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Bianca Karla Itariu

Titel: Dr.in med.

Forschungsförderungspreis der Erste Bank 2013

 

Warum haben Sie sich für eine wissenschaftliche Karriere entschieden? Was waren da die Gründe?

Meine Großmutter war MTA in einem Labor in Rumänien und als kleines Kind saß ich öfters bei ihr im Labor und spielte mit Pipetten. Das hat mir gefallen. Mit den heutigen Anforderungen im Qualitäts-management wäre die Anwesenheit der Enkelkinder im Labor natürlich nicht vorstellbar.

Während meines Medizinstudiums hatte ich die Chance ein Praktikum in Frankfurt am Main zu bekommen, bei einer Arbeitsgruppe geleitet von Anne Bouloumie, die sich mit Fettgewebsforschung beschäftigt. Ich habe dort das Pipettieren gelernt und verschiede Methoden wie z.B. Zellkultur. Anne und ihre Gruppe waren ein super Vorbild, und ihre Begeisterung für die Forschung war ansteckend. Durch ihre zugängliche Art, habe ich auch gelernt, dass einer Arbeitsgruppe nicht auf strengen Hierarchien basiert, sondern auf guter Zusammenarbeit. Deshalb wollte ich nach meinem Medizinstudium nicht sofort in der Klinik anfangen sondern versuchen in der Wissenschaft tätig zu werden.

 

Wie verlief Ihr wissenschaftlicher Weg?

Im privaten Leben arbeitete mein damaliger Freund zu der Zeit (2008) in Wien. Das war meine Motivation nach Österreich zu kommen. Da Prof. Thomas Stulnig, mein jetziger Betreuer, für seine Arbeiten in der Adipositasforschung international anerkannt ist, habe ich mich bei Ihm für eine PhD-Stelle vorgestellt. Obwohl das Semester schon angefangen hatte, konnte ich „quereinsteigen“, da eine Mitarbeiterin von ihm gerader schwanger war. Ich fühle mich aber als stünde ich noch ganz am Anfang des Weges.

 

Was sind Ihre Stärken? Wie konnten sie diese für Ihre Karriere nutzen? Oder für den Weg bis dorthin, wenn sie es noch nicht als Karriere bezeichnen wollen.

Mir gefällt es zu lernen, und in der Wissenschaft lernt man nie aus. Außerdem sind Geduld und Kommunikation auch Stärken, die mir oft helfen. Ein Kollege aus der Arbeitsgruppe hat mich zum „Kommunikations-Offizier“ der Arbeitsgruppe ernannt. J Ich konnte eine gute Beziehung zu den Patientinnen und Patienten in meinen klinischen Studien aufbauen und Ihre Compliance war bisher sehr gut. Zudem habe ich eine gute Frustrationstoleranz, wenn einmal alles nicht nach Plan verläuft, bleibe ich am Ball. Ein bisschen Sinn für Humor hilft dabei auch, denn ich versuche Negatives nicht zu ernst zu nehmen. Ehrgeiz kommt auch dazu, aber das kann sowohl eine Stärke als auch eine Schwäche sein.

 

Was sind Ihre wichtigsten Ressourcen gewesen, um Karriere machen zu können?

Meine Eltern haben mich während des Studiums finanziell unterstützt und gaben mir die Entscheidungsfreiheit das zu studieren, was ich wollte. Dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Und natürlich auch dem rumänischen Staat. Ich hatte nämlich ein Leistungsstipendium während des Studiums. Mein ehemaliger Freund hat mich ebenfalls bei vielem unterstützt. Eine wichtige Ressource war auch die Zeit, die ich für meine Projekte aufbringen konnte. Aber am meisten half und hilft mir die Zusammenarbeit mit Prof. Stulnig: ich habe sehr viel von ihm gelernt und betrachte ihn als Vorbild. Er scheint alles sehr gut zu managen und findet immer Zugang zu neuen Ressourcen. Er fördert mich und meine Kolleginnen und Kollegen, ist geduldig (z.B. wenn ich die eine oder andere Deadline ein bisschen ausstrecke), ratsam und hat immer einen guten Kommentar parat. Er hat viele Drittmittelgelder bekommen und ich bewundere seine Fähigkeit den Überblick über alles zu behalten, Zeit hat für die Betreuung von PhD Studierenden und auch klinisch tätig zu sein.

 

Was war Ihr größter Misserfolg und was haben Sie daraus gelernt?

Ich kämpfe mit dem Abschluss meiner Dissertation die ich bisher noch nicht abgegeben habe. Die Arbeit ist work in progress… ich habe zwar Publikationen und muss nur noch die bisherige Arbeit zusammenzufassen, aber es ist mir bisher zumeist etwas dazwischengekommen oder ich verspürte keine ausreichende Dringlichkeit. Die Stunden, die ich nach der Arbeit in der Klinik zur Verfügung habe, waren immer mit der Arbeit an einer anderen Publikation, die gerade in Revision war, oder mit Lehre ausgefüllt. Ich hoffe, die Arbeit dieses oder nächstes Semester abschließen zu können. Außerdem denke ich, dass ich viel mehr machen sollte/könnte.

 

War es für Ihre Karriere hinderlich, dass Sie eine Frau sind oder hat es einen Zeitpunkt gegeben, zu dem das überhaupt ein Thema war?

Gott sei Dank nicht. Für die Entscheidungsträger, die irgendeine Rolle gehabt haben, als Chefs oder Reviewer, war es bisher kein Thema. In der wissenschaftlichen Karriere war das Frausein bis jetzt überhaupt nicht hinderlich. In unserer Arbeitsgruppe war es bisher gender-neutral, mal waren wir mehr Frauen als Männer, mal umgekehrt, aber ich habe immer sehr viel Unterstützung bekommen. Auch in der Klinik ist es für mich nicht hinderlich, es ist aber lustig wie einige ältere Patienten mich und andere jüngere Kolleginnen als „Schwester“ rufen, manchmal auch „Frau Doktor Schwester“.

 

Welchen Ausgleich suchen Sie in der Freizeit?

Schlafen und die gemeinsame Zeit mit meinem Freund Alexander. Wir versuchen sportlich zu sein, wir laufen zusammen und spielen ab und zu Tennis. Meine Freunde und Familie schafft auch Ausgleich indem ich mich mit ihnen austauschen kann und, sehr wichtig, lachen kann.

 

Tipps und Tricks

Ich glaube, zu wissen, was man will, ist sehr wichtig, und sich dafür auch bewusst zu entscheiden. Wenn man etwas nur macht, um halt beschäftigt zu sein, dann scheitert man irgendwann dran oder steht vor der Sinnfrage. Ein bisschen Optimismus und Ausdauer können sicher nicht schaden. Auch sollte man versuchen mit Kritik umgehen zu können, und nicht alles persönlich zu nehmen. Denn meistens ist Kritik positiv zu bewerten und daraus kann man sehr viel lernen, besonders wenn man am Anfang steht.