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Allergien frühzeitig erkennen – vor allem bei Kindern

(Wien, 27-04-2016) Die allergische Sensibilisierung kann beim Menschen gleich nach der Geburt erfolgen. „Daher ist für die Früherkennung ein frühes Screening ganz wichtig, damit rechtzeitig Maßnahmen eingeleitet werden können, um schwerere Krankheitsformen zu verhindern“, betonen die AllergieforscherInnen der MedUni Wien anlässlich des „Weltweiten Tages der Immunologie“ am 29.04. und der laufenden „World Immunization Week“ der WHO. Gemäß dem Motto dieser Aktionswoche im Jahr 2016 „Close the Immunization Gap“ sollen also die Lücken in der Immunisierung grundsätzlich geschlossen werden. Für eine schützende Immunisierung gegen Allergien ist jedoch zuerst eine punktgenaue Allergie-Diagnose erforderlich.

Die derzeit beste und wirksamste Methode, um frühzeitig Allergien erkennen zu können, wurde an der MedUni Wien von Rudolf Valenta (Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie) maßgeblich mitentwickelt: Der Allergen-Chip. „Ein Blutstropfen genügt für das Austesten der Allergie“, sagt Winfried Pickl vom Institut für Immunologie am Zentrum für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien. „Vor allem Kinder mit erhöhtem Risiko, etwa wenn es in der Familie Allergien gibt, sollten getestet werden, aber auch Allergiker, bei denen mehrere Allergien gleichzeitig vorliegen.“

„Neben Kindern und Erwachsenen gehören auch die SeniorInnen in unserer zunehmend älter werdenden Gesellschaft zur Zielgruppe für den Allergietest“, betont Erika Jensen-Jarolim, Allergieforscherin der MedUni Wien. Heutzutage leidet jede/r Dritte in Österreich an einer Allergie, vor 20 Jahren waren es noch rund 25 Prozent – Tendenz weiter steigend. Es beginnt mit einem simplen Heuschnupfen gegen Umweltallergene, kann aber – besonders bei Nahrungsmittel- oder Insektengiftallergien – bis hin zu Kreislaufkollaps führen. Umso wichtiger ist die punktgenaue Früherkennung und entsprechende Behandlung. „Perfekt wäre es, wenn die Kinder bereits mit einem Allergietest in der Schultasche in die Schule kommen“, so die MedUni Wien-ImmunologInnen. Der Test mit dem Chip zeigt bereits Antikörper, wenn äußerlich noch keine Symptome erkennbar sind. Damit könnten Eltern bereits frühzeitig auf eine mögliche Allergieentwicklung aufmerksam gemacht werden.

Der Test kann in den Wiener Allergiezentren auf private Rechnung gemacht werden. “Die Kosten für den Test werden derzeit nicht von der gesetzlichen Krankenkassen übernommen“, so Jensen-Jarolim.

Wiener Immunologie weltweit führend
Die immunologische Grundlagenforschung hat in Wien generell eine sehr große Tradition und nimmt eine internationale Ausnahmestellung ein. So prägte der österreichische Kinderarzt Clemens von Pirquet als Erster im Jahr 1906 den Begriff der „Allergie“. Heute gibt es einen eigenen Forschungscluster zur Immunologie an der MedUni Wien, weitere Forschungen werden aktuell u.a. im CD-Labor für die Entwicklung von Allergen-Chips, im Allergie-Sonderforschungsbereich SFB46 („Strategien zur Prävention und Therapie von Allergien“) und im Doktoratskolleg W1248 („Molekulare, zelluläre und klinische Allergologie“) vorangetrieben, außerdem sind die ImmunologInnen der MedUni Wien mit internationalen Top-WissenschafterInnen bestens vernetzt.

Die Medizinische Universität Wien beteiligt sich an der Lösung der eminenten Fragestellungen innerhalb der Immunologie mit sehr großem Engagement und betreibt weltweit anerkannte Spitzenforschung. Um die interne Forschungskooperation in diesem Bereich zu bündeln und noch besser zu fördern, wurde der MedUni Wien Forschungscluster Immunologie (Immunology Research Cluster – IRC) geschaffen, der ein thematisch und fachlich übergreifendes Netzwerk von rund 80 Forschungsgruppen der MedUni Wien mit den Schwerpunkten Allergie, Entzündung und Infektion. Dadurch sollen neue prophylaktische und therapeutische Ansätze sowie diagnostische Konzepte zur Behandlung von immunologischen und anderen entzündlichen Erkrankungen entwickelt werden.

Die WissenschafterInnen dieses Clusters betreiben viele durch den Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanzierte Projekte, unter anderem auch Sonderforschungsbereiche (SFBs) und Doktoratskollegs (DKs), WWTF Projekte, EU-Projekte sowie mehrere Christian Doppler Labors. Neben der Exzellenz in der Grundlagen-, translationalen und klinischen Forschung tragen diese Projekte auch wesentlich zur wissenschaftlichen Nachwuchsförderung bei.

"Durch dieses Netzwerk wird es in Zukunft auch möglich sein, verstärkt translationale Forschungsansätze durchzuführen, um schneller Ergebnisse der Grundlagenforschung auf ihre klinische Relevanz zu testen", meint Wilfried Ellmeier vom Institut für Immunologie und Koordinator des Forschungscluster Immunologie.