Sinne tausender Patient:innen. Partnerschaften zwischen öffentlichen Förderinstitutionen und privaten Stiftungen schaffen zusätzliche Möglichkeiten, wissenschaftliche Fortschritte dort zu ermöglichen, wo sie besonders dringend gebraucht werden“, so FWF-Vizepräsidentin und alpha+ Vorstandsmitglied Ursula Jakubek.

„Es freut mich sehr, dass an der MedUni Wien zwei weitere Forschungsprojekte zu ME/CFS starten können. Partner wie die WE&ME Foundation leisten einen wichtigen Beitrag, um die Forschung auf diesem Gebiet voranzubringen. Sie schaffen zusätzliche Möglichkeiten, eine Erkrankung zu erforschen, die wir noch wesentlich besser verstehen müssen“, so Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien.

WE&ME Award: Biologische Unterschiede bei ME/CFS entschlüsseln
ME/CFS ist eine sehr heterogene Erkrankung. Patient:innen unterscheiden sich nicht nur in ihren Symptomen, sondern wahrscheinlich auch in den biologischen Mechanismen, die ihrer Erkrankung zugrunde liegen. Wenn jedoch alle Betroffenen gemeinsam untersucht werden, überlagern sich diese unterschiedlichen Krankheitsmechanismen. Dadurch wird es schwieriger, genetische Ursachen zu erkennen und neue Therapieansätze zu entwickeln. 
Mit dem WE&ME Award werden Matthias Wielscher sowie Kathryn hoffmann als beteiligte Forscherin  im Projekt „Mechanistische Endotypen bei ME/CFS“ diese Heterogenität aus zwei unterschiedlichen Perspektiven untersuchen und daraus biologisch sinnvoll definierte Untergruppen von Patient:innen ableiten.

Der erste Ansatz basiert auf klinischen Daten. Hier analysiert das Team Symptome, Begleiterkrankungen, Behandlungsversuche sowie Fragebogendaten aus großen Patientenkohorten. Ziel ist es, Patient:innen zu identifizieren, die ähnliche Krankheitsverläufe oder Symptomkombinationen aufweisen. Der zweite Ansatz nutzt genetische Daten. Dabei betrachten die Forschenden nicht einzelne Gene, sondern fassen viele genetische Varianten zu genetischen Mechanismus-Scores zusammen. Jeder dieser Scores beschreibt den genetischen Einfluss eines bestimmten biologischen Prozesses, beispielsweise Entzündungsreaktionen, Autoimmunität, Störungen der Energiegewinnung oder der Darmbarriere. Auf diese Weise werden individuelle biologische Profil erstellt. Es wird erwartet, dass manche Betroffene einen stärkeren genetischen Einfluss entzündlicher Prozesse aufweisen, während bei anderen genetische Veränderungen dominieren, die mit Autoimmunität oder Störungen der Gefäß- oder Barrierefunktion zusammenhängen. Diese Muster werden anschließend analysiert, um genetisch definierte Untergruppen von ME/CFS zu identifizieren. Ein besonderer Schwerpunkt des Projekts ist der Vergleich beider Ansätze. Ziel ist es zu untersuchen, ob sich klinisch definierte und genetisch definierte Untergruppen gegenseitig bestätigen und dadurch ein besseres Verständnis der biologischen Vielfalt von ME/CFS ermöglichen. Abschließend werden wir diese neu definierten Untergruppen im weltweit größten genetischen Datensatz für ME/CFS (DecodeME) suchen, um erneute genomweite Analysen durchzuführen. Matthias Wielscher erwartet, dass sich dadurch genetische Zusammenhänge erkennen lassen, die in bisherigen Analysen aufgrund der großen Heterogenität verborgen geblieben sind. Langfristig könnte dieses bessere Verständnis der unterschiedlichen Krankheitsmechanismen dazu beitragen, präzisere Diagnostik zu entwickeln und neue Ansatzpunkte für zielgerichtete Therapien oder die Wiederverwendung bereits zugelassener Medikamente zu identifizieren. 
Das Projekt knüpft an die Ergebnisse eines Forschungsprojekts von Matthias Wielscher an, das 2024 von der WE&ME Stiftung und dem Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) gefördert wurde.

Weitere 1,3 Millionen Euro für ME/CFS-Projekte vom Wissenschaftsfonds FWF
 Zusätzlich zu dem Projekt von Matthias Wielscher, das mit der privaten Spende der WE&ME Foundation an die alpha+ Stiftung ermöglicht wird, setzten sich drei weitere Projekte aufgrund ihrer Qualität und ihres Innovationsgrads im FWF-Verfahren durch: Mirjam Bachler von der Medizinischen Universität Innsbruck mit dem Projekt „Individualisierte Therapieansätze bei ME/CFS-PAIS mit PEM“, Lilian Konicar von der Medizinischen Universität Wien mit dem Projekt „INSPIRE Individualisierte Neurotherapie für CFS/ME – PEM“ und Katharina Ledebur vom Complexity Science Hub Vienna mit dem Projekt „TRACK-PEM: Erfassung und Analyse der Post-Exertional Malaise“. Diese drei Projekte werden vom FWF mit insgesamt 1,3 Millionen Euro gefördert.