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Brustkrebs-Früherkennung: Österreich Vorbild für Europa

(Wien, 20-03-2012) Ab 2013 startet in Österreich das nationale Brustkrebs-Früherkennungs-Programm, an deren Ausarbeitung ExpertInnen des Comprehensive Cancer Centers an der MedUni Wien, allen voran Thomas Helbich von der Universitätsklinik für Radiodiagnostik als Mitglied der Expertinnengruppe des Gesundheitsministeriums und der Stadt Wien, maßgeblich beteiligt waren. Das Spezielle am heimischen Programm: Zusätzlich zum Mammografie-Screening ist anders als in anderen europäischen Ländern bei „dichter Brust“ eine Ultraschall-Untersuchung vorgesehen.

„Ganz Europa schaut auf uns“, sagte Helbich im Rahmen der europäischen Brustkrebskonferenz EBCC 8, die am Mittwoch im Austria Center in Wien eröffnet wurde. „Wenn wir mit der zusätzlichen Ultraschall-Untersuchung erfolgreich sind, dann wird das ein weltweiter  Standard werden. Österreich fungiert hier als Vorbild.“ Der positive Effekt: Durch die Ultraschall-Untersuchung können noch mehr Mammakarzinome früher erkannt werden, vor allem bei Frauen, deren Brust sehr dicht ist und die Mammografie in ihrer Aussagekraft limitiert ist.

Strengste Qualitätskriterien für die Mammografie
Das Programm an sich bringt noch mehr Qualität bei den Mammografie-Untersuchungen und ein bundesweites Einladungssystem in mehreren Sprachen, um auch Migrantinnen zu erreichen: Alle in Österreich gemeldeten Frauen im Alter zwischen 45 und 69 Jahren werden alle zwei Jahre schriftlich zu einer Früherkennungsmammografie eingeladen. Auch jüngere Frauen ab 40 und ältere Frauen bis 75 können auf eigenen Wunsch am Programm teilnehmen. Die EU hat die Standards für derartige Untersuchungen in einem 366 Seiten starken Dokument bis ins kleinste Detail festgehalten. Helbich: „Dort ist genau beschrieben, wer, wann und wie untersucht werden muss.“

Jede Mammografie wird von zwei RadiologInnen unabhängig voneinander begutachtet. Außerdem müssen alle am Programm teilnehmenden Ärzte und Ärztinnen bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und eine Schulung absolvieren.

400 Frauen jährlich das Leben retten
Jede achte Frau in Österreich erkrankt irgendwann in ihrem Leben an Brustkrebs, die Mortalität ist mit 20 Prozent dank der bereits jetzt hohen Qualität der Untersuchungen in Österreich relativ gering. Allerdings, so Helbich, gehen derzeit nur 40 bis 50 Prozent jener Frauen, denen ihre Gynäkologin bzw. ihre Gynäkologe oder auch der praktische Arzt bzw. Ärztin unbedingt zur Brustuntersuchung geraten hat, auch wirklich zur Mammografie. Mit dem Früherkennungsprogramm soll bei allen Frauen ein Prozentsatz von mindestens 70 Prozent erreicht werden. Helbich: „Wenn wir das erreichen, kann die Mortalität um etwa 30 Prozent gesenkt werden.“ Rund 1.500 Frauen in Österreich sterben jährlich an Brustkrebs. Mit Hilfe des nationalen Programms könnte man rund 400 Frauen das Leben retten. Helbich: „Denn je kleiner das Karzinom zum Zeitpunkt der Diagnose ist, desto besser ist auch die Überlebenschance.“