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Antikörper könnte "Todeskuss-Resistenz" in Krebszellen überwinden

Studien an der MedUni Wien - TRAIL-Signalweg wäre offenbar verstärkbar - Kooperation mit chinesischen Wissenschaftern

(Wien/Peking, 12-04-2010) - An sich sollten Krebszellen - auch jene von sonst hoch gefährlichen Ovarialkarzinomen (Eierstockkrebs) - auf ein Signal, das sie an bestimmten Oberflächenrezeptoren (TRAIL-Rezeptoren) erhalten, mit Selbstmord (Apoptose) reagieren. Doch dafür bisher entwickelte Arzneimittel zeigten einen relativ geringen Effekt. Bei Eierstockkrebs gibt es offenbar eine Resistenz dagegen. Ein Wissenschafterteam um Michael Krainer, Leiter der Arbeitsgruppe für Molekulare Genetik an der Universitätsklinik für Innere Medizin I an der MedUni Wien, konnte jetzt einen möglichen Ansatzpunkt zur Überwindung dieses Mankos identifizieren.

Die Wissenschafter publizierten jetzt ihre Erkenntnisse online im Journal "Molecular Cancer Therapy" der Amerikanischen Gesellschaft für Krebsforschung (ACR). Die Arbeiten wurden vom österreichischen Wissenschaftsfonds FWF unterstützt.

An sich wäre ein "Todeskuss" an TRAIL-Rezeptoren - vermittelt durch Substanzen, die an diesen Andockstellen binden - ein guter Weg, Krebszellen zu bekämpfen. Auch bei Ovarialkarzinom-Zellen gibt es diesen Mechanismus, der durch den Botenstoff TRAIL (Tumour Necrosis Factor Related Apoptosis Inducing Ligand) ausgelöst wird. Doch Eierstock-Tumore entstehen trotz dieses vorhandenen Abwehrmechanismus und reagieren nur ungenügend auf solche Reize.

Genau hier setzen die Arbeiten der Wiener Studiengruppe an. Krainer: "Wir haben von chinesischen Forschern aus Peking einen dort entwickelten monoklonalen Antikörper bekommen. Bezogen haben wir ihn zunächst als Reagens. AD5-10 bindet zwar ganz speziell an jene Rezeptoren, die für gewöhnlich das TRAIL-Signal empfangen und weiterleiten, doch offenbar an einer etwas anderen Stelle, sodass der Platz für das TRAIL-Signal (zum "Selbstmord", Anm.) frei bleibt."

Kombiniert man nun AD5-10 mit Substanzen, welche als "Todeskuss" für die bösartigen Zellen fungieren, dürfte die Resistenz gegen dagegen aufgehoben werden. Krainer: "Es funktioniert tatsächlich. In Zellkulturen und in Tiermodellen konnten wir zeigen, dass TRAIL-resistente Tumorzellen des Eierstockkrebses gegenüber TRAIL wieder empfindlich werden, wenn TRAIL und AD5-10 gleichzeitig vorhanden sind."

Weiters vermutet Krainer, dass AD5-10 die Wirkung von häufig verwendeten Chemotherapeutika verstärken könnte. So untersuchte er die Wechselwirkungen von AD5-10 mit zahlreichen Medikamenten, die zur Behandlung von Eierstockkrebs eingesetzt werden. Auch diese Studien verliefen erfolgreich: "In Zellkulturen konnten wir zeigen, dass die gemeinsame Wirkung von AD5-10 mit Carboplatin - einem häufig zur Behandlung verwendeten Chemotherapeutikum - größer war als die Summe der Effekte bei Einzelgabe. Tatsächlich zeigte sich im Tiermodell dann auch noch, dass AD5-10 eine Resistenz gegen Carboplatin aufheben kann."

Das Team um den Wissenschafter beobachtete auch, dass diese Anti-Tumorwirkung von AD5-10 nur dann auftritt, wenn sogenannte Natural Killer Cells (NK Cells) in der Mikroumgebung des Tumors vorhanden sind. Für Krainer ein spannender Hinweis, dass diese Zellen eine wichtige Funktion bei der durch AD5-10 initiierten Apoptose haben. Die Wiener Wissenschafter wollen versuchen, eine klinische Studie an Patienten mit ihren chinesischen Partnern zu organisieren.