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Astrid Kafka

emer. O. Univ.-Prof.in Dr.in
Professorin für Physiologie (emeritiert)

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden?
Ich habe mich nicht für eine wissenschaftliche Karriere entschieden. Ich habe mich entschieden, Physiologin zu werden, weil mich die Physiologie interessiert hat. Mich hat vor allem die Beeinflussung der Funktionssysteme des Menschen durch das Nervensystem interessiert. Außerdem hat mich das visuelle System und seine neuronalen Verschaltungen fasziniert. Die wissenschaftliche Karriere ist dadurch entstanden.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?
Noch bevor ich mein Studium beendet hatte, habe ich freiwillig als Demonstratorin im Physiologie-Praktikum und an Projekten zur Hämostase und zur Fibrinolyse bei Prof. Auerswald am Physiologischen Institut gearbeitet. Gegen Ende meines Studiums folgte ich dem Vorschlag des Vorstands des damaligen Instituts für Allgemeine und Vergleichende Physiologie, Professor Bornschein, bei ihm, der ein Sinnesphysiologe war und am visuellen System geforscht hat, zu arbeiten. Sechs Jahre später habe ich mich mit einer Arbeit auf dem Gebiet der retinalen Elektrophysiologie habilitiert. Danach habe ich ein Jahr an den National Institutes of Health (NIH) verbracht. Dieser Forschungsaufenthalt in den USA war wissenschaftlich sehr ertragreich und sehr schönes Jahr, in dem ich eine Reihe von Freunden gewonnen habe, mit denen ich heute noch in Kontakt stehe. Nach meiner Rückkehr nach Wien habe ich mit FWF-Geldern ein entsprechendes Laboratorium aufgebaut. Ende der 70er Jahre habe ich – damals bereits a.o. Professorin – das Institut zunächst interimistisch (nach dem Tod meines Chefs) übernommen, bis ich nach einem Berufungsverfahren 1981 zur o. Professorin ernannt wurde.

 

Was sind Ihre Stärken und wie konnten Sie diese für Ihre Karriere nutzen?
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Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?
Ich habe immer sehr gern in und mit einem Team gearbeitet. Auch in der Institutsführung habe ich versucht, die Weichen gemeinsam mit meinen MitarbeiterInnen zu stellen. Außerdem denke ich, dass ich sehr viel Glück mit meinen KollegInnen und MitarbeiterInnen gehabt habe, da alle – ob AkademikerInnen oder allgemeine Bedienstete - sehr engagiert und begeistert gearbeitet haben. Daraus hat sich – nach meinem Gefühl – eine sehr gute und sehr konstruktive Atmosphäre ergeben, die allein durch ihr Vorhandensein Ressourcen bereitgestellt hat.
Ich hätte die Karriere aber sicher nicht machen können, wenn ich nicht die volle Unterstützung meines Mannes gehabt hätte. Auch die Unterstützung durch meinen Chef hat mir – insbesondere in den ersten Jahren – sehr geholfen.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?
Es gibt einige Misserfolge. Was mich am meisten gekränkt hat, ist, dass meine Stelle nicht - zumindest nicht mit der Widmung Neuro- und Sinnesphysiologie - wieder besetzt wird, bzw. dass es mir vor Jahren nicht gelungen ist, im advisory board des Hirnforschungsinstituts die Schaffung einer Position für den Bereich „Integrative Neurophysiologie“ so gut zu argumentieren, dass wir jetzt eine solche Professur hätten. Angesichts der boomenden Forschung in diesem Bereich mit der sich immer weiter entwickelnden Abbildungsgüte moderner bildgebender Verfahren, welche die Beschreibung neuronaler Schaltkreise für integrative Hirnfunktionen beim Menschen ermöglicht, betrachte ich das Fehlen einer entsprechenden Einheit als Versäumnis, für das ich mich auf irgendeine Art mitverantwortlich fühle.

 

War es für Ihren Karriereverlauf hinderlich, eine Frau zu sein?
Nein. Es hat natürlich einiges an Einsatz gebraucht. Das doppelte Engagement für Familie und Beruf hat jedenfalls einen 14-16 -Stunden-Tag bedeutet, zumal ich nach meiner Habilitation neben meiner Tätigkeit an der Physiologie noch einige Zeit in einem Gemeindespital gearbeitet habe.
Das experimentelle Arbeiten war in dieser Zeit nur durch die sehr gute Kooperation im Team mit Kollegen möglich.
Anekdotisch wäre zu bemerken, dass ich beinahe meinen USA-Aufenthalt nicht hätte antreten können, weil die amerikanische Stipendienorganisation damals für die ausgewählten Stipendiaten zwar eine Unterstützung mitreisender Ehefrauen (und Kinder) vorgesehen hatte, jedoch keine solche für Ehemänner, wenn es sich um eine Stipendiatin handelte. Nach meiner daraufhin prompt erfolgten Absage hatten die Herren freundlicherweise ein Einsehen und änderten ihre Richtlinien.

 

Falls Sie Kinder haben: Was ist bzw. war an Unterstützung besonders hilfreich?
Am Anfang habe ich für meine Kinder tagsüber ein junges Mädchen gehabt, das praktisch so viel gekostet hat, wie ich verdient habe (weil die Gehälter der Univ. Ass. damals sehr niedrig waren). Wir haben in dieser Zeit vom – auch nicht sehr großen – Gehalt meines Mannes gelebt. Später – nach ihrer Pensionierung - hat meine Mutter sehr viel geholfen. Ohne die familiäre Unterstützung wäre es mir kaum möglich gewesen, wissenschaftlich erfolgreich zu sein, zumal sich das experimentelle Arbeiten häufig bis weit in die Nacht hinein erstreckt hat.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in Ihrer Freizeit?
Wanderreiten in Österreich und im Ausland.

 

Tipps und Tricks
Ich glaube, man sollte im breiten Spektrum des Berufs ein Arbeitsfeld suchen (und notfalls erkämpfen), das einem wirklich Freude macht, denn daraus kann man so viel Kraft schöpfen, dass die auftretenden Schwierigkeiten zu bewältigen sind.