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Wichtige Rolle von Schwann-Zellen in der Entstehung von Keloiden identifiziert

Neuer Ansatz für Therapien gegen tumorähnliche Vernarbungen identifiziert
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(Wien, 31-03-2022) Ein Forschungsteam der MedUni Wien hat die Entwicklung von Keloiden – tumorähnliche Vernarbungen der Haut – untersucht und eine signifikante Beteiligung von Schwann-Zellen an deren Wachstum entdeckt. Dadurch eröffnet sich mit der gezielten Behandlung, welche speziell gegen diese Zellen gerichtet ist, ein neuer möglicher Therapieansatz. Die Ergebnisse der Studie wurden aktuell im Journal Matrix Biology veröffentlicht.

Keloide sind tumorähnliche Vernarbungen der Haut, welche kontinuierlich über den Wundrand hinauswachsen. Sie können bereits nach minimalen Verletzungen, wie einem Insektenstich, entstehen und PatientInnen durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen sowohl physisch als auch psychisch stark belasten. Die derzeitigen Therapiemöglichkeiten bei Keloiden sind begrenzt und führen auch nach operativer Entfernung oft zu einem erneuten Wachstum. Trotz jahrzehntelanger Forschung konnte bis heute noch keine konkrete Ursache für die Entstehung von Keloiden identifiziert werden. Welche Rolle Schwann-Zellen, Gliazellen des peripheren Nervensystems, bei der Entstehung von Keloiden spielen, hat nun ein Forschungsteam um Michael Mildner (Universitätsklinik für Dermatologie) und Hendrik Jan Ankersmit (Universitätsklinik für Thoraxchirugie) der MedUni Wien genauer untersucht.

Spezieller Schwann-Zell Typ in Keloiden
Im gesunden Organismus ummanteln Schwann-Zellen die peripheren Nerven und unterstützen dadurch die Reizweiterleitung. Nach einer traumatischen Verletzung können sich diese zu Reparatur-Schwann Zellen umwandeln, und so die Regeneration der beschädigten Nerven vorantreiben. In der vorliegenden Studie konnte nun eine ungewöhnlich hohe Anzahl eines speziellen Schwann-Zell-Typs, mit ähnlichem Phänotyp, in Keloiden nachgewiesen werden. „Diese Schwann-Zellen durchziehen, ohne jeglichen Kontakt zu Nerven, die gesamte Dermis und weisen ein pro-fibrotisches Expressionsmuster auf, welches zum Aufbau des Keloids beiträgt“, erklärt der Erstautor der Studie Martin Direder von der Universitätsklinik für Thoraxchirurgie der MedUni Wien. Weiters interagieren diese Schwann-Zellen durch Freisetzung bzw. Hemmung diverser Signalstoffe mit Makrophagen (Fresszellen), welche dadurch die extrazelluläre Matrix nicht abbauen und gleichzeitig die Schwann-Zellen in ihrer Differenzierung hemmen können.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten auf eine signifikante Beteiligung von Schwann-Zellen am Wachstum von Keloiden hin, wodurch eine gezielte Behandlung, welche speziell gegen diese Zellen gerichtet ist, eine neue, interessante Therapiemöglichkeit darstellen könnte.

Die Studie wurde mit Unterstützung der Aposcience AG, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft, der Wiener Wirtschaftsagentur und des Sparkling Science Programms des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung.

Service: Matrix Biology
Matrix Biology: Schwann cells contribute to keloid formation. Martin Direder, Tamara Weiss, Dragan Copic, Vera Vorstandlechner, Maria Laggner, Karin Pfisterer, Caterina Selina Mildner, Katharina Klas, Daniel Bormann, Werner Haslik, Christine Radtke, Matthias Farlik, Lisa Shaw, Bahar Golabi, Erwin Tschachler, Konrad Hoetzenecker, Hendrik Jan Ankersmit, Michael Mildner

doi.org/10.1016/j.matbio.2022.03.001